Kurz vor der EU-Austrittserklärung Grossbritanniens geht das Ringen um ein Unabhängigkeitsreferendum in Schottland weiter. Die Regierung in Edinburgh erhöht das Tempo. Theresa May drückt auf die Bremse.
Beim Poker ist die Mimik der Mitspieler oft das wichtigste Indiz dafür, welche Karten sie auf der Hand haben. Als die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon Anfang März in einem BBC-Interview gefragt wurde, ob ihre Drohung mit einem erneuten Unabhängigkeitsreferendum ein Bluff sei, lächelte sie. Wenige Tage später kündigte sie mit einer Abstimmung im schottischen Parlament den ersten Schritt für das Referendum an.
Auch bei der Reaktion der britischen Premierministerin Theresa May darauf liess sich einiges aus den Gesichtszügen ablesen. «Jetzt ist nicht die Zeit», sagte May an die schottische Regierungspartei SNP (Schottische Nationalpartei) gerichtet. Ihr Gesichtsausdruck war gequält, die Mundwinkel nach unten gezogen. Die Sache schien ihr Unbehagen zu bereiten.
Zwangspause wegen Terroranschlag
Nach dem Terroranschlag in London hatte das Duell der beiden mächtigen Frauen ruhen müssen. Die Abstimmung im schottischen Parlament wurde auf diesen Mittwochabend verschoben - nur einen Tag vor der erwarteten EU-Austrittserklärung Mays. Die meisten Abgeordneten wollten für die Volksabstimmung in Schottland votieren.
Auch ein einstündiges Gespräch zwischen den Kontrahentinnen am Montag in Glasgow brachte keine Annäherung. Sturgeon war frustriert von dem Treffen. May betonte, dass sie ihre Meinung nicht geändert habe.
May ist Sonderstatus für Schottland
Anlass für den schottischen Wunsch nach einem Referendum ist der harte Brexit-Kurs der Premierministerin. Grossbritannien soll nach dem Willen Mays auch aus dem Europäischen Binnenmarkt und der Zollunion ausscheiden. Sturgeon, deren Landsleute beim Brexit-Referendum 2016 überwiegend für einen Verbleib in der EU stimmten, lehnt das ab. Zumindest will sie einen Sonderstatus für Schottland erreichen.
Doch May ist dagegen. Sie bietet der Regierung in Edinburgh lediglich mehr Kompetenzen an, sobald der Austritt vollzogen ist. Gespräche zwischen ihr und den Regierungschefs von Schottland, Nordirland und Wales verliefen bislang ohne nennenswerte Ergebnisse. «Es gab keinerlei Versuch von der britischen Regierung, einen gemeinsamen Nenner zu finden», klagte Sturgeon.
Fraglich ist, ob sich die schottische Regierungschefin mit ihrer Forderung nach einem Unabhängigkeitsreferendum durchsetzen kann. Das letzte Wort darüber hat das Parlament in London - und ohne das Zutun der britischen Regierung ist dessen Zustimmung nicht zu bekommen.
Umstrittener Zeitplan
Vor allem der Zeitplan ist umstritten. Sturgeon will noch vor dem voraussichtlichen Austritt aus der EU in zwei Jahren abstimmen lassen. May will die Sache bis nach 2019, womöglich bis nach der nächsten Parlamentswahl in Schottland 2021 aussitzen.
Rechtlich stehen Sturgeon keine Zwangsmittel zu Verfügung. Selbst die Frage, ob das Parlament in Edinburgh ein unverbindliches Referendum abhalten könnte, ist umstritten. Doch das wäre nur eine Notlösung. Es ist daher nicht klar, warum Sturgeon sich so weit nach vorne wagt.
Zustimmung der Schotten nicht sicher
Auch ist die Zustimmung der Schotten für eine Unabhängigkeit keineswegs gewiss. Erst 2014 hatte sich eine Mehrheit von 55 Prozent der schottischen Wähler gegen eine Loslösung von Grossbritannien entschieden. Die Ausgangslage habe sich nach dem Brexit-Votum erheblich verändert, argumentiert die schottische Regierung.
Doch bislang zeigen die Umfragen auf eine Mehrheit für den Verbleib im Vereinigten Königreich. «Nachweislich bringt der Brexit keinen Umschwung in der öffentlichen Meinung zur Frage nach Schottlands Unabhängigkeit», stellte der renommierte Politikwissenschaftler John Curtice von der Universität Strathclyde in Glasgow kürzlich fest.
Möglich also, dass Sturgeon spekuliert: Die Blockadehaltung in London gegen ein baldiges Referendum könnte ihr genug Wähler in die Arme treiben, um eine Mehrheit für die Unabhängigkeit zu bekommen.
Welche Uhren die mächtigen Politiker tragen, sehen Sie in der Bildergalerie:
Das sind die Uhren der mächtigen Politiker: US-Präsident Donald Trump bekam zur Amtseinführung eine Uhr der Schweizer Marke Vulcain. Die Tradition gilt seit Harry Truman für alle US-Präsidenten. Ob er die Vulcain Cricket auch tragen wird, ist aber noch offen. Der Milliardär besitzt zahlreiche weitere Luxusuhren. RMS Der damalige US-Präsident Barack Obama geht – was die Uhr betrifft – fremd. Er wurde schon mit vielen Modellen gesehen. In den letzten Jahren trug Obama meistens eine Smartwatch von Fitbit für rund 250 Dollar. RMS Noch bescheidener ist die mächtigste Frau der Welt. Angela Merkel trägt eine Uhr der deutschen Lifestyle-Marke Boccia. Die Boccia Titanium gibt es für 89 Euro zu kaufen. RMS Kein Prasser ist auch der griechische Premier Alexis Tsipras. Seine Gc Watch hat ein Schweizer Uhrwerk und gleicht äusserlich einer Omega, ist aber für einige hundert Franken zu haben. RMS Auch der venezolanische Präsident Nicolás Maduro hat ein Flair für Schweizer Uhren. Hier handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Tissot. Dafür spricht zumindest das frühere Beuteschema des Präsidenten. RMS Wladimir Putin soll einen Uhrensammlung im Wert von mehreren hunderttausend Franken besitzen. Die Stücke stammen von Patek Philippe, Breguet oder wie hier auf dem Bild von Blancpain. Dafür musste sich der Präsident mit einem offiziellen Jahreslohn von rund 150'000 Franken schon kritische Fragen anhören. RMS Auch der philippinische Staatschef Rodrigo Duterte gibt sich gern als Mann des Volkes. Seine Uhrensammlung spricht indes eine andere Sprache. Zu seiner Sammlung gehören die Luxusuhr links, wahrscheinlich von Jaeger-LeCoultre, sowie die Pilotenuhr von IWC (r.). RMS Israels Benjamin Netanjahu hat einen klare Linie – auch was die Armbanduhr betrifft. Die zwei Luminor-Modelle von Panerai sehen beide sehr ähnlich aus. RMS Südafrikas Präsident Jacob Zuma ist in der Heimat unter anderem wegen seiner Verschwendungssucht unter Beschuss. Die Ulysse Nardin hilft sicher nicht den Ruf loszuwerden. RMS Eher politisch motiviert ist die Wahl von Japans Premier Shinzo Abe. Er trägt immer Modelle der japanischen Firma Seiko. RMS Die Jahre in der Schweiz haben Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un geprägt. Kein Wunder trägt er eine Schweizer Uhr. Überraschend ist indes die Wahl der billigen Movado, die er auf vielen Fotos trägt. Die Movado Moderna kostet nur rund 400 Franken. RMS Die Identifizierung der Politikeruhren ist nicht immer leicht. Die Armbanduhr von Chinas Präsident Xi Jinping ist beispielsweise nur auf sehr wenigen Fotos zu sehen und deshalb kaum zu bestimmen. Ausserdem besteht immer die Möglichkeit, dass es sich um Fälschungen oder billige Lookalikes handelt, solange die Politiker nicht selbst offenlegen, welche Uhr sie tragen. (Disclaimer: Diese Bildergalerie entstand Ende 2016, aktualisiert: 5. Februar 2018.) RMS Auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, ist im Besitz einer teuren Uhr: Er trägt eine Longines Dolce Vita. RMS