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Was Manager von Wladimir Klitschko lernen können

Wladimir Klitschko schreibt regelmässig darüber, welche Lehren er aus dem Sport fürs Handeln in der Unternehmenswelt zieht. So seien vor allem vier Qualitäten eines Boxers wichtig für den Erfolg.

Karen Merkel-Gyger

Sieben prominente Universitätsdozenten: Wladimir Klitschko lehrt seit diesem Sommer an der Hochschule St. Gallen. Wer das Seminar des Boxweltmeisters über Selbstmanagement und Persönlichkeitsentwicklung besuchen will, muss für 16 Unterrichtstage 16'000 Franken berappen.
Das US-Topmodel Tyra Banks wird ab Mai 2017 Dozentin an der Stanford Business School. 25 MBA-Studenten werden von der erfolgreichen Unternehmerin und TV-Produzentin lernen, wie man sich selbst als Marke aufbaut und inszeniert.
Hollywood-Star Angelina Jolie kämpft jetzt auch im Hörsaal für die Rechte der Frauen: An der London School of Economics will sie als Gastprofessorin dozieren. Das Thema ihrer Vorlesung ist ernst und präsent wie eh und je: Vergewaltigungen im Krieg.
Modezar und Chanel-Chefdesigner Karl Lagerfeld scheint die goldene Hand des König Midas zu besitzen: Egal, ob seine Kollektionen für Chanel oder Fendi entstehen oder für sein Eigenlabel «Karl Lagerfeld» - alles, was der Modezar angeht, wird erfolgreich und lukrativ. Selbst seine Katze «Choupette» wird von Millionen Fans bewundert. 2013 hielt der Modedesigner einen Masterkurs an der Pariser Universität: Am Institut für Politikwissenschaft erzählte er über sein Leben als Designer.
Auch Pop-Sänger Xavier Naidoo hatte eine Zeit lang ein Engagement als Dozent an der «Popakademie» im deutschen Mannheim. Als der mehrmalige Echo-Gewinner jedoch 2014 öffentlich am deutschen Nationalfeiertag fragwürdige Parolen gegenüber einem rechtspopulistischen Publikum äusserte, kündigte ihm die Akademie die weitere Zusammenarbeit auf.
Als Moderator prägte Markus Kavka in den späten 90ern bis hin in die frühen 2000er das Gesicht des deutschsprachigen Musik-Senders MTV. Seit dem Wintersemester 2014 ist Kavka als Dozent über Musikjournalismus an der Paderborner Universität tätig. Mit Erfolg, denn für das Sommersemester 2016 wurde er erneut engagiert.
Der deutsche Bundesaussenminister a. D. Joschka Fischer ( li., neben Alt Bundesrat Adolf Ogi) wurde während der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder zu einem der bekanntesten Politiker der Grünen. Nach der aktiven Politikerzeit folgte Fischer 2006 dem Ruf der US-Eliteuniversität Princeton, um über internationale Krisendiplomatie zu lehren.
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Sieben prominente Universitätsdozenten: Wladimir Klitschko lehrt seit diesem Sommer an der Hochschule St. Gallen. Wer das Seminar des Boxweltmeisters über Selbstmanagement und Persönlichkeitsentwicklung besuchen will, muss für 16 Unterrichtstage 16'000 Franken berappen. RMS

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Wenn Wladimir Klitschko irgendwann in naher Zukunft seine Boxhandschuhe endgültig an den Nagel hängt, wird eine nahezu beispiellose Sportlerkarriere zu Ende gehen. Gemeinsam mit Bruder Vitali regierte der Ukrainer über mehr als ein Jahrzehnt die Boxwelt, hielt Jahre in Folge drei Schwergewichts-Weltmeistertitel gleichzeitig, kämpfte vor Millionenpublikum.
Bei beiden Klitschkos ist es Zeit für die zweite Karriere: Vitali liess sich zum Bürgermeister von Kiew wählen, Wladimir ist überzeugt, dass sein Wissen aus 26 Jahren als Profi auch Top-Managern nützt. Er selbst betreibt mehre Unternehmungen – eine Boxagentur, ein Designhotel in Kiew –  und gibt als Gastdozent an der Universität St. Gallen seine Erfahrungen weiter.

«Überwinden Sie Ihren Schweinehund»

Seit einem Jahr postet Klitschko im Zuge dessen regelmässig auf dem Karrierenetzwerk Linkedin darüber, welche Lehren er aus dem Sport fürs Handeln in der Unternehmenswelt zieht. In seinem aktuellen Beitrag schlägt er all jenen vor, die unzufrieden im Job sind, «ihren inneren Schweinehund zu überwinden und ihren Träumen nachzugehen».

Vier Qualitäten eines Boxers sind dabei laut Klitschko wichtig für den Erfolg:

  • Ausdauer: Wladimir Klitschko empfiehlt, langfristig zu denken. Wer sich über Jahrzehnte erfolgreich als Manager oder Unternehmer halten wolle, müsse seine berufliche Laufbahn nachhaltig und langfristig planen. «Das Berufsleben ist ein Marathon, kein Sprint», schreibt Klitschko. Darum sei es wichtig, sich seine «Kräfte einzuteilen und sich regelmässig Zeiten der Reflexion zu gönnen».
  • Beweglichkeit: Nicht nur ein Weltklasse-Sportler müsse flink auf den Beinen sein, auch Unternehmer und Führungskräfte  brauchen – mentale – Beweglichkeit. Um den Herausforderungen der globalen, digitalisierten Wirtschaftswelt zu begegnen, seien Denkverbote fehlt am Platz. Klitschko empfiehlt darum: «Holen Sie sich Feedback ein, beziehen Sie Ihr Team in Entscheidungen ein, bauen Sie Hierarchien ab und sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter und Sie selbst den Blick öffnen.»
  • Koordination: «Ohne perfekte Bewegungsabläufe, eine schnelle Beinarbeit und die grosse Variabilität meiner Schlagkombinationen brauche ich als Boxer gar nicht anzutreten», schreibt Klitschko. Das Gleiche gelte für die Unternehmenswelt: Auch hier setzt Klitschko auf eine gute Konkurrenzanalyse und kluge Ressourcenplanung zu Beginn eines Projektes. «Schaffen Sie Strukturen und Abläufe, die das Geschäft beflügeln.» Ineffizienz sollte dagegen abgeschafft werden: «Beschäftigt sich Ihr Team den ganzen Tag mit Statusreports und Protokollen? Ändern Sie dies.»
  • Konzentration: «Formulieren Sie Ihr persönliches Ziel», sagt Klitschko. Beim Boxen sei dieses klar: «Ich will immer den nächsten Kampf gewinnen.» Die gleiche Strategie gelte auch für die Geschäftswelt. Es sei wichtig, ein klares Ziel zu benennen, dieses auf Etappenziele herunterzubrechen und sie im Team regelmässig zu besprechen. Wichtig sei: «Sind Sie vergangene Woche dem Ziel näher gekommen? Was muss geschehen, damit Sie kommende Woche oder kommenden Monat einen grösseren Sprung machen?»

Klitschko selbst muss derzeit diese Qualitäten beweisen: Bei seiner überraschenden Niederlage gegen Tyson Fury im November 2015 verlor er alle drei Weltmeistertitel gleichzeitig. Seitdem wartet der Ukrainer auf den Rückkampf. Doch Skandalboxer Fury schaukelt sich zu immer neuen Eskapaden hoch – zweimal liess er eine Revanche platzen, beichtete Kokainkonsum, mittlerweile schliesst das Klitschko-Management wegen einer drohenden Dopingsperre ein neues Treffen im Ring aus.

Herausforderer Klitschko schrieb dazu nach der ersten Absage von Fury: «Wäre alles nach Plan verlaufen, würde es diesen Beitrag nicht geben». Er habe auf den Punkt trainiert – «jetzt muss ich meine Fitness und meine Konzentration und Fokussierung bis zum nächsten Termin halten».

Höchstleistung auf den Punkt abrufen

Auch hier zieht er die Parallelen zur Businesswelt und ermutigt, sich nicht ausbremsen zu lassen. «Viele von Ihnen kennen das», so Klitschko. Wenn ein wichtiges Meeting in letzter Minute verschoben werde, sei im ersten Moment die Luft raus. «Enttäuschung macht sich breit, weil die geleistete Arbeit nicht in die Bahnen gelenkt werden kann, die vorgesehen waren», so der Box-Champion.

«Ich gestehe Ihnen: Mir geht es ähnlich», schreibt Klitschko weiter. Und doch: Es sei hart, aber nötig, sich neu zu sammeln. «Gönnen Sie sich eine Verschnaufpause, (...) und konzentrieren sich dann voll wieder auf die Sache.» Eine Top-Vorbereitung, die nicht auf den Punkt abgerufen werde, sei leider vergebens. «Höchstleistung», so Klitschko,  «erlaubt keine Ausreden».

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