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Von Staatsfonds der etwas anderen Art

Schwellenländer suchen ihr Heil in Staatsfonds: Länder wie die Türkei und Rumänien lagern Staatsfirmen in Fonds aus, um etwa Infrastrukturprojekte zu finanzieren. Experten zweifeln an den Plänen.

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Turkish Airlines: Dient als Sicherheit für Investoren des türkischen Staatsfonds.Keystone RMS

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Es sind Staatsfonds der etwas anderen Art: Ärmere Länder wie die Türkei, Rumänien oder Bangladesch legen Fonds auf, um Gelder von internationalen Anlegern einzusammeln und damit Straßen, Schulen und Krankenhäuser zu bauen. Als Sicherheit für die Investoren dienen Beteiligungen an Staatsfirmen wie Turk Telekom oder Turkish Airlines. Diese Art von Fonds stehen im Gegensatz zu den klassischen Staatsfonds von rohstoffreichen Ländern wie Norwegen oder Kuwait, die für ihr Billionenvermögen weltweit Anlagemöglichkeiten suchen.
Experten sind skeptisch, ob das Staatsfonds-Modell der Schwellenländer Erfolg hat. «Das Ganze als Staatsfonds zu betiteln ist nicht mehr als Marketing, eigentlich müssten die Gesellschaften als staatliche Holding-Unternehmen bezeichnet werden», sagt Analyst Elliot Hentov vom Vermögensverwalter State Street Global Advisors.

Staatsfirmen werden in Fonds ausgelagert

Prominentes Beispiel ist die Türkei: Die Regierung lagerte vor ein paar Wochen Beteiligungen an ihren wichtigsten Staatsbetrieben in einen Fonds aus mit dem Ziel, Kredite zu niedrigen Zinsen für Infrastrukturprojekte zu bekommen. Die Anteile an Unternehmen wie Turkish Airlines, Halkbank, Turksat oder dem Teehersteller Caykur sind mehrere Milliarden Dollar wert. Geplant sei, das Volumen des Fonds zügig auf 200 Milliarden Dollar zu erhöhen. «Wir stellen ein riesiges Interesse von Investmentbankern aus den weltweiten Finanzzentren New York und London fest», sagte der Manager des Turkey Wealth Funds, Mehmet Bostan, Ende Februar zu Reuters.

Wie die Türkei will auch Rumänien Staatsfirmen in einen Fonds auslagern, um den Strassen- und Brückenbau zu finanzieren. Bangladesch plant einen zehn Milliarden Dollar schweren Fonds auf Basis seiner rekordhohen ausländischen Währungsreserven, die sich durch den Export von Waren und Überweisungen von im Ausland arbeitenden Bürgern angehäuft haben.

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Wie ein Leuchturm im Landesinneren

Doch zahlreiche Experten zweifeln an den Plänen. «Ein Staatsfonds wird normalerweise dafür genutzt, Geld anzulegen, das durch Haushaltsüberschüsse erwirtschaftet wurde. Mit einem Staatsfonds in der Türkei wird dagegen öffentliches Vermögen verschleudert, das das Land in den vergangenen Jahren aufgebaut hat», kritisiert Volkswirtschafts-Professor Refet Gurkaynak von der Bilkent Universität in Ankara. «Das ist, als ob man einen Leuchtturm im Landesinneren baut.»
Das Prinzip der Staatsfonds gibt es seit den 1950er Jahren und wird vor allem von Ländern genutzt, die mit dem Export von Rohstoffen ein Vermögen erwirtschaften. Insgesamt verwalten die Gesellschaften inzwischen rund 6,5 Billionen Dollar. Unter den grössten sind Norwegen, Kuwait und Singapur. Ziel der Regierungen ist es, mit den Fondsgeldern die Landeswährung gegen Inflation zu schützen, Preisschwankungen von Rohstoffen auszugleichen oder die Altersvorsorge der Bürger zu gewährleisten.

Gefahr von Missbrauch

Länder wie die Türkei müssen im Gegensatz dazu um das Ansehen internationaler Geldgeber buhlen. Hohe Haushaltsdefizite und politische Unruhen erschweren dem Land den Zugang zu den Finanzmärkten. Bei den grossen Ratingagenturen hat die Türkei «Ramsch»-Status. Fachleute kritisieren, dass der 2016 aufgelegte Fonds einen parallelen Staatshaushalt schaffe, der weniger Kontrollen unterliege und Missbrauch Tür und Tor öffne. «Die Gefahr ist, dass so Wege um die Budget-Vorschriften im Parlament herum gefunden werden und es keine Prüfung durch Minister mehr gibt», sagt Analyst Andrew Bauer vom Natural Resource Governance Institute.

Nicht klar ist zudem, wie die Rendite eines solchen Fonds errechnet werden soll. Durch den Bau von Bahngleisen oder Häfen sowie dem Aufbau eines besseren Bildungssystems könne die Konjunktur eines Landes zwar angekurbelt werden, aber es dauere Jahre, bis mögliche Erfolge sichtbar seien, erklärt Steven Behrendt, Manager bei der Beratungsgesellschaft GeoEconomica. «Ob solche Investments für Anleger profitabel sind, ist noch völlig unklar.»

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(reuters/ccr)
Die zwölf grössten Investmentbanken der Welt sehen Sie in der Bildergalerie unten:
Hier sind die Top Ten der grössten Staatsfonds der Welt (laut Sovereign Wealth Fund Institute):
10. Platz: National Social Security Fund (China)
Der Fonds ist einer von mehreren chinesischen Staatsfonds und soll zur Deckung von künftigen Sozialausgaben dienen. Die 236 Milliarden Dollar sind vor allem in festverzinsliche Anlagen und chinesische Aktien investiert.
9. Platz: Qatar Investment Authority (Katar)
Der katarische Staatsfonds ist erst 2005 gegründet worden und setzt auf langfristige Beteiligungen. Die 256 Milliarden Dollar sind unter anderem bei Glencore und Credit Suisse angelegt.
8. Platz: Government of Singapore Investment Corporation (Singapur)
Die Behörde ist eigentlich eine Dachgesellschaft, welche einen Teil der diversen Staatsfonds von Singapur verwaltet (die andere ist die Temasek Holding auf Rang 11). 344 Milliarden Dollar werden von der Corporation beaufsichtigt.
7. Platz: Hong Kong Monetary Authority Investment Portfolio (Hongkong)
Die de facto Zentralbank von Hongkong hat ihre Investitionen in einen Staatsfonds ausgelagert, der mit 442 Milliarden Dollar ausgestattet ist.
6. Platz: SAFE Investment Company (China)
Das staatliche chinesische Devisenamt betreibt einen Fonds, der zuständig für Deviseninvestitionen ist. Ihm stehen geschätzte 474 Milliarden Dollar zur Verfügung, wobei die Zahlen nicht öffentlich gemacht werden.
5. Platz: Kuwait Investment Authority (Kuwait)
Die Behörde ist eigentlich wieder eine Oberaufsicht über verschiedene Staatsfonds, die gemeinsam gemanagt werden. Der Golfstaat verfolgt schon seit 1953 die Strategie, das Ölgeld mittels Staatsfonds zu verwalten. 592 Milliarden Dollar haben sich seither angesammelt.
4. Platz: SAMA Foreign Holdings (Saudi-Arabien)
Die saudische Zentralbank betreibt einen Staatsfonds mit 632 Milliarden Dollar. Doch der Ölstaat plant nach dem Aramco-Börsengang einen noch viel gewaltigeren Fonds zur Verwaltung der Öleinnahmen.
3. Platz: China Investment Corporation (China)
Der grösste von mehreren chinesischen Staatsfonds verwaltet die ausländischen Devisenreserven des Landes. Die Corporation hat ihr Vorbild – die singapurische Temasek Holding – mit 747 Milliarden Dollar längst übertroffen.
2. Platz: Abu Dhabi Investment Authority (Vereinigte Arabische Emirate)
Wie andere Ölförderer bereiten sich auch die Vereinigten Arabischen Emirate auf die Zeit nach dem Öl vor. Ihr 1976 gegründeter Staatsfonds ist schon 773 Milliarden Dollar schwer.
1. Platz: Government Pension Fund (Norwegen)
Der Fonds verwaltet die Öleinnahmen des Landes seit 1990 und war zuletzt mit 848 Milliarden Dollar der grösste Staatsfonds der Welt. Doch die Krone dürfte den Norwegern bald abgejagt werden.
Daten: SWFI. Bilder: Keystone
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Hier sind die Top Ten der grössten Staatsfonds der Welt (laut Sovereign Wealth Fund Institute): 10. Platz: National Social Security Fund (China) Der Fonds ist einer von mehreren chinesischen Staatsfonds und soll zur Deckung von künftigen Sozialausgaben dienen. Die 236 Milliarden Dollar sind vor allem in festverzinsliche Anlagen und chinesische Aktien investiert. RMS

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