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Ausbildung

Von Medizin bis Physik: Was die SMI-Chefs gelernt haben

Ein Blick in die Vita verrät: Längst nicht jeder SMI-Firmenchef 
hat in ­seinem Fachgebiet studiert. Und zwei 
von zwanzig CEOs haben auf eine Lehre gesetzt.

Maren Meyer

Lehre, Master, Diplom oder Doktortitel - was die SMI-Konzern-Chefs gelernt haben:
Sergio Ermotti, UBS: Nach einer Bankenlehre in Lugano hat er das Advanced Management Programme in Oxford absolviert.
Severin Schwan
Tidjane Thiam (links), Credit Suisse: An der Ecole Nationale Supérieure des Mines in Paris hat er 1986 Fortgeschrittene Mathematik und Physik studiert. Weiter hat er einen MBA an der INSEAD in Fontainebleau abgeschlossen.
Ulf Markus Schneider
Ulrich Spiesshofer, ABB: Der CEO des Technologieunternehmens ABB hat 1989 ein Ökonomie-Studium in Stuttgart absolviert.
Urs Schaeppi, Swisscom: Auch der Swisscom-Leiter hat an der Hochschule St. Gallen Ökonomie studiert. Später dann Ingenieurwissenschaften an der ETH in Zürich.
Alain Dehaze, Adecco: In Brüssel hat der heute 53-Jährige Wirtschaftsingenieurwesen abgeschlossen.
Boris Collardi, Julius Bär: An der IMD in Lausanne hat Collardi das Executive Programme absolviert.
Christian Buhl, Geberit: An der ETH Zürich hat Buhl Physik studiert und anschliessend an der Universität St. Gallen auf dem Gebiet der Finanzmarktforschung zum Dr. oec. HSG promoviert.
Christian Mumenthaler, Swiss Re: Der CEO der Versicherung Swiss Re hat den Doktorstudiengang Physik an der ETH absolviert.
Eric Olsen, Lafarge Holcim: Nach seinem Finanz- und Rechnungswesen-Studium in Colorado hat Olsen seinen MBA in Paris absolviert.
Frankie Ng, SGS: Der Leiter des weltweit grössten Prüfkonzerns hat Ingenieurwesen in Genf sowie Ökonomie in Essex studiert.
Gilles Andrier, Givaudan: Der gebürtige Franzose hat an der Ingenieurschule in Toulouse studiert.
Jean-Paul Clozel, Actelion: Der 62-jährige CEO des Schweizer Pharmaunternehmens Actelion hat in Nancy Medizin studiert.
Joe Jimenez
Mario Greco, Zurich Insurance: Der Ökonomie-Absolvent hat sein Studium in Rom und in Rochester abgelegt.
Nick Hayek, Swatch: Bei seinem Ökonomie-Studium an der HSG ist es nicht geblieben: Auch an der Filmakademie in Paris war Hayek erfolgreich.
Patrick Frost, Swiss Life: Der Geschäftsführer studierte an der ETH in Zürich sowie an den Universitäten Köln, Basel und Zürich. Der CFA-Charterholder verfügt über Abschlüsse in Naturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften. Bilder: Keystone
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Lehre, Master, Diplom oder Doktortitel - was die SMI-Konzern-Chefs gelernt haben: RMS

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Lehre, Master, Diplom oder Doktortitel: Ein Blick in die Lebensläufe der SMI-Konzern-Chefs verrät, wessen Karriere in einem Hörsaal begann. Doch nicht jeder, der die Karriereleiter bis an die Konzernspitze erklommen hat, kann ein Studium vorweisen: Zwei von zwanzig CEOs haben sich ihre ersten Sporen in einer Lehre verdient.

Jüngster Bankenchef ganz ohne Studium

UBS-Chef Sergio Ermotti absolvierte eine Bankenlehre bei der Cornèr Bank in Lugano. Später setzte der Tessiner ein Advanced-Management-Programm an der Universität Oxford obendrauf. Und zählt heute zu den Grossverdienern unter den Schweizer CEOs.
Auch Julius-Bär-CEO Boris Collardi absolvierte eine Ausbildung bei der Credit Suisse und bildete sich am IMD Lausanne weiter – trotz Matura entschied er sich gegen ein Hochschulstudium. Und brachte es bereits im Alter von 35 Jahren als jüngster Bankchef der Schweiz weiter als manch ein Studiosus.

Wenig überraschend

In den meisten Fällen erstaunt die Studienwahl in Hinblick auf die heutige Karriere und Branchenzugehörigkeit wenig: Gründer und CEO des Biopharmakonzerns Actelion, Jean-Paul Clozel, studierte Medizin in Frankreich, Syngenta-CEO Erik Fyrwald absolvierte ein Studium zum Chemieingenieur in den USA, und Mario Greco, Chef der Zurich Insurance Group, wählte die Wirtschaftswissenschaften.

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Ohnehin erfreuen sich die Lehren der Wirtschaft grosser Beliebtheit unter den Unternehmenschefs der SMI-Konzerne: Insgesamt haben 11 von 20 CEOs ein Wirtschafts- oder ein Wirtschaftsingenieur-Studium absolviert. Darunter Roche-CEO Severin Schwan, Swisscom-Chef Urs Schaeppi und Swiss-Life-CEO Patrick Frost, der noch die Natur- und Rechtswissenschaften zu seinen Abschlüssen zählt.

Die Aussreisser

Dann gibt es noch die Ausreisser, jene Konzernchefs, die etwas studiert haben, das mit ihrer Branche wenig bis gar nichts zu tun hat. Swiss-Re-CEO Christian Mumenthaler ist so ein Fall: Molekularbiologie und Biophysik waren seine Wahlfächer an der ETH.
Gilles Andrier, Chef des Aroma- und Duftstoffherstellers Givaudan, kann gleich zwei Masterabschlüsse in Ingenieurwissenschaften vorweisen. Auf den ersten Blick scheint auch das Physikstudium des Geberit-Chefs Christian Buhl im Sanitärgeschäft abwegig. Doch zu wissen, wo hier die physikalischen Kräfte walten, kann sicher nicht schaden.
Sehen Sie in der Bildergalerie unten, wer die zehn wichtigsten Persönlichkeiten - das «Who is who» - der Schweizer Pharma- und Chemiebranche ist:
«Bilanz» hat das «Who is who» der Schweizer Wirtschaft ermittelt. Die wichtigsten Personen in der Pharma- und Chemiebranche:Erik FyrwaldCEO SyngentaSeit Juni leitet er den Agrochemiekonzern, der mitten im Prozess der Übernahme durch ChemChina steckt. Mit seiner Erfahrung bei DuPont und beim Chemiegrosshändler Univar bringt er aber viel Branchenkenntnisse mit. Jeff Wheeler
Jean-Paul ClozelGründer und CEO ActelionWeil sein alter Arbeitgeber Roche nicht an das Potenzial des Wirkstoffs Tracleer gegen Bluthochdruck in der Lunge glaubte, gründete Clozel mit einigen Getreuen Actelion und entwickelte das Medikament auf eigene Faust. Bekanntlich wurde Tracleer zu einer Erfolgsstory und Actelion dadurch zum grössten Biotech-Unternehmen der Schweiz.
Gilbert GhostineCEO FirmenichSeit zwei Jahren leitet der gebürtige Libanese den verschwiegenen Westschweizer Duft- und Aromaspezialisten Firmenich. Die 40 Mitglieder der Gründerfamilie halten weiterhin alle Anteile an dem Unternehmen, das dank des Umsatzes von über drei Milliarden Franken hinter Marktführer Givaudan die Nummer zwei der Welt im Geschäft mit Duftstoffen und Aromen ist.
Etienne JornodVR-Präsident GalenicaNach 20 Jahren an der Spitze von Galenica wollte Jornod eigentlich Ende des Jahres abtreten – doch im Mai erfolgte der Rücktritt vom Rücktritt. Nun hat er eine lange To-Do-Liste: Er will auf Druck des Kapitalmarktes Galenica in zwei Teile aufspalten, einen neuen CEO für die Pharmatocher Vifor Pharma suchen und auf der Eigentümerseite den Stress besänftigen.
Magdalena Martullo-BlocherHaupteigentümerin, VR-Vizepräsidentin 
und CEO Ems-Chemie, SVP-NationalrätinAls Unternehmerin ist Magdalena Martullo-Blocher längst aus dem Schatten ihres Vaters Christoph Blocher getreten. Die Ems-Chemie, die sie seit 2004 leitet und gleichzeitig als Grossaktionärin kontrolliert, steht glänzend da. Umsatz, Marge und Gewinn kennen nur eine Richtung: nach oben.
Andrea PfeiferCEO AC ImmuneBis 2020 will Andrea Pfeifer mit dem von ihr mitbegründeten Start-up AC Immune eine Therapie gegen Alzheimer entwickeln. An diesem Vorhaben sind bisher selbst die Topadressen der Pharmabranche gescheitert.Sébastien Agnetti
Jörg ReinhardtVR-Präsident Novartis Der 60-jährige Deutsche, der seit 2013 den Verwaltungsrat von Novartis leitet, gibt selten Interviews. Dennoch ist der Novartis-Präsident in aller Munde, denn die Gazetten sind voller Spekulationen, was er mit einer der letzten Hinterlassenschaften aus der Ära seines Vorgängers Daniel Vasella machen wird: dem 33-prozentigen Anteil am Rivalen Roche.
Richard RidingerCEO LonzaAls Ridinger 2012 die Leitung des Pharmazulieferers übernahm, dümpelte die Aktie um 33 Franken herum. Der Ex-BASF-Manager restrukturierte das Unternehmen und stabilisierte das Wachstum durch den Ausbau von Geschäftsfeldern wie Nahrungszusatzmitteln und macht so Riesen wie Nestlé zunehmend Konkurrenz. Vier Jahre später notiert die Aktie mit über 180 Franken nahe dem Allzeithöchst.
Severin SchwanCEO RocheSchwan sitzt als Konzernchef fest im Sattel. Allerdings muss der promovierte Jurist Roche jetzt durch eine heikle Phase führen. Denn seine Bestseller wie das Krebsmittel Herceptin verlieren den Patentschutz. Die Pipeline ist gut gefüllt, doch bleibt die Entwicklung neuer Medikamente auch für erfolgsverwöhnte Konzerne wie Roche ein riskantes Geschäft.
Rudolf WehrliVR-Präsident ClariantMit Doktortiteln in Philosophie und Theologie hat der langjährige Präsident von Clariant wohl den ungewöhnlichsten Bildungshintergrund in der Branche. Beim Chemiekonzern will er die drei Sparten Care Chemicals, Katalysatoren und Rohstoffe durch gezielte Zukäufe stärken.Bilder: Keystone
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«Bilanz» hat das «Who is who» der Schweizer Wirtschaft ermittelt. Die wichtigsten Personen in der Pharma- und Chemiebranche:Erik FyrwaldCEO SyngentaSeit Juni leitet er den Agrochemiekonzern, der mitten im Prozess der Übernahme durch ChemChina steckt. Mit seiner Erfahrung bei DuPont und beim Chemiegrosshändler Univar bringt er aber viel Branchenkenntnisse mit. Jeff Wheeler RMS

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