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Sesselwechsel

Mit Ulf Mark Schneider soll Nestlé gesund werden

Auf Paul Bulcke folgt Ulf Mark Schneider, auf fertig folgt gesund: Der neue CEO soll Nestlé aus der Sackgasse und weg von Ladenhüter-Produkten führen. Vielleicht geht der Weg über Zukäufe.

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Ulf Mark Schneider: Seit knapp hundert Jahren der erste CEO von aussen.  Keystone/Nestlé RMS

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Beim Nahrungsmittelriesen Nestlé übernimmt dieser Tage Ulf Mark Schneider das Zepter. Dass er seit knapp hundert Jahren einer der ersten Firmenchefs ist, der von ausssen kommt, sehen viele als Eingeständnis.
Nestlé hat sich in eine Sackgasse manövriert, aus der Schneider nun rausführen soll.

Das Problem von Gesund

Nestlé, das ist der Inbegriff von Fertigware. Schnelle Fertigsuppen von Maggi, Saucen von Thomy, Schokolade und Kaffee: Das alles wird in den Nestlé-Küchen zubereitet. Doch Konsumenten in aller Welt setzen zunehmend auf frische Nahrungsmittel, während Fertigprodukte zu Ladenhütern werden.
Gesund ist also in. Und Wachstum verspricht das Geschäft mit Spezialnahrung, beispielsweise für Alte oder Kranke. Die Lösung scheint einfach: Raus aus weniger rentablen Bereichen wie dem US-Süsswarengeschäft oder Tiefkühlkost, rein in das zukunftsträchtige Gesundheitsgeschäft. Dieser Bereich (Nestle Health Science) machte zuletzt mit gut zwei Milliarden Franken weniger als 3 Prozent des Konzernumsatzes aus. Das soll nicht so bleiben: Nestlé hat für die Sparte eine Zielmarke von bis zu 10 Milliarden Franken Umsatz aufgestellt.

Mögliche Einkaufstour

Für den Ausbau verantwortlich ist der neue Chef Schneider höchst persönlich: Er leitet das Gesundheitsgeschäft sowie die Hautpflege-Sparte Nestle Skin Health künftig selbst. Schneider ist deutscher und US-amerikanischer Staatsbürger und seit 2003 Vorstandsvorsitzender der deutschen Fresenius-Gruppe, einem Gesundheitskonzern.

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Am einfachsten zu bewerkstelligen wäre das geplante Wachstum mit Zukäufen, glauben Analysten. An Finanzkraft mangelt es dem Schweizer Konzern nicht. Nach Einschätzung der Credit-Suisse-Analysten könnte Nestlé bis zu 60 Milliarden Dollar für Zukäufe ausgeben – wenn der Konzern seine gut 23-prozentige Beteiligung am französischen Kosmetikkonzern L'Oréal zu Geld macht. An der Börse ist der Anteil gut 22 Milliarden Euro wert.

Vorgänger macht nur bedingt Platz

Schneider selbst hat sich bislang nicht zu seiner Strategie geäussert. Er hat seinen ersten öffentlichen Auftritt bei der Bilanzpressekonferenz am 16. Februar. Völlig freie Hand dürfte er bei der Umsetzung seiner Vision ohnedies nicht haben: Denn im Frühjahr wechselt sein Vorgänger Paul Bulcke an die Spitze des Verwaltungsrats und gibt Schneider von dort aus die Marschrichtung vor.
(sda/jfr)
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