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Studie

Mehr Lohn als Verstand: Warum Boni Glückssache sind

Je erfolgreicher eine Firma, desto höher der Lohn des Chefs. Jedoch: Bezahlt wird selten Leistung, sondern Glück.

Harry Büsser

Sieben Fehler, die Sie in Gehaltsverhandlungen vermeiden sollten:1. Sie akzeptieren das erste AngebotDas erste Gehaltsangebot sollten Sie nie annehmen. Der Arbeitgeber rechnet damit, dass Sie mit ihm diskutieren.
2. Sie glauben, was Ihnen gesagt wirdBeinahe jedes Angebot ist verhandelbar. Und vor allem das erste Angebot ist sehr selten das Beste.
3. Sie schieben die Gehaltsverhandlung aufManche Menschen denken: Erst beweise ich meinem Boss, was ich wert bin, und dann frage ich nach mehr Geld. Das Problem dabei: Wenn Sie mit einem niedrigen Gehalt einsteigen, ist es schwer, Ihren Wunschlohn zu bekommen.
4. Sie zeigen, dass Sie nicht gehen würdenSie sollten sich nie anmerken lassen, dass Sie den Job auf keinen Fall wechseln werden. Das bringt Sie in eine ungünstige Verhandlungsposition.
5. Sie drohen damit, zu gehenEs macht einen Unterschied, ob Sie offen lassen, dass Sie gehen könnten oder ob Sie damit drohen, die Firma zu verlassen.
6. Sie sprechen darüber was gerecht istDas Wort «gerecht» sollten Sie niemals verwenden, wenn es um das Gehalt geht. Sehen Sie die Verhandlung eher als Wettbewerb, in dem es darum geht, das Beste herauszuholen.
7. Sie haben Angst, mit einer höheren Gehaltsforderung das Jobangebot zu verlierenSie sollten keine Angst davor haben, mit der Frage nach mehr Geld das Jobangebot zu gefährden. Es kommt aber darauf an, wie Sie diese Frage formulieren. Bilder: Keystone
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Sieben Fehler, die Sie in Gehaltsverhandlungen vermeiden sollten:1. Sie akzeptieren das erste AngebotDas erste Gehaltsangebot sollten Sie nie annehmen. Der Arbeitgeber rechnet damit, dass Sie mit ihm diskutieren. RMS

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Der Aufschrei war gross: Über 70 Millionen Franken erhielt Brady Dougan, der ehemalige Chef der Credit Suisse, im Jahr 2010 als erfolgsabhängige Entlöhnung. Dieser Riesenlohn hatte wohl wenig mit dem Können von Dougan, sondern mehr mit Glück zu tun.
Diesen Schluss zieht eine neue Studie von Finanzprofessor Moshe Levy von der Hebrew University in Jerusalem. Sie trägt den Titel «90 Cents of Every ‹Pay-for-Performance› Dollar Are Paid for Luck». Darin wird gezeigt, dass rund 90 Rappen jedes Frankens der erfolgsabhängigen Entlöhnung von Spitzenmanagern nicht für Können und Einsatz, sondern für Glück und Zufall bezahlt werden.

Wirkung von Aktienoptionen

Speziell untersucht wurde die Wirkung von Aktienoptionen. Gemäss der Studie basieren bei grossen börsenkotierten Firmen 30 bis 50 Prozent des gesamten Lohns der Chefs auf solchen Kompensationsmodellen.
Da die Aktienoptionen selten mit einem Vergleichsindex verbunden seien, spielten glückliche Fügungen für die Branche oft eine grössere Rolle für den Erfolg einer Firma als die Fähigkeiten eines Managers. Als klassisches Beispiel nennt Levy die Chefs von Ölfirmen, die von einem steigenden Ölpreis in der Lohntüte profitieren.
Zudem seien Aktienoptionen meist so gestaltet, dass deren Ausübungspreise kaum über dem aktuellen Aktienkurs lägen. Dies führe dazu, dass die Manager risikoreichere Strategien bevorzugten, weil sie damit den Wert ihrer Optionen erhöhen könnten, wie in der Studie mathematisch dargelegt wird.

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Mit Vergleichsindex koppeln

Levy empfiehlt, Aktienoptionen für Manager mit einem Vergleichsindex zu koppeln und deren Ausübungspreise weit über den aktuellen Aktienkurs zu setzen, damit Manager weniger Anreize hätten, sehr riskante Strategien zu verfolgen.
Auch der erfolgreiche Investor Warren Buffett glaubt, dass durchschnittliche Chefs überbezahlt werden. Das sagte er schon im Jahr 1998 und gab auch zu Protokoll, wie das geschieht: «über Aktienoptionen».
Sehen Sie in der Bildergalerie, welche originellen Boni Facebook, Google und Co. bieten:
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