Flughafen Zürich – eine Aktie mit traumhaften Kursboom
Das Swissair Grounding ist der Startpunkt: Seitdem hat sich der Aktienwert des Flughafens Zürich vervielfacht. Neben dem Erfolg der Swiss hat das einen weiteren Grund.
Der Flughafen Zürich hatte einen schwierigen Start als selbständiges Unternehmen. Erst Ende 2000 wurde die Gesellschaft privatisiert – und im Herbst 2001 brach die Swissair zusammen. Mit dem Grounding der nationalen Fluggesellschaft verlor der Airport seinen wichtigsten Kunden, seine Rolle als Drehkreuz war bedroht. Der Aktienkurs fiel 2003 an der Börse auf unter 20 Franken.
Mehr als 15 Jahre später sieht das ganz anders aus: Heute ist der Titel des Flughafens 232 Franken wert. Die Aktie hat sich aber noch viel stärker aufgewertet, denn seit 2003 wurde der Nennwert des Titels mehrfach geteilt. Der Aufstieg gewinnt dabei an Fahrt: Es ist vor allem die jüngste Entwicklung der Aktie, die interessant ist. In diesem Jahr hat sie sich um rund einen Viertel verteuert, über die letzten fünf Jahre gesehen beträgt das Plus fast 300 Prozent.
Höhenflug im Windschatten der Swiss
Zwar sind auch andere Flughafengesellschaften heuer an der Börse gefragt. Die Titel von Frankfurt, Wien oder Paris sind wegen des Passagierwachstums teilweise sogar noch stärker gestiegen. Der Börsenerfolg des Zürcher Flughafens ist dennoch nicht zufällig.
Zum einen hat die Swiss viel zum Höhenflug der Aktie beigetragen. Die Lufthansa-Gesellschaft sorgt dafür, dass Jahr für Jahr mehr Menschen via Zürich fliegen. Weil die Airline ihre Flotte erneuert hat, sind alleine seit Januar die Passagierzahlen in Zürich um mehr als 8 Prozent gestiegen. Der Flughafen verdankt seinen Erfolg aber nicht nur der Swiss.
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Der Flughafen eröffnet «The Circle»
Seit Jahren investiert das Management in das Geschäft abseits des Rollfelds. Nur noch rund 60 Prozent der Erträge erwirtschaftet der Flughafen mit den Airlines – der Rest stammt beispielsweise von der Ladenvermietung, dem Duty Free oder den Parkhäusern. Die Gesellschaft ist dadurch weniger abhängig von den Flughafengebühren der Airlines – und profitiert stärker von den zusätzlichen Passagieren, wenn etwa der Umsatz in den Läden steigt.
Bald wird die Rolle des Flughafens als Immobiliengesellschaft noch viel ausgeprägter. Ende 2019 wird «The Circle» eröffnet. Das riesige Dienstleistungszentrum neben dem Flughafen macht das Unternehmen noch unabhängiger vom Kerngeschäft. Wachsen will der Flughafen auch international. Er hat das Management zusätzlicher Airports in Brasilien und Serbien übernommen. In den nächsten Jahren soll dieses internationale Engagement rund 10 Prozent zum Gewinn beisteuern.
Stadtzürcher Politiker kritisieren Strategie
Anlegern gefällt offensichtlich die Strategie des Flughafens. Auch Zürcher können sich am Erfolg freuen. Der Kanton besitzt einen Drittel an der Gesellschaft und die Stadt weitere fünf Prozent. Der Flughafen zahlt hohe Dividenden aus, die in die öffentliche Kasse fliessen.
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Verschiedene Stadtzürcher Politiker wollen die Aktien aber nun verkaufen – und sie stören sich just am breit abgestützten Geschäftsmodell, das dem Flughafen Erfolg gebracht hat: Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, fordern Politiker der SVP und der Grünen in einer Motion, dass die Stadt sich von ihrer Beteiligung trennt, oder den Anteil auf zumindest 0,5 Prozent hinunterfährt. Als ständig wachsendes Immobilienunternehmen konkurrenziere die AG das städtische Gewerbe, so das Argument der Politiker.
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Die Geschichte der Swissair in Bildern:26. März 1931, ein historischer Tag in der Geschichte der Schweizer Luftfahrt: Die Swissair wird durch die Fusion der beiden Fluggesellschaften Ad Astra Aero und Balair von Balthasar Zimmermann und Walter Mittelholzer gegründet.RMSDie Swissair erlebt einen kontinuierlichen Aufstieg. Sie etabliert sich bis hin zur Vorzeige-Fluggesellschaft.RMSIm Dezember 1992 stimmt die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung gegen die EWR-Verträge. Dadurch wird das bilaterale Luftverkehrsabkommen zwischen der Schweiz und der EU blockiert.RMSJanuar 1997: Auf den europäischen Markt hat die Swissair keinen Zugriff mehr. Um die Nachteile auf dem Markt zu beheben, setzt SAirGroup-CEO Philippe Bruggisser auf eine neue Strategie. Ziel ist die Expansion durch Kapitalbeteiligungen bei nationalen Fluggesellschaften wie zum Beispiel Volare...RMS...Air Littoral...RMS.... oder Sabena.RMSAm 15. November 1998 liberalisiert die Revision des Luftfahrtgesetzes den schweizerischen Luftverkehr.RMS23. Januar 2001: Die «Hunter-Strategie» wird per sofort beendet. Die Swissair zieht sich aus den Beteiligungen zurück.RMSIm März 2001 wird Mario Corti zum neuen CEO der SAirGroup ernannt. Anfang April muss der neue Konzernleiter einen fatalen Verlust von rund 2,9 Milliarden Franken verkünden.RMSDie Terroranschläge vom 11. September machen der Swissair einen weiteren Strich durch die Rechnung. Der Nordatlantik-Flugverkehr wird unterbrochen. Die bereits mit 17 Milliarden Franken verschuldete Swissair büsst zusätzlich 65 Millionen Franken an Schulden ein.RMSAm 1. Oktober muss der Swissair-Verwaltungsrat das von den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse erarbeitete «Projekt Phoenix» akzeptieren.RMS1. Oktober 2001: Für diesen Entscheid mitverantwortlich war Marcel Ospel. Der damalige UBS-CEO hatte nach dem Grounding mit grosser Kritik zu kämpfen.RMS1. Oktober 2001: Die Swissair gibt die Selbständigkeit auf. Teile des Swissair-Flugbetriebs werden durch Crossair übernommen.RMSAm 2. Oktober 2001 wird die Swissair wegen zu spätem Zugriff auf einen von den Banken zugesagten Kredit für Kerosin gegroundet. Zahlreiche Flüge fallen aus, mehr als 38'000 Passagiere sitzen fest.RMS3. Oktober 2001: Der Bund ermöglicht durch einen Notkredit von 450 Millionen Franken das Wiederaufnehmen des Flugbetriebs.KeystoneIm März 2002 stellt die Swissair nach über 70 Jahren im Fluggeschäft den Betrieb ein. Nebenbei wird die neue Schweizer Fluggesellschaft Swiss gegründet und gestartet.RMSMärz 2005: Die Swiss wird von der deutschen Lufthansa aufgekauft, bleibt allerdings weitgehend selbständig.RMSAm 31. März 2006 erhebt die für Staatsanwaltschaft Zürich Anklage gegen 19 Personen. Unter den Angeklagten befinden sich die Mitglieder des damaligen Verwaltungsrates, die beiden Konzernchefs und weitere Mitglieder der Geschäftsleitung.RMSDer Prozess dauert von Januar 2007 bis März gleichen Jahres. Am 7. Juni 2007 werden alle Angeklagten freigesprochen. Bilder: KeystoneRMS