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Meinungen

Die grössten Fehlprognosen in der Wirtschaft

Die Fed-Chefin Janet Yellen wagte die mutige Prognose, dass es «zu unseren Lebzeiten» keine Finanzkrise mehr geben werde. Wie die Geschichte zeigt, sind solche Vermutungen heikel.

Nuria Spycher

Die waghalsigsten Prognosen der Wirtschaftsgeschichte:Kürzlich äusserte die Fed-Präsidentin Janet Yellen, sie glaube nicht, dass es noch eine Finanzkrise zu Lebzeiten gäbe. Eine mutige Aussage. Ob sich diese Prognose bestätigt, wird sich zeigen.
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Die Geschichte jedoch zeigt, dass Finanzkrisen immer wieder auftreten. Der berühmte Ökonom Irving Fisher sah noch am 16. Oktober 1929 einen Wirtschaftsaufschwung und stabile Aktienkurse. Nur drei Tage später hatte der Dow-Jones-Index 15 Prozent seines Wertes verloren - der berühmteste Börsencrash der Geschichte folgte.
Das sind die absurdesten Prognosen der Welt, die bereits widerlegt wurden:
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In der Familienpolitik war der frühere US-Präsident Grover Cleveland, der von 1837 bis 1908 lebte, eher konservativ. Seine Meinung, Frauen hätten nichts in der Politik zu suchen, vertrat er noch nach seiner Amtszeit, als bereits mehrere US-Staaten das Frauenstimmrecht eingeführt hatten. Die Schweiz war übrigens eines der letzten Länder Europas, in dem die Bürgerinnen das Mitspracherecht erhielten - 1971 wurde es wirksam, im Kanton Appenzell gar erst 1990. Keystone
Mit dieser Prognose lag der britische Astronom Sir Harold Spencer Jones ganz schön daneben. Denn schon im Jahr 1969 landete der amerikanische Astronaut Neil Armstrong erfolgreich auf dem Mond.
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Der deutsche Physiologe du Bois lebte in einer Zeit, in der Fotografie sehr wohl möglich war, jedoch grobkörnige Schwarzweissaufnahmen die Norm waren. Rund 40 Jahre nach seinen Statement brachten Kodak und Agfa die ersten Colorfilme auf den Markt. Heute trägt praktisch jeder eine qualitativ hochwertige Kamera bei sich in der Hosentasche. 
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Nicht nur als luxuriösestes und grösstes Passagierschiff galt die Titanic 1912, auch wurde beteuert, es sei das sicherste. Mit einem Eisberg hatte dazumal niemand gerechnet - schlussendlich kostete das Unglück auf dem Atlantik 1500 von 2200 Passagieren innert kürzester Zeit das Leben. 
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Damals nutzte man eine Uhr noch, um den genauen Standort festzulegen - mit Hilfe des Sternenhimmels und dem Mond. Die pessimistische Aussage von Newton, einem britischer Physiker, Mathematiker und Astronomen, wurde bald widerlegt: John Harrison gelang es im Jahr 1776, einen genauen Chronometer zu erstellen. Pexels
Spätestens als das aus Erdöl gewonnene Petroleum als Brennstoff für Lampen genutzt wurde, kam man darauf, dass es sich um eine wertvolle Substanz handeln könnte. Davon war aber nicht jedermann überzeugt. Optimistischer als etwa die Russische Akademie der Wissenschaften waren amerikanische Geologen und Edwin Drake, der im Jahr 1859 in Titusville, Pennsylvania eine Ölquelle ausfindig machte. Dieser Fund führte schlussendlich zum ersten Ölboom der Geschichte.  Keystone
Was sich heute wie ein schlechter Scherz anhört, war Ende des 19. Jahrhunderts keine unbegründete Sorge: Die Pferde produzierten zu dieser Zeit allein in New York 136'000 Tonnen Dung pro Jahr. Heutzutage sorgt man sich über die mit Autos und über 13'000 Taxis verstopften Strassen der Metropole.
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Die Prognose von kurz nach der Jahrhundertwende des deutschen Ingenieurs und Konstrukteurs Gottlieb Daimler wurde bereits 1952 in Deutschland widerlegt. Weltweit beträgt der Bestand 2017 bereits über 1.2 Milliarden. Unsplash
Der französische Militärstratege Ferdinand Foch sollte mit seiner Aussage nicht Recht behalten: Die technischen Fortschritte wurden damals vor allem durch den Krieg angekurbelt und so tobten Luftkämpfe schon im ersten Weltkrieg. Bereits im zweiten Weltkrieg waren Flugzeuge kriegsentscheidende Waffen. Unsplash
Die digitalen Revolutionäre kann man sich heute kaum mehr wegdenken. Umso absurder scheinen solche Prognosen des ehemaligen Präsidents von IBM. Allein IBM beschäftigt weltweit rund 400'000 Mitarbeiter - diese werden wohl kaum auf einen Computer verzichten können. Pexels
Auch bei Kopiergeräten lag IBM mit ihrer Einschätzung im Jahr 1959 falsch. Eine ganze Industrie prägt die Revolution des Digitaldrucks heute. Die Anfänge des Kopierers begannen übrigens schon im Jahr 1938, als Chester Carlson auf einer aufwendig präparierten Glasscheibe erstmals ein Abbild feststellen konnte. Pixabay
Ja, vor nicht einmal 50 Jahren waren Meteorologen von immer kälteren Temperaturen ausgegangen. Die immer stärker verschmutzte Luft liesse weniger Sonnenstrahlen auf die Erde scheinen - so die damalige Theorie. Davon ist heute keine Rede mehr - im Gegenteil. Das Eis an den Polen schmilzt, es wird immer wärmer, wie die Messungen der letzten Jahre zeigen. Die drei letzten Jahre waren jeweils die wärmsten seit es Messmöglichkeiten gibt. 
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Diese Prognose hätte sich die damalige amerikanische Gesundheitsministerin lieber sparen sollen, denn auch nach mehr als einem Vierteljahrhundert gibt es keinen verlässlichen Impfstoff gegen die Immunschwächekrankheit Aids. Trotz wiederkehrenden vielversprechenden Forschungsansätzen stellt sich das Ganze als grosse Herausforderung dar. Keystone
In Zeiten der Digitalisierung wappnen sich Medienhäuser mit Alternativen zu Printausgaben. Diese sind jedoch auch im Jahr 2017 noch nicht wegzudenken. Der Gründer von Microsoft Bill Gates behielt mit diesem Statement also nicht recht.
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Ausgerechnet von einem der drei YouTube Gründer stammt diese Prognose. Zwölf Jahre später verdienen etliche YouTuber ihr tägliches Brot mit Hilfe der Videoplattform. In insgesamt 75 Sprachen lässt sich das Netzwerk bedienen und ist weltweit die zweitgrösste Suchmaschine nach Google. Das hat sich Steve Chen anscheinend anders ausgemalt. Pexels
Der ehemalige Chefanalyst der US-Bank Goldman Sachs lag mit dieser Aussage falsch. Nach seiner Prognose im 2008 stieg der Ölpreis zwar zunächst stark an und erreichte im Juli einen Höchststand von 147 Dollar je Barrel. Kurz darauf, nach der weltweiten Wirtschaftskrise, lagen die Preise jedoch unter 40 Dollar je Barrel. Weitere interessante und peinliche Prognosen finden Sie im Buch «Keine Ahnung, aber davon viel» von Jürgen Brater. 
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Die waghalsigsten Prognosen der Wirtschaftsgeschichte:Kürzlich äusserte die Fed-Präsidentin Janet Yellen, sie glaube nicht, dass es noch eine Finanzkrise zu Lebzeiten gäbe. Eine mutige Aussage. Ob sich diese Prognose bestätigt, wird sich zeigen. Keystone RMS

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Normalerweise ist die mächtigste Frau in der Welt der Notenbanken eher zurückhaltend und bekannt für leise Töne. Nicht so in der vergangenen Woche, als sie mit einer auffällig mutigen Prognose aufhorchen liess: Sie glaube nicht, dass es «zu unseren Lebzeiten» zu einer neuen Finanzkrise komme, sagte Fed-Chefin Janet Yellen vor Medien. Bei vielen Beobachtern sorgte diese Aussage für Unverständnis.
Denn allzu oft lagen Experten mit ähnlich gelagerten Aussagen in der Vergangenheit schon weit daneben. Die Geschichte ist voll von waghalsigen Prognosen mit Blick auf die Finanzmärkte: Bereits Yellens Vorgänger Ben Bernanke lag im Zuge der letzten Finanzkrise des Öfteren fundamental daneben. So beteuerte der frühere Chef der US-Zentralbank noch im Mai 2007: «Wir erwarten nicht, dass die Entwicklung am Subprime-Markt nennenswerte Auswirkungen auf den Rest der Wirtschaft oder das Finanzsystem haben wird.»

Phänomen ist weit verbreitet

Der Rest ist bekannt: Die Finanzkrise nahm am amerikanischen Häusermarkt wegen der zweitklassigen Hypothekenanleihen, die nicht mehr bedient werden konnten, ihren Anfang und frass sich kurze Zeit später durch das globale Geldsystem. Die Weltwirtschaft stürzte in eine Rezession, die Bernanke übrigens selbst Anfang 2008 noch nicht kommen sah. Zur Ehrrettung des Ökonomen sei betont: Auch er war nicht der erste, der falsch lag. Irving Fisher gilt als einer der renommiertesten Wirtschaftswissenschaftler überhaupt – und auch er tappte in die Falle: Nur wenige Tage vor dem berüchtigten Börsencrash von 1929 prophezeite er, die Aktienkurse hätten ein «dauerhaft hohes Niveau» erreicht.

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Fehlprognosen gibt es natürlich nicht nur in der Finanzwelt. Ein besonders gefährliches Terrain scheint offenbar auch die Klimawissenschaft zu sein. Vor nicht einmal 50 Jahren warnten Meteorologen nicht vor immer höheren Temperaturen, sondern eisiger Kälte. «Die Luftverschmutzung könnte die globale Temperatur um mehr als drei Grad sinken lassen – ausreichend, um eine Eiszeit auszulösen», sagte nicht nur der amerikanische Professor für Klimatologie und Umweltbiologie Stephen Schneider. Einige seiner Kollegen teilten seine Auffassung.

Unterschätztes Potential bei Daimler

Selbst grosse Erfinder trauten ihren eigenen Errungenschaften keinen allzu grossen Durchbruch zu. Gottlieb Daimler entwickelte das erste vierrädrige Auto mit Verbrennungsmotor – unterschätzte das Potenzial jedoch gewaltig und glaubte: «Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten.» Hauptgrund für seine These: Der Mangel an Chauffeuren.
Finden Sie in der Bildergalerie oben weitere waghalsige Prognosen, die längst widerlegt wurden.

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