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Die Emmi-Aktie ist nicht mehr günstig - aber aussichtsreich

Emmi hat sich vom regionalen Molkereihersteller zum internationalen Konsumgüterproduzenten gewandelt. Das spiegelt sich auch in der Aktie wieder: Inzwischen zählt sie zu den Lieblingen von Investoren.

Annika Janssen

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Emmi: Die Aktie avanciert zum Liebling der Analysten. Keystone RMS

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Emmi auf Einkaufstour: Wenn der grösste milchverarbeitende Betrieb der Schweiz in den vergangenen Wochen Schlagzeilen machte, ging es meist um neue Zukäufe. Ende Dezember 2016 erwarb Emmi 80 Prozent am spanischen Ziegenmilchverarbeiter Lácteos Caprinos, Anfang Januar folgte mit der Übernahme des US-Familienunternehmens Jackson Mitchell der nächste Schritt zum Ausbau des Ziegenmilchgeschäfts.

Mitte dieser Woche verkündete Emmi dann die Übernahme von Italian Fresh Foods SpA (IFF) mit Sitz in Lasnigo bei Como. Weitere Zukäufe in naher Zukunft sind nicht ausgeschlossen. Emmi schraubt eifrig am Ausbau seiner Reichweite und einzelner Geschäftssparten.

Der Liebling der Investoren

Die Zukäufe dürften dem Kurs der Emmi-Aktie Schub geben. Schon seit längerem zählt der Valor zu den Lieblingen von Investoren, die auf Nebenwerte statt SMI-Schwergewichte setzen. In den zurückliegenden zwölf Monaten stieg der Aktienkurs um fast 50 Prozent, über drei Jahre sind es 156 Prozent. «Die Emmi-Aktie hat sich zu einem echten Schweizer Qualitätstitel entwickelt», sagt Andreas von Arx, Analyst der Baader Bank.

Das liege vor allem am Wandel des Unternehmens vom regionalen Molkereihersteller zum international agierenden Konsumgüterproduzenten. «Die jüngsten Übernahmen passen zu Emmis Strategie, sich auf Nischen im Premiumsegment zu konzentrieren und diese Geschäftssparten entsprechend auszubauen», sagt von Arx. Er hält die Aktie nach den Kursanstiegen der Vergangenheit nicht mehr für sehr günstig, aber nach wie vor für aussichtsreich: «Die Zahlen des Unternehmens sahen zuletzt stets gut aus. In den nächsten Jahren dürfte sich in Nischensegmenten weiteres Wachstum einstellen.»

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Emmi setzt auf lukrative Nischen

Emmi, im Jahr 1947 gestartet als genossenschaftlicher Weichkäse- und Joghurthersteller in Emmen, konzentriert sich schon seit einigen Jahren auf die Herstellung sogenannter Premium-Milchprodukte: Dazu zählen Milchmischgetränke fürs Kühlregal im Supermarkt, Tiramisu und Griessbrei im Becher oder Joghurt mit Aloe Vera. Das kommt bei den Kunden gut an – und bei Anlegern auch. Im Geschäftsjahr 2015 konnte Emmi Umsatz und Gewinn deutlich steigern – dem starken Franken zum Trotz. Im Februar wird das Unternehmen seine Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 vorlegen. Analysten erwarten erneute Steigerungen.

Mit dem Ausbau der Ziegenmilchsparte durch die Beteiligung an Lácteos Caprinos und die Übernahme Jackson Mitchell setzt Emmi nun erneut auf eine äusserst lukrative Nische. Durch die Übernahme von Italian Fresh Foods erhält der Konzern zudem Zugang zum lukrativen Dessert-Markt in den Niederlanden, Kanada und in den USA.

Emmi ist klarer Marktführer

Momentan erzielt das Unternehmen rund 60 Prozent seines Umsatzes in der Schweiz und 40 Prozent im Ausland. «Emmi ist in der Schweiz klarer Marktführer bei den Herstellern von Milchprodukten», sagt René Weber, Analyst der Bank Vontobel. Die jüngsten Übernahmen wertet er positiv. Er hat sein Anlagevotum für die Emmi-Aktie zuletzt bestätigt. Sein Kursziel liegt bei 600 Franken. Baader-Analyst von Arx ist noch optimistischer, hat das Kursziel für Emmi bei 700 Franken festgesetzt. Aktuell notiert der Valor bei 590,50 Franken.

Mit ihrer Einschätzung sind die beiden Analysten nicht alleine. Marktbeobachter sind sich weitgehend einig, dass der Luzerner Milchverarbeiter in den kommenden Jahren weitere Marktanteile gewinnen und verschiedene Geschäftssparten weiter ausbauen kann. Bislang geht die Strategie der gezielten Zukäufe in Nischenmärkten auf. Die Veröffentlichung der Zahlen zum Geschäftsjahr 2016 dürfte richtungsweisend sein. Kann Emmi einmal mehr positiv überraschen, dürfte der Kurs noch einmal steigen und Anleger können jubeln.

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