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Der SMI wird umgekrempelt - wer sich jetzt freuen darf

Mit Actelion und Syngenta verliert der SMI zwei der zehn Titel mit dem grössten Börsenwert. Eine grosse Lücke entsteht. Die aussichtsreichsten Kandidaten, Aussenseiter und mögliche Verlierer.

Auf diese CEOs setzen die 20 SMI-Konzerne:Ulf Mark Schneider: Der deutsch-amerikanische Doppelbürger übernimmt ab Januar 2017 das Ruder bei Nestlé. Die Stelle wird damit extern besetzt: Schneider war zuvor CEO des deutschen Gesundheitkonzerns Fresenius. Keystone
SwissLife-CEO Patrick Frost: Der Schweizer ist seit dem 1. Juli 2014 im Amt. Seit 2006 gehört er der Konzernleitung beim grössten Schweizer Lebensversicherungskonzern an, zuletzt als Investitionschef. Keystone
Julius Bär-CEO Boris Collardi: Der schweizerisch-Italienische Doppelbürger ist seit Mai 2009 Chef der Schweizer Bank. Er stiess 2006 als Chief Operating Officer zum Unternehmen. Keystone
Geberit-Chef Christian Buhl: Der Schweizer ist seit Januar 2015 Vorsitzender der Konzernleitung. Zuvor war er Geschäftsführer der deutschen Vertriebsgesellschaft - der bedeutensten Vertriebseinheit der Geberit Gruppe. Keystone
Urs Schäppi: Der Schweizer arbeitet seit 1998 bei der Swisscom, seit November 2013 im Amt des CEOs. Keystone
SGS-Chef Frankie Ng: Der schweizerisch-chinesische Doppelbürger ist seit März 2015 CEO des Warenprüfkonzerns. Vor seiner Ernennung zum CEO füllte er verschiedene Führungsfunktionen im Unternehmen aus. Keystone
Severin Schwan: Der österreichische Roche-CEO ist seit 2008 im Amt. Er arbeitet seit 1993 für den Pharmakonzern, vor seinem jetzigen Posten als CEO der Division Diagnostics, davor Leiter der Region Asien Pazifik bei Roche Diagnostics Singapur. Keystone
Joe Jimenez: Der amerikanische Novartis-CEO ist seit 2010 im Amt. Davor amtierte Jimenez als Leiter der Division Pharmaceuticals von Novartis. Keystone
Sergio Ermotti: Der Schweizer ist seit November 2011 CEO der UBS. Er wurde im April 2011 in die Konzernleitung berufen und war von April bis November 2011 Chairman und CEO UBS Groupe Europe, Middle East und Africa. Davor war er Group Deputy Chief Executive Officer von Unicredit in Mailand. Keystone
Nick Hayek: Der Schweizer Chef von Swatch ist seit 1994 für die Swatch Group tätig, zunächst als Marketingleiter der Swatch AG. Seit 2003 ist er Chef der Konzernleitung, seit 2010 Mitglied des Verwaltungsrates. Keystone
Adecco-CEO Alain Dehaze: Der Belgier ist seit September 2015 im Amt. Ab September 2009 war er Regional Head of Northern Europe, danach Frankreich-Chef. Keystone
ABB-CEO Ulrich Spiesshofer: Der Deutsche ist seit 2013 Präsident und CEO der ABB-Gruppe. Er stiess 2005 zum Unternehmen und war zuvor für verschiedene Beratungsfirmen tätig. Keystone
Erik Fyrwald: Der Amerikaner ist seit Juni 2016 CEO von Syngenta. Er wurde von extern einberufen und war zuvor CEO des amerikanischen Chemiegrosshändlers Univar. Keystone
Zurich-CEO Mario Greco: Der Italiener ist seit März 2016 im Amt. Zuvor war er CEO beim italienischen Versicherungskonzern Generali und wurde somit von extern rekrutiert. Keystone
Swiss Re-CEO Christian Mumenthaler: Der Schweizer ist bereits seit 17 Jahren bei Swiss Re tätig und leitet seit fünf Jahren die Reinsurance-Sparte. Keystone
Tidjane Thiam: Der neue Credit Suisse-CEO ist Staatsangehöriger Frankreichs und der Elfenbeinküste. Bis er 2015 ins Amt berufen wurde, war er CEO des britischen Lebensversicherers Prudential. Keystone
Eric Olsen, LafargeHolcim: Der französisch-amerikanische Doppelbürger ist seit Juli 2015 CEO beim weltweit grössten Baufstoffhersteller. Zuvor war er Vizepräsident Operations. Keystone
Gilles Andrier: Der Franzose ist seit 2005 CEO von Givaudan. Er stiess 1993 zum Unternehmen und war vor seiner Ernennung zum CEO als Global Head of Fine Fragrances tätig. Keystone
Jean-Paul Clozel: Der Actelion-CEO gründete das Pharmaunternehmen zusammen mit seiner Frau und Arbeitskollegen im Jahr 1997. Seit 2000 ist er CEO des Konzerns. Keystone
Richemont-CEO Richard Lepeu: Der Schweizer ist seit 2013 im Amt. Seit 2004 war er Finanzchef des Luxusgüterkonzerns. Keystone
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Auf diese CEOs setzen die 20 SMI-Konzerne:Ulf Mark Schneider: Der deutsch-amerikanische Doppelbürger übernimmt ab Januar 2017 das Ruder bei Nestlé. Die Stelle wird damit extern besetzt: Schneider war zuvor CEO des deutschen Gesundheitkonzerns Fresenius. Keystone RMS

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Der Schweizer Leitindex SMI steht vor dem grössten Umbau seit rund acht Jahren. Mit der bevorstehenden Übernahme des Biotechnologiekonzerns Actelion und des Pflanzenschutzmittel-Herstellers Syngenta scheiden in den kommenden Monaten wohl gleich zwei Aktien aus dem gut eine Billion Franken schweren Börsenbarometer aus. Zwei weitere der insgesamt 20 Titel sind Experten zufolge gefährdet. 2009 wurden mit drei Unternehmen letztmals mehr SMI-Titel ausgewechselt.

«Wie geht es weiter, wenn die grossen Schweizer Firmen weggekauft werden?», fragt ein Aktionärsberater besorgt. Der Anlagebedarf nehme zu, aber die Neuzugänge an der Börse könnten die Lücke, die die Konzerne hinterliessen, nicht füllen. Mit der Übernahme von Actelion durch die amerikanische Johnson&Johnson und Syngenta durch Chemchina verliert der Index zwei der zehn Titel mit dem grössten Börsenwert.

Die 20 höchstkapitalisierten und liquidesten Papiere

Die Kriterien für die Aufnahme in den Club der wichtigsten Schweizer Unternehmen sind von der Börse klar geregelt: Im SMI sind die 20 höchstkapitalisierten und liquidesten Papiere mit dem grössten Anteil frei handelbarer Aktien. «Gemäss aktueller Selektionsliste der Schweizer Börse ist es ziemlich klar, dass Lonza in den SMI aufgenommen werden dürfte», sagte Thomas Kühne, Fondsmanager der Liechtensteinischen Landesbank. Der Pharmazulieferer bringt eine Börsenkapitalisierung von rund zehn Milliarden Franken auf die Waage, die im laufenden Jahr wegen der Übernahme der US-amerikanischen Capsugel noch deutlich zunehmen dürfte. Derzeit steht Lonza auf Rang 21.

Daneben zählen der Bau- und Spezialchemie-Spezialist Sika und der Hörgeräte-Hersteller Sonova, die ihr Wachstum in den vergangenen Jahren mit Übernahmen vorangetrieben haben, zu den aussichtsreichsten Kandidaten für einen Aufstieg in die erste Liga. «Sika steht hinter Lonza auf Platz zwei», sagt Eric Chassot, Portfoliomanager bei der Banque Cantonale Vaudoise. Zwischen Sika und Sonova sei ein Zweikampf im Gange, erklärte Kühne. «Sonova hat etwas mehr Volumen, Sika dafür eine höhere Freefloat-Marktkapitalisierung.»

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Kommt Credit Suisse zwei Mal in den SMI?

Aussenseiterchancen räumen Experten dem Schweizer Geschäft der Credit Suisse ein, das die Muttergesellschaft teilweise separat an die Börse bringen will. Für eine abschliessende Beurteilung fehlten allerdings die Einzelheiten zu der Transaktion, erklärt Experte Chassot. Fondsmanager Kühne glaubt jedenfalls nicht an eine Aufnahme in den SMI, weil voraussichtlich ein zu kleiner Aktienanteil der Tochter frei an der Börse gehandelt werde. Zwei Aktien der Credit Suisse im SMI sind nach Auskunft der Börse grundsätzlich jedoch möglich.

Allerdings könnten mehr als zwei der 20 Plätze im Index frei werden, denn mehrere Titel erfüllen die Kriterien nicht mehr oder nur noch teilweise. Auf der Kippe stehen möglicherweise die Aktien der Privatbank Julius Bär und des Lebensversicherers Swiss Life. Der Auswahlliste zufolge sind die «Bären» beim Handelsumsatz auf den 21. Rang gesunken und Swiss Life beim Marktwert auf Rang 23.

Prestigegewinn und handfester Vorteil

Mit der Aufnahme in den Leitindex ist nicht nur ein Prestigegewinn verbunden, der dem Unternehmen bei den Anlegern viel Aufmerksamkeit verschafft, sondern auch ein handfesterer Vorteil. Schliesslich bilden die in der Anlegergunst rasant steigenden börsengehandelten Fonds (Exchange Traded Funds) meist einen Index ab und müssen Änderungen in dem Barometer entsprechend nachbilden. Fondsanbieter werden aber erst aktiv, wenn Anpassungen anstehen. «Wir spekulieren nicht darüber, welche Aktie aufgenommen oder ausgeschlossen wird», sagte Serkan Batir vom Marktführer Blackrock. «Wir warten erst auf die offizielle Ankündigung der Börse - dann sehen wir, was wir tun müssen.»

Die SIX entscheidet jeweils im Juni über Modifikationen, die dann im September wirksam werden. Änderungen werden nach dem Verfall der September-Kontrakte an der Eurex wirksam. Ausserterminliche Änderungen sind aber möglich, etwa wenn es zu aussergewöhnlichen Ereignissen wie Fusionen oder Börsennotierung kommt. In vielen Jahren gab es jeweils keinen oder nur einen Wechsel im Blue-chip-Index. Dennoch hat sich das Gesicht des SMI seit der Gründung 1988 über die Jahre gewandelt. Von den Gründungsmitgliedern ist nur noch knapp die Hälfte im Index - zumeist mit einem neuen Namen.

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(reuters/ccr)
Sehen Sie in der Bildergalerie unten: Ob Mutterschutz oder Elternzeit - in allen europäischen Staaten geniessen Eltern grosszügigere Regelungen als in der Schweiz. SMI-Firmen bieten dennoch Angebote, die Unterschiede sind aber gross:
Die Angebote der SMI-Firmen für Eltern: 
Bei der UBS erhält die Mutter für 180 Tage nach der Geburt vollen Lohn, ab dem elften Dienstjahr 210 Tage. So lange dauert der Mutterschaftsurlaub auch in jedem Fall, optional durch unbezahlten Urlaub ergänzt. Väter können zwei Wochen bei ihren Kindern bleiben. Nach der Rückkehr bietet die UBS Möglichkeiten, flexibel zu arbeiten. Auch Kaderpositionen werden in Teilzeit besetzt. 36 Prozent der Frauen arbeiten Teilzeit, 8 Prozent der Männer.
Nestlé zahlt vier Monate lang Mutterschaftsurlaub, Vätern gewährt das Unternehmen fünf Tage. Neben flexiblen Arbeitszeitmodellen und Ferienprogramme bietet der Grosskonzern auch Workshops, davon einen, der sich speziell an Väter richtet. In der Schweiz arbeiten mehr als 12 Prozent aller Mitarbeitenden Teilzeit, davon 85 Prozent Frauen.
Versicherer Zurich bietet 20 Wochen Mutterschutz, die frischgebackenen Papas dürfen fünf Tage beim Nachwuchs bleiben. Mütter können anschliessend auf ihre alte Stelle zurückkehren, Veränderungen der Position oder Teilzeit werden im Einzelfall verhandelt. Zurich unterstützt Eltern einkommensabhängig bei den Krippenkosten und reserviert Betreuungsplätze in Firmennähe. Teilzeit arbeiten bei Zurich Schweiz knapp 17 Prozent der Frauen, bei den Männern sind es fast 5 Prozent.
Syngenta bietet vier Wochen Mutterschutz bereits vor der Geburt, insgesamt 18 Wochen. Unbezahlter Urlaub darüber hinaus ist möglich. Väter dürfen fünf Tage beziehen und optional unbezahlt weitere zehn Tage. Syngenta kooperiert mit Profawo und kommt Teilzeitwünschen nach Möglichkeit entgegen. 14 Prozent der Mitarbeitenden arbeiten Teilzeit, eine Aufschlüsselung nach Geschlechtern gibt es nicht.
Roche-Mitarbeiterinnen haben Anspruch auf 18 Wochen Mutterschutz, Väter auf sechs Tage. Zusätzlich zu Teilzeit, Jobsharing und Homeoffice bietet der Pharmakonzern Betreuungsplätze in firmeneigenen Tagesheimen oder ausgewählten Krippen. Darüber hinaus gibt es einen Nanny-Service, Kurzzeitbetreung und Ferienangebote. 28 Prozent der Frauen arbeiten im Konzern Teilzeit, 5 Prozent der Männer.
Die Swisscom gewährt Frauen 17 Wochen Mutterschutz, Vätern zehn Tagen Elternurlaub. Zurückkehren können Frauen in ihre vorherige Position, Teilzeit ist im Einzelfall verhandelbar. Swisscom unterstützt Teilzeit, Jobsharing und die Arbeit im Homeoffice. Eine Kita oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung erwähnt die Swisscom nicht. 14,5 Prozent der Mitarbeitenden arbeiten Teilzeit, mehrheitlich Frauen.
20 Wochen für Mütter, fünf Tage für Väter, so ist die Regelung bei Julius Bär. Nach der Rückkehr ist eine Reduktion des Arbeitspensums Verhandlungssache. Kinderbetreuung unterstützt Julius Bär durch Beteiligung an den Kosten, auch für Nannys oder Au-pairs. Teilzeit arbeiten im Unternehmen 18,9 Prozent der Frauen und weniger als 4 Prozent der Männer.
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Die Angebote der SMI-Firmen für Eltern: Bei der UBS erhält die Mutter für 180 Tage nach der Geburt vollen Lohn, ab dem elften Dienstjahr 210 Tage. So lange dauert der Mutterschaftsurlaub auch in jedem Fall, optional durch unbezahlten Urlaub ergänzt. Väter können zwei Wochen bei ihren Kindern bleiben. Nach der Rückkehr bietet die UBS Möglichkeiten, flexibel zu arbeiten. Auch Kaderpositionen werden in Teilzeit besetzt. 36 Prozent der Frauen arbeiten Teilzeit, 8 Prozent der Männer. RMS

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