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Rangliste

Das sind die Gewinner und Verlierer im Börsenjahr 2016

Das Börsenjahr hat einen klaren Gewinner: Mehr hinzugewonnen als Actelion hat 2016 im SMI kein Blue-Chip-Titel. Bei anderen lief es weniger gut. Besonders schlecht erging es zwei Grossbanken.

Marc Bürgi

Das sind die Gewinner und Verlierer im Börsenjahr 2016:Die Credit Suisse ist dieses Jahr das Schlusslicht im Swiss Market Index. Die zweitgrösste Schweizer Bank hat an der Börse fast dreissig Prozent an Wert verloren. Noch zweifeln Anleger, dass CEO Tidjane Thiam die Bank zurück zum Erfolg führen kann.
Auch der Kurs der UBS hat stark nachgegeben. Der Titel des weltgrössten Vermögensverwalters konnte sich aber besser halten als jener der Credit Suisse – Anleger honorierten die stabile Geschäftssituation bei der UBS.
Mit den Pharmakonzernen Roche (im Bild: Konzernchef Severin Schwan)....
... und Novartis sind zwei Schwergewichte des SMI am Tabellenende rangiert. Ihre Titel kamen insbesondere wegen der US-Präsidentschaftswahlen unter Druck.
Auch der Titel von Swatch hat 2016 deutlich an Wert verloren. Das starke Wachstum in Asien ist für den Konzern von CEO Nick Hayek vorerst vorbei – die Schweizer Uhrenhersteller müssen sich auf härtere Zeiten einstellen.
Zu den Gewinnern des Börsenjahrs gehört die Zurich. Der neue Konzernchef Mario Greco überzeugte mit seinem Sparprogramm offenbar die Anleger. Hinzu kommt, dass der Versicherer weiterhin eine hohe Dividende ausschütten will.
Der Warenprüfkonzern SGS gefiel 2016 den Investoren...
... wie auch Geberit. Der Sanitätstechnikkonzern ist auf Wachstumskurs.
ABB hat an der Börse einen Fünftel hinzugewonnen. Die Aktie profitierte vom Interesse an Titeln aus dem Industriesektor. Zudem trieben Diskussionen über eine Abspaltung der ABB-Stromnetzsparte den Kurs nach oben (im Bild: Konzernchef Ulrich Spiesshofer).
Gewinner des Börsenjahres ist Actelion: Seit zuerst J&J und nun Sanofi sich für eine Übernahme des Baselbieter Biotechkonzerns interessieren, ist der Kurs um über 50 Prozent in die Höhe geschossen. Offen bleibt, ob die Kursgewinne wieder zerfallen, sollte Actelion nicht gekauft werden. Bilder: Keystone
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Das sind die Gewinner und Verlierer im Börsenjahr 2016:Die Credit Suisse ist dieses Jahr das Schlusslicht im Swiss Market Index. Die zweitgrösste Schweizer Bank hat an der Börse fast dreissig Prozent an Wert verloren. Noch zweifeln Anleger, dass CEO Tidjane Thiam die Bank zurück zum Erfolg führen kann. RMS

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Der Schweizer Leitindex SMI hat dieses Jahr nicht mit anderen Handelsplätzen mithalten können: Sowohl in Deutschland, Europa als auch in den USA haben die grossen Börsen rund um den Globus 2016 besser abgeschnitten als der Swiss Market Index.

Zu den grössten Verlierern des Börsenjahres gehören Novartis und Roche. Auch die Aktie des Lebensmittelkonzerns Nestlé hat 2016 nachgegeben – und gemeinsam machen die drei Titel über 60 Prozent am Gewicht des Index aus.

Eine Erklärung für den Tauchgang von Roche und Novartis liefern die US-Wahlen: Lange sah es danach aus, als ob Hillary Clinton die Präsidentschaftswahlen gewinnen würde. Das drückte auf die Stimmung: Denn Clinton setzte sich für tiefere Medikamentenpreise auf dem weltweit wichtigsten Pharmamarkt ein.

Die Sorge um das lukrative US-Geschäft belastete den Kurs der Pharmaaktien. Seit dem Wahlsieg von Donald Trump haben sich die Kurse aber nur leicht erholt, «Noch ist nicht klar, welche Gesundheitspolitik Trump verfolgen wird», sagt Jens Zimmermann, Aktienspezialist bei der VP Bank.





CS ist das Kellerkind

Das schlechteste Börsenjahr hatten die beiden Grossbanken UBS und CS: Die Aktie der Credit Suisse sank im Sommer sogar unter 10 Franken. Damals kamen Übernahmespekulationen auf, und Anleger hatten Angst, dass die zweitgrösste Schweizer Bank eine weitere Kapitalerhöhung machen müsste. Seit diesem Tiefpunkt im Juni ist der Kurs der CS aber wieder um über die Hälfte gestiegen. Wer im Frühsommer eingestiegen ist, konnte bis heute also sehr viel Geld verdienen.

Die grossen Kursverluste bis dahin spiegeln die schwierigen Geschäftsbedingungen, mit denen Grossbanken wegen der Negativzinsen und der zunehmenden Regulierung konfrontiert sind. «Die CS-Aktie kam wegen der Restrukturierung zusätzlich unter Druck», so VP-Bank-Experte Zimmermann. CEO Tidjane Thiam muss den Anlegern erst noch beweisen, dass er die Bank wieder zum Erfolg führen kann.

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Swatch-Aktie schon wieder im Minus

Platz fünf unter den Schlusslichtern besetzt Swatch. Bereits im letzten Jahr sank der Titel des weltgrössten Uhrenkonzerns deutlich. «Swatch leidet unter der sinkenden Nachfrage in China und dem übrigen Asien», erklärt Bank-Sarasin-Experte Cédric Spahr.

Noch keinen grossen Einfluss auf den Kurs hätten die Apple Watch und andere Computeruhren. «Das könnte vielleicht mittelfristig ein Problem für die Hersteller werden», sagt der Anlageexperte. Die Leser der «Handelszeitung» glauben jedenfalls an Nick Hayek: Sie wählten den Swatch-Lenker neben Bertrand Piccard jüngst zum Unternehmer des Jahres.

J&J weckt Interesse an Actelion

Auf der anderen Seite des Rankings gibt es einen klaren Gewinner: Mehr hinzugewonnen als Actelion hat 2016 kein Blue-Chip-Titel. Der Höhenflug des grössten europäischen Biotechkonzerns setzte im November ein, als das Übernahmeinteresse von Johnson & Johnson bekannt wurde.

Der US-Pharmakonzern hat mittlerweile das Interesse verloren, jetzt buhlt aber Sanofi um das Baselbieter Unternehmen. Kommt der Kauf durch den französischen Pharmakonzern nicht zustande, könnte sich der Kursgewinn allerdings noch vor Jahresende in Luft auflösen. Manche Anleger haben deswegen auch schon kalte Füsse bekommen, am Montag und Dienstag ist der Kurs stark gefallen.

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Hedgefonds weckt Interesse an ABB

Nicht gefährdet sind die Kursgewinne der anderen Höhenflieger im SMI: Die ABB-Aktie gewann einen Fünftel hinzu – obwohl der Industriekonzern zuletzt rückläufige Geschäftszahlen vorlegte. Der Titel profitiere vom generell hohen Interesse an Industriewerten, erklärt Cédric Spahr. Auch der deutsche ABB-Konkurrent Siemens hat ein erfolgreiches Jahr an der Börse hinter sich. Der Kurs von ABB stieg zudem wegen eines aktivistischen Investors: Der schwedische Hedgefonds Cevian forderte im Herbst erfolglos die Abspaltung der Stromnetzsparte von ABB.

Mit Geberit hat eine weiterer Industriewert an der Börse stark hinzugewonnen. Der Sanitätstechnikkonzern verfüge über ein sehr gutes Management, sagt Aktienexperte Spahr. «Geberit hat ein attraktives Pofil.» Dem Unternehmen ist es zudem gut gelungen, den finnischen Badzimmer-Ausrüster Sanitec in den Konzern zu integrieren.

Trump-Wahl belastet SGS

Die Aktie von SGS rangiert auf dem vierten Platz. Der Genfer Warenprüfkonzern kann einige erfolgreiche Übernahmen vorweisen. Zuletzt hat allerdings die Wahl von US-Präsident Trump den Kurs belastet. SGS ist stark auf Schwellenländer ausgerichtet – und diese könnten unter der Handelspolitik der neuen US-Regierung leiden.

Ebenfalls in die Top Fünf geschafft hat es Zurich. Die Anleger trauen dem neuen Chef Mario Greco offenbar zu, den Versicherer mit einem harten Sparprogramm zu sanieren. Schub erhielt der Kurs auch durch Grecos Versprechen, die Ausschüttung stabil zu halten. «Viele Aktionäre halten den Titel vor allem wegen der hohen Dividende», sagt VP-Analyst Zimmermann.

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