Erdbeben, Wirbelstürmen, Überschwemmungen: Die Gefahr von Naturkatastrophen ist dem neuen Weltrisikobericht zufolge in Inselstaaten besonders hoch. Die Schweiz ist dagegen vergleichsweise sicher.
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Im Weltrisikobericht 2016 werden die Gefahren von Erdbeben, Wirbelstürmen, Überschwemmungen, Dürren und einem Meeresspiegelanstieg berücksichtigt. Entscheidend ist zudem, dass diese Risiken mit anderen gesellschaftlichen Faktoren verbunden werden.
Die Schweiz steht trotz regelmässigen Naturkatastrophen sehr gut da und kommt auf Platz 155 von 171 Ländern. Als reiches Land kann sie die Bevölkerung effektiv schützen und unterstützen.RMSAuch die USA werden zwar nicht selten von Naturkatastrophen heimgesucht. Die Infrastruktur und das Knowhow sind jedoch gut genug für Platz 127. Die meisten Ereignisse können schnell eingegrenzt und bewältigt werden.RMSDas schwere Erdbeben im Zentrum von Italien hat einmal mehr gezeigt, dass unser südliches Nachbarland immer wieder mit Naturkatastrophen zu kämpfen hat. Trotz jeweils harscher Kritik an den Behörden ist das Land grundsätzlich ausreichend aufgestellt um solche Ereignisse zu bewältigen. Rang 119.RMSDeutlich grundsätzlicher Natur ist die Gefahr für Holland. Rund ein Viertel des Landes liegt unterhalb des Meeresspiegels. Ein klimabedingter Anstieg hätte gravierende Folgen für das gesamte Land. So reicht es dem reichen Industriestaat trotz hervorragender Infrastruktur nur für Rang 49.RMSAuch Japan ist ein sehr reiches Land mit modernster Infrastruktur und gut ausgebildeten und ausgerüsteten Rettungskräften. Wegen der hohen Gefahr von katastrophalen Erdbeben liegt dennoch nur Rang 17 drin. 2011 forderte das Tohoku-Erdbeben mit anschliessendem Tsunami über 18'000 Menschenleben.RMSRang 10 der Länder mit dem grössten Katastrophenrisiko belegt Papua-Neuguinea. Der flächenmässig drittgrösste Inselstaat der Welt ist einigen Naturrisiken ausgesetzt. Schwer wiegen aber die fehlende Infrastruktur und Ausbildung. Grosse Teile der Bevölkerung sind Analphabeten.RMSAuf dem 9. Platz steht Kambodscha. Immer wieder kommt es im südostasiatischen Land zu Dürren und Überschwemmungen. Die Bevölkerung wird von der Regierung dabei oft im Stich gelassen.
Eddy Milfort/CCRMSMit Costa Rica belegt ein Musterschwellenland Platz 8. Tropische Wirbelstürme, Vulkanismus und Erdbeben gehören zu den zahlreichen Herausforderungen für die dortigen Behörden.RMSDas Sultanat Brunei wurde durch die Erdölförderung zum Wohlfahrtsstaat. Besonders Flutkatastrophen könnten dem Land aber dennoch schwere Schäden zufügen. Rang 7.
Bernard Spragg.NZ/CCRMSDie östlich von Papua-Neuguinea gelegenen Salomonen sind ein armes Land, das von El-Niño-Wetterlagen stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Dürren und Zyklone sind die Folge. Weil es an Mitteln fehlt, um solchen Problemen zu begegnen, platzieren sich die Salomonen auf dem 6. Platz.RMSWegen der häufigen Überschwemmungen mit katastrophalen Folgen kommt Bangladesch auf Rang 5. Ungenügende Infrastruktur und eine korrupte und ineffiziente Bürokratie verhindern ein besseres Abschneiden des Landes.RMSWirbelstürme und Vulkanausbrüche machen Guatemala zu einem gefährlichen Ort. Das Land ist eines der ärmsten von Mittelamerika und hat einer grossen Katastrophe nichts entgegenzusetzen. Im Ranking kommt Guatemala auf den 4. Platz.RMSAuch die Philippinen sind arm. Zugleich ist der Archipel extremen Gefahren ausgesetzt. Wirbelstürme, Vulkane, Erdbeben und Klimaerwärmung treffen das Land stark. Dafür gibt es den 3. Rang der gefährdetsten Staaten.RMSTonga liegt im Gebiet des Pazifischen Feuerrings. Der Inselstaat im Südpazifik liegt auf Platz 2 des Gefahrenrankings. Besonders ein Anstieg des Meeresspiegels wäre für das Land katastrophal.RMSWeltweit am grössten ist das Risiko von Naturkatastrophen in Vanuatu. Erdbeben, Stürme, Vulkane und Tsunamis sind sicher ein Teil des Problems. Doch dem Inselstaat im Südpazifik fehlt es auch an der Infrastruktur und am Personal, um der Bevölkerung effektiv zu helfen. So bleiben die Insulaner auf dem unschönen 1. Rang sitzen.
Bilder (wo nicht anders angegeben): KeystoneRMS
Im Pazifikstaat Vanuatu ist das Katastrophenrisiko im weltweiten Vergleich am höchsten. Der Inselstaat weist seit Jahren das höchste Risiko für Naturkatastrophen auf. In der Schweiz dagegen ist das Risiko vergleichsweise gering.
Dies geht aus dem Weltrisikobericht 2016 hervor. Er wurde von dem Bündnis «Entwicklung hilft - Gemeinsam für Menschen in Not», dem Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen in Zusammenarbeit mit der Universität Stuttgart in Berlin vorgelegt.
Gesellschaftliche Faktoren entscheiden
Der von der Universität Stuttgart erhobene Weltrisikoindex wurde dabei aus 28 Einzelindikatoren berechnet und beziffert das Katastrophenrisiko für die untersuchten Länder. Berücksichtigt werden die Gefahren von Erdbeben, Wirbelstürmen, Überschwemmungen, Dürren und einem Meeresspiegelanstieg.
Entscheidend ist zudem, dass diese Risiken mit anderen gesellschaftlichen Faktoren verbunden werden. Ernährungssituation, medizinische Versorgung oder Regierungsführung entschieden zum grossen Teil, «ob aus einem Naturereignis eine Katastrophe wird», erklärte der Stuttgarter Wissenschaftler Torsten Welle.
Die Schweiz ist sicher
In Vanuatu liegt das berechnete Risiko bei 36,3 Prozent und hat sich damit im Vergleich zu den Vorjahren leicht verbessert (36,7 Prozent im Jahr 2015). Für die Schweiz berechneten die Forscher ein Risiko von 2,37 Prozent. Die Schweiz liegt damit unter 171 untersuchten Ländern auf Rang 155 - wie auch schon in den Vorjahren. Auch die Schweiz kann von einem starken Erdbeben erschüttert oder einem schweren Orkan heimgesucht werden.
An der Spitze des Rankings folgen Tonga (29,3 Prozent) und die Philippinen (26,7 Prozent). Die geringsten Risiken gibt es laut dem Bericht in Saudi-Arabien (1,1 Prozent), Malta (0,6 Prozent) und Katar (0,08 Prozent). Italien, wo sich am Mittwoch ein schweres Erdbeben ereignet hatte, liegt mit 4,4 Prozent auf Rang 119 des Rankings.
Die Autoren des Weltrisikoberichts warnten grundsätzlich davor, dass eine unzureichende Infrastruktur das Katastrophenrisiko erhöht. «Marode Verkehrswege, unsichere Stromnetze und baufällige Gebäude behindern nicht nur die humanitäre Hilfe aus dem Ausland, sondern verzögern zudem die im Katastrophenfall entscheidende Selbsthilfe der Betroffenen», erklärte Projektleiter Peter Mucke.
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In die Infrastruktur investieren
Matthias Garschagen von der Universität der Vereinten Nationen forderte deshalb, dass bereits vor dem Eintritt von Katastrophen mehr in den Aufbau und Ausbau von kritischer Infrastruktur investiert werden müsse.
«Ausreichend Infrastruktur von hoher Qualität, die institutionell gut gemanagt wird, kann nicht nur die oft katastrophalen Folgen von Naturgefahren wie Überflutungen oder Stürmen verhindern, sondern sie kann auch eine entscheidende Rolle bei der Verteilung von humanitären Hilfsgütern im Katastrophenfall spielen», zeigte sich der Wissenschaftler überzeugt.