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Der Bitcoin verliert nicht nur im Preis, sondern auch bei der Relevanz und der Überzeugung unter den Investoren.
Bitcoin ist ein digitales Zahlungsmittel.
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Der Bitcoin fiel am Montag bis 10:45 Uhr zeitweise unter den Preis von 75'000 US-Dollar und notiert damit rund 40 Prozent unter dem Höchststand vom letzten Jahr. Die weltweit grösste Kryptowährung erreichte auch wieder ein Niveau, das zuletzt nach den Folgen der Zölle am «Liberation Day» zu beobachten war.
Was Anfang Oktober 2025 nach Erreichen eines neuen Alltzeithochs mit einem starken Kurssturz begann, hat sich zu etwas Schädlicherem entwickelt: einem Ausverkauf, der nicht von Panik, sondern von fehlenden Käufern, mangelnder Dynamik und fehlendem Vertrauen geprägt ist. Anders als beim Kurssturz im Oktober gab es seither keinen offensichtlichen Auslöser, keine Kaskadenliquidationen oder einen systemischen Schock - nur schwindende Nachfrage, abnehmende Liquidität und einen Token, der sich von den breiteren Marktentwicklung losgelöst hat.
Jüngst reagierte der Bitcoin weder auf geopolitische Spannungen noch auf die Dollar-Schwäche oder Risikorallyes positiv. Selbst während der heftigen Kursschwankungen von Gold und Silber in den letzten Wochen gab es keine Kursbewegungen bei Kryptowährungen. Bitcoin fiel im Januar graduell um fast 11 Prozent und verzeichnete damit den vierten monatlichen Rückgang in Folge - die längste Verlustserie seit 2018, dem Crash nach dem Boom von 2017. «Ich glaube nicht, dass wir 2026 ein neues Allzeithoch für Bitcoin sehen werden», sagte deshalb Paul Howard, Direktor des Market Makers Wincent. Noch auffälliger als der Kursverfall selbst ist die relative Gelassenheit in den sozialen Medien. In einem Umfeld, das für unermüdliches Getöse und Memes bekannt ist, wurde der Bitcoin-Kursverfall kaum bejubelt oder mit Kaufbegeisterung aufgenommen. All dies geschieht trotz einer Reihe regulatorischer Erfolge durch die kryptofreundliche Politik der Trump-Administration und eines Anstiegs institutioneller Investitionen. Viele Anleger sagen, dieser Optimismus sei voreilig gewesen. Die Preise stiegen zunächst stark an, stagnierten dann aber.
Unterdessen geben Bitcoin-Spot-ETFs weiter nach, ein Zeichen für schwindendes Vertrauen bei den Mainstream-Käufern - viele von ihnen sind nun nach Käufen zu höheren Preisen im Minus. Grosse institutionelle Anleger wie Treasury-Gesellschaften für digitale Vermögenswerte haben ihre Käufe nach dem Platzen ihrer eigenen Aktienblasen im letzten Jahr ebenfalls zurückgefahren, was die Nachfrage im oberen Marktsegment weiter dämpfte.
Die Markttiefe von Bitcoin, ein Mass für das verfügbare Kapital zur Abwicklung grosser Transaktionen, liegt laut Kaiko-Daten weiterhin mehr als 30 Prozent unter ihrem Höchststand im Oktober. Das letzte Mal, dass die Liquidität so stark sank, war nach dem Zusammenbruch von FTX im Jahr 2022.
«Was den aktuellen Stand des Zyklus angeht, befinden wir uns meiner Meinung nach etwa zu 25 Prozent im Verlauf», sagte Laurens Fraussen, Analyst bei Kaiko. «Zyklisch gesehen liegt unser stärkster Rückgang üblicherweise bei rund 50 Prozent.» Fraussen schätzt, dass es noch sechs bis neun Monate dauern könnte, bis eine deutliche Erholung einsetzt, wobei die Volumina in der späteren Korrektur- und Akkumulationsphase voraussichtlich weiterhin gering bleiben werden.
Andere sehen die fundamentalere Herausforderung beim Wettbewerb um das Kapital. Richard Hodges, Gründer des Ferro BTC Volatility Fund, sagte, er habe grosse Bitcoin-Besitzer gewarnt, dass Geduld gefragt sei. «Ich spreche mit vielen Bitcoin-Walen und habe ihnen kategorisch gesagt, dass sie in den nächsten 1'000 Tagen kein neues Allzeithoch erleben werden», so Hodges. Er verwies auf die KI-getriebene Aktienhausse und den Wiederaufschwung der Edelmetalle, die sowohl Makro-Trader als auch Momentum-Jäger angezogen haben.
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(bloomberg/cash)
Dieser Artikel erschien zuerst bei Cash.
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