Geld anlegen ist keine Zauberei. Findet jedenfalls Nobelpreisträger Harry Markowitz, der Begründer der Portfoliotheorie. Nur einmal im Jahr, wenn die Steuererklärung auszufüllen ist, überprüft er zusammen mit seiner Frau die Wertentwicklung seiner Anlagen und nimmt allenfalls Veränderungen vor. Auch der erfolgreichste Investor überhaupt, Warren Buffett, ist kein eifriger Trader mit komplizierten, kaum durchschaubaren Anlageprozessen. Doch mit Berkshire Hathaway hat er über 42 Jahre eine Performance von 21 Prozent pro Jahr erzielt. Seit 1965 wurden so aus 1000 rund 6,5 Millionen Franken. Die Performance des amerikanischen Aktienindex S&P war nur halb so hoch.

Für Claudio Mazzoni, Leiter Investment Management bei Clariden Leu, sind es nicht in erster Linie die konkreten Anlageentscheide, die dazu führen, dass die Rendite der Ersparnisse mit Anlagefonds besser ausfällt als auf dem Sparkonto. Private Anleger können darin genauso erfolgreich sein wie Profis. Doch darauf entfallen nur 20 Prozent des Anlageerfolgs. 80 Prozent hingegen hängen von der Strategie ab. Viel Herdentrieb und wenig Strategie ist eine der häufigsten Ursachen von Misserfolgen. Wie Markowitz und Buffett zeichnen sich Investoren, die mit ihren Anlageerfolgen zu Berühmtheit gelangt sind, immer wieder mit verblüffend einfachen Rezepten aus. Anhand von sieben Regeln zeigt BILANZ, worauf es bei der Fondswahl ankommt:

1. Ohne Ziel kein Weg

Das Ziel ist meist rasch definiert: eine möglichst hohe Rendite bei möglichst tiefem Risiko. Darin liegt aber ein Zielkonflikt. Je höher die Renditeerwartungen geschraubt werden, desto grösser sind die Anlagerisiken, die eingegangen werden müssen. Deshalb sollte zuerst Klarheit darüber geschaffen werden, welcher Betrag investiert werden kann und in welchem Ausmass ein allfälliger Verlust den Lebensstandard einschränken würde. Im Internet sind verschiedene Selbsttests zu finden, mit denen sich die eigene Risikoneigung und die Höhe des Aktienanteils einschätzen lassen. In Zusammenarbeit mit der Berner Kantonalbank und und der Firma Netcetera hat BILANZ einen solchen Test ausgearbeitet (siehe Seite 28). Anhand von 25 Fragen wird das persönliche Verhalten im Umgang mit Geld und Finanzanlagen ermittelt. Daraus wird ein Profil erstellt, das einen ersten Hinweis über die persönliche Risikoneigung und die Folge für eine Anlagestrategie gibt. Besonders beachtet sollte das dritte Element der Zieldefinition werden: die Verfügbarkeit. Einmal investiert, ist ein vorzeitiger Ausstieg oft mit empfindlichen Verlusten verbunden. «Junge Familien haben häufig eine tiefere Sparquote als Rentner und können weniger Anlagerisiken eingehen», stellt Rolf Maurer von der Vermögensverwaltung Bevag Better Value fest. Zudem lohnt es sich, eine Einzahlung in die Säule 3a, den Einkauf in die Pensionskasse oder die Rückzahlung einer Hypothek zu prüfen. Dank den steuerlichen Vorteilen und der hohen Sicherheit erweisen sie sich gegenüber Fondsanlagen als attraktive Alternative.

2. Zeit ist Geld

Die angeblich so einmalige Gelegenheit, die sofort ergriffen werden muss, ist oft die falsche. Die Umsetzung eines Anlageplans darf Wochen dauern. Den grössten Zeitaufwand erfordern die Zielfindung und die Vermögensaufteilung sowie die sorgfältige Suche der geeigneten Fonds. Das Geld auf dem Konto ist immer verfügbar, einmal investiert aber meist nur mit erheblichen Verlusten wieder zurückzuholen. Mit dem Einstieg sollte zugewartet werden, wenn im Tram die neusten Börsenerfolge Tagesgespräch sind, die Konjunktur brummt und die Zinsen steigen. Auch in diesem Sommer hat sich gezeigt, dass dann die Börsen im Zenit stehen und ein Abschwung kurz bevorsteht.

3. Reden ist Silber, Information ist Gold

Weltweit ist die Zahl der Anlagefonds gemäss Claudio Mazzoni grösser als die Zahl der börsenkotierten Aktien. Die 5000 in der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen Fonds sollten allerdings ausreichen, um für die geplante Vermögensaufteilung den geeigneten Anlagefonds zu finden. Dabei ist auf die gut gemeinten Tipps von Freunden, eine tolle Anlagegeschichte oder ein Modethema wenig Verlass. Was zählt, sind die Fakten. Mit ihnen lässt sich auf verschiedenen Internetplattformen (siehe www.bilanz.ch/finanzprodukte) aus der gewünschten Anlageklasse der passende Fonds herausfiltern. Die Fonds sollten dabei nicht nur in ihrer erzielten Performance miteinander verglichen werden, sondern auch anhand des Risikos, mit dem die ausgewiesene Performance erreicht wurde. Oft ist gerade der Fonds, der in den letzten fünf Jahren mit einer besonders tollen Wertentwicklung glänzte, in den folgenden fünf Jahren einer der schlechtesten. Das Risiko ist daran zu erkennen, wie hoch die Wertschwankungen sind, wie oft und in welchem Ausmass der Fonds Verluste erlitt oder wie breit abgestützt die Wertentwicklung seiner Anlagen sind. Je schmaler die Basis des Erfolgs ist, desto höher ist die Anfälligkeit auf Rückschläge. Weitere Bewertungskriterien sind die Gesamtrendite einschliesslich allfälliger Ausschüttungen, die Kosten, das Domizil und die Stabilität des Managements. Die meisten dieser Angaben lassen sich bereits aus den Merkblättern und Monatsberichten des Fonds ablesen.

4. Hin und her macht Taschen leer

Ist die Vermögensaufteilung einmal festgelegt und sind die passenden Fonds gefunden, gibt es nicht mehr viel zu rütteln. Wie Markowitz können sich auch Anleger darauf beschränken, einmal jährlich den Steuerauszug zu prüfen und allenfalls an der Aufteilung der Anlageklasse Änderungen vorzunehmen. Allerdings wird diese Regel auch gerne missverstanden, vor allem bei Verlusten. Allzu lange wird dann zugewartet, in der Hoffnung, von einer Erholung zu profitieren, statt sich die Verluste einzugestehen und auszusteigen. Auch ist es ratsam, nach einer unerwartet tollen Wertsteigerung die Gewinne zu sichern.

5. Billig ist günstig

Teuer ist bei Fonds vor allem der Kauf. Nicht die tolle Performance des Fonds entscheidet letztlich über den Anlageerfolg, sondern die Rendite nach Abzug aller Kosten. «Die Transaktionskosten werden oft etwas unterschätzt», warnt Mazzoni. Nicht selten machen die Gebühren beim Kauf die Performance des ersten Jahres wett. Tendenziell teuer sind so genannte Multimanager-Plattformen, bei denen Anleger in einen Korb von Fonds investieren. Darum sollte folgendes beachtet werden: Hohe Gebüren sind nur gerechtfertigt, wenn auch die Performence stimmt. Nur den wenigsten Fonds gelingt jedoch dieser Spagat.

Eine wichtige Kennzahl ist die TER, die Total Expense Ratio. Sie beziffert die Kosten des Fonds. Die bis fünf Prozent des Kaufpreises erreichenden Courtagen für den Verkäufer, Stempelsteuern und Ausgabekommissionen sind darin jedoch nicht enthalten, auch die Transaktionskosten nicht, die dem Fonds bei der Anlage seines Vermögens entstehen.

6. Lieber einfach als kompliziert

Einfache, leicht verständliche Konzepte haben besonders bei Anlagefonds die besten Erfolgsaussichten. Börsenkotierte Indexfonds, ETF, die sich bloss auf die passive Nachbildung eines Börsenindex beschränken, werfen besser Renditen ab als die Mehrheit der aktiv geführten Fonds. Je mehr Absicherungen, Anlagekonstrukte und Stellen zwischen der eigentlichen Anlage des Fonds und dem Fondsanleger stehen, desto höher sind die Kosten, und desto geringer fällt die Rendite aus. Zudem wird es für den Anleger immer schwieriger, den Fonds-Anlageprozess nachvollziehen zu können.

Ein direkter Kauf von Obligationen oder eines Strategiefonds kann den Anlagezweck letztlich ebenso gut erfüllen wie Obligationenfonds oder eine Palette verschiedener Fonds, wie Rolf Maurer aufzeigt.

7. Die Eier nicht in zu viele Körbchen legen

Markowitz wies in seiner Portfoliotheorie nach, dass mit verschiedenen Anlagen weniger Risiken eingegangen werden, die Rendite aber höher ausfällt. Fonds ermöglichen Anlegern diese Diversifikation. Allerdings schmälern zu viele Fonds wiederum die Rendite und erhöhen die Kosten. Wird die Anlagesumme auf zu viele Gefässe verteilt, geht die Übersichtlichkeit verloren, der Zeitaufwand für die Betreuung des Vermögens steigt rasch an, und die Risiken nehmen damit sogar zu. Investiert ein Anleger zum Beispiel in einen Schweizer Aktienfonds und in einen Schweizer Pharmafonds, entsteht ein Übergewicht der beiden Pharmamultis Novartis und Roche. Kursschwankungen innerhalb dieser beiden Aktien fallen dann besonders ins Gewicht.

Mit einigen Indexfonds oder Obligationen als Kernanlage lassen sich die wichtigsten Anlageklassen im Wesentlichen abdecken. Auch wenn daneben versucht wird, mit einigen zusätzlichen Anlagen eine Extrarendite zu erwirtschaften, sind es letztlich die Strategie und die Vermögensaufteilung, die zu einem langfristigen, nachhaltigen Anlageerfolg führen.

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