Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet», wird Heiratswilligen empfohlen. «Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch was Besseres findet», haben Heiratsskeptiker daraus gemacht. Wer in Anlagefonds investiert, sollte sich besser an das Motto der Skeptiker halten. Man bindet sich in diesem Anlagebereich zwar nicht ewig – aber es lohnt sich auf jeden Fall, einen langfristigen Anlagehorizont anzustreben. «Eine Anlage in Fonds ist ein langfristiges Investment. Durch zu häufiges Umschichten kann es zu starken Renditeeinbussen kommen», sagt Lars Kalbreier, Leiter Anlagefonds und ETF im Private Banking der Credit Suisse. Eine gründliche Selektion ist das A und O für eine erfolgreiche Fondsanlage. Auch hier ist das Bessere der Feind des Guten.

Noch wagen sich die meisten Anleger allerdings nicht so recht aus dem Schneckenhaus heraus. Aus Angst, beim Geldanlegen Fehler zu machen, bunkern vor allem Private ihre Mittel auf Sparkonti oder in Tresoren. Nach ­Angaben der Schweizerischen Nationalbank haben sich die Spargelder innert Jahresfrist um mehr als 40 Milliarden auf über 520 Milliarden Franken erhöht und damit einen neuen Rekordstand erreicht. Die totale Defensivtaktik im Anlagebereich ist aber ein untauglicher Versuch, sein Vermögen zu erhalten. Nach Abzug von Steuern und Inflation schmilzt dieses nämlich langsam, aber stetig dahin.

Ein sinnvolleres Instrument sind Anlagefonds. Für weniger geübte Investoren sind sie so etwas wie das Ei des Kolumbus für die Geldanlage. «Dank diesem Instrument können Kleinsparer genauso geschickt investieren wie professionelle Investoren jeder Grösse», meint der Basler Finanzmarktprofessor Erwin Heri.

In der Tat: Der mit Abstand wichtigste Entscheid jedes Anlegers ist die langfristige strategische Aufteilung der Mittel auf die wichtigsten Anlageprodukte. Wie viel Geld soll also in Aktien, Obligationen, Immobilien, Gold, in den Geldmarkt und allenfalls in alternative Anlagen (Hedge Funds, Rohstoffe, Private Equity usw.) fliessen? Zu rund 80 Prozent wird der ­Anlageerfolg durch die strategische ­Aufteilung der Mittel bestimmt, wie ­Untersuchungen zeigen. Mit dem Kauf eines einzigen Strategiefonds kann ein Investor diese entscheidende Weichenstellung auf einen Streich erledigen.

Stolpersteine im Fondsbereich. Mit andern Worten: Erfolgreiches Anlegen muss bei weitem nicht so aufwendig und schwierig sein, wie die Geldbranche immer wieder suggeriert. Zumindest auf den ersten Blick nicht, denn auch im Fondsbereich lauern auf den Anleger Stolpersteine und Fallstricke. Fast erschlagend gross ist nur schon das Angebot: Die Zahl der Anlagefonds ist noch wesentlich grösser als jene der Einzeltitel – und damit auch die Qual der Wahl. ­Allein in der Schweiz sind über 9000 ­Anlagefonds und ETFs zum Vertrieb zugelassen. Auch das Angebot an einfachen Strategiefonds mit fixierten Aktienquoten geht in die Hunderte.

Welchen Fonds soll ich wann kaufen? Welche Fehler gilt es unbedingt zu ­vermeiden? Und was ist sonst noch zu ­beachten? So lauten die häufigsten ­Fragen von Anlegerinnen und Anlegern. BILANZ hat sich bei verschiedenen Schweizer und ausländischen Fondsanbietern umgehört und sie nach ihren ­besten Tipps gefragt.

Markus Signer, Head of Fund Distribution Switzerland Pictet, moniert, dass das Gros der Anleger vor allem jene Fonds erwerbe, die in der Vergangenheit gut abgeschnitten hätten. «Sie kaufen also die Fondsperformance der Vergangenheit.» Sehr oft verstünden sie auch das Produkt nicht vollständig, oder sie informierten sich nur dürftig. Dazu unterschätzen sie die Volatilität der Fonds und häufig auch das Währungsrisiko. Dem stimmt Rolf Maurer, Partner beim Fondsberatungsunternehmen Bevag, zu: «Anleger verwechseln oft die Fonds- und die Risikowährung. Ein Fonds, den man in Schweizer Franken erwirbt, muss nicht zwingend alles in Schweizer Franken investieren und kann somit auch Fremdwährungsrisiken bergen. Dies kann insbesondere bei vermeintlich risikoarmen Obligationenfonds zu bösen Überraschungen führen.»

Hitparaden sind trügerisch. Für Maurer ist das prozyklische Verhalten der Investoren ein wesentlicher und folgenschwerer Fehler: «Sie kaufen dann, wenn alle kaufen und die Kursentwicklung bereits weit fortgeschritten ist, und steigen deshalb oft zu teuer ein.» Gerade bei Fonds passiere es häufig, dass Produkte gekauft würden, die in Performance-Hitlisten auf dem Podest stünden. Damit setze man in vielen Fällen auf extreme Strategien und Nischen. Diese hätten zwar in der zurückliegenden Periode gut funktioniert, könnten jedoch in einem veränderten Umfeld ebenso schnell wieder abrutschen: «Hitlisten sind deshalb oft schlechte Indikatoren für die zukünftige Entwicklung der Fonds. Bei Strukturbrüchen an den Märkten können solche Gewinner der Vergangenheit dann überproportional verlieren.» Allein aufgrund der kurz- und mittelfristigen Performance die Leistung eines Fondsmanagers beurteilen zu wollen und Rückschlüsse über die zukünftige Entwicklung zu ziehen, sei naiv, sagt Maurer.

Ins gleiche Horn stösst Steffen Glos, Leiter Vertrieb UBS Funds: «Die Versuchung ist offensichtlich gross, sich auf heisse Anlageideen und Marktsegmente zu stürzen. Trendige Titel haben aber häufig schon einen bedeutenden Preisanstieg hinter sich. Der kluge Anleger widersteht der Versuchung und vermeidet es, erst auf dem Höchst einzusteigen.» Keine gute Idee ist es nach Ansicht der beiden GAM-Fondsexperten Anthony Lawler und Xavier Clavel, in sehr grosse Markenfonds zu investieren: «Diese Fonds neigen dazu, die Risiken zu minimieren, was die langfristige Performance hemmen kann.»

Swisscanto-Anlagechef Peter Bänziger und Bevag-Experte Maurer ist aufgefallen, dass auch im Fondsbereich Gewinne zu schnell realisiert und Verluste nicht begrenzt werden: «Das ist der sichere Weg zu einem Depot aus Verlierern», sagt Maurer. Bänziger sekundiert ihn: «Privatanleger trennen sich höchst ungern von einer Anlage, selbst wenn deren ­Perspektive nicht mehr gut ist.» Immer wieder würden aktuelle Ereignisse und Informationen überbewertet und langfristige Trends und Zusammenhänge aus den Augen verloren, so Maurer.

UBS-Fondsspezialist Steffen Glos hat ebenfalls festgestellt, dass sich viele ­Anleger weigerten, unbefriedigend abschneidende Anlagen aufzulösen, weil sie dann einen Verlust realisieren müssten. Andere klammerten sich an Anlagen mit beträchtlichem Wertzuwachs, ohne deren Aussichten in Betracht zu ziehen. Von falschen Freunden trenne man sich aber besser, müsse die Devise lauten.

Flucht ins Bargeld kontraproduktiv. Glos warnt vor Panikreaktionen bei starken Verwerfungen an den Märkten. Eine kopflose Flucht in die Sicherheit des Bargelds sei kontraproduktiv: «Eine Krise legt sich häufig schneller als erwartet. Wer seine Anlage zuvor aus Angst viel zu billig liquidierte, muss danach womöglich viel mehr bezahlen, will er sie wieder zurückhaben.»

Unbedingt zu vermeiden gelte es sodann eine zu geringe Diversifikation: «Viele Investoren versteifen sich auf ein einziges Anlagethema, ein einziges Anlagekonzept oder gar eine einzige Anlagelösung», so Steffen Glos. Das Anleger-Portfolio sei unterdiversifiziert. Gute Diversifikation sei eine bewährte Grundregel: «Da sich die Performanceentwicklungen der verschiedenen Anlageklassen und Titel laufend und in verschiedener Richtung verändern, kann mit einem gut diversifizierten Portfolio das Gesamtrisiko verringert und gleichzeitig das Gewinnpotenzial erhalten werden.»

Durch Einsicht zur Besserung. Die erwähnten Fehler und Fehlerquellen zu kennen, ist der erste Schritt, um sie zu vermeiden. Wer sich dann eine klare langfristige Anlagestrategie mit einer entsprechenden Gewichtung der Anlageklassen (Aktien, Anleihen, Geldmarkt usw.) zurechtlegt und auch eisern daran festhält, ist dem Anlageglück einen weiteren Schritt näher.

Dabei gilt es, die langfristigen Anlageziele und die Risikobereitschaft auf den individuellen Investor abzustimmen. Dann beginnt die konkrete Fonds­selektion. Geht man dabei schliesslich den in der nebenstehenden Box zusammengefassten Stolpersteinen aus dem Weg, kann nicht mehr viel schiefgehen.

Für Investoren, die nur geringe Mittel einsetzen können, ist bereits ein sorgfältig ausgewählter Strategiefonds oder ein kostengünstiger ETF eine gute Sache. Wer über grössere Mittel verfügt, kann sich auf Basis einer langfristigen Strategie aus selektionierten Fondsbausteinen selber einen Anlagemix zusammenstellen. Oder sich von spezialisierten Fondsanbietern beraten lassen. Deren Fondsselektion basiert in der Regel auf einer quantitativen und qualitativen Prüfung.

Die quantitative Analyse erfolgt mittels umfangreicher Datenbanken, mit denen die Fonds in Vergleichsgruppen nach Kennzahlen wie Rendite, Volatilität oder Tracking Error analysiert werden. Die qualitative Analyse basiert auf Interviews. Damit sollen das Fondsmanagement, die Investmentphilosophie, die Titelselektion, die Portfoliokonstruktion und das Risikomanagement untersucht werden. «Damit ein Fonds auf unsere Empfehlungsliste kommt, muss er also einer fundierten Analyse, einer Due Diligence, standhalten», sagt Credit-Suisse-Experte Lars Kalbreier.

Es lohnt sich für jedermann, breit ­diversifiziert in Aktien, Festverzinsliche, Immobilien und Gold zu investieren. Mit einer gleichmäs­sigen Streuung hat ein Investor in allen Fünf-Jahres-Perioden seit 1970 eine durchschnittliche Rendite von rund sechs Prozent erzielt – pro Jahr.

Und das Beste: Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass solche Renditen nicht auch in Zukunft möglich sind.

Anzeige
Anzeige