Die Traditionsbank Edmond de Rothschild zieht sich von der Börse zurück, die Immobilienfirma Cham Group wechselt auf ausserbörsliche Handelsplattformen. Nur wenige Aktionäre werden diese Titel vermissen. Damit sind sie keine Ausnahme: Dutzende der 215 an der SIX Swiss Exchange kotierten Aktien fristen nach der anfänglichen Euphorie rund um das IPO ein Schatten­dasein.

Während täglich Nestlé-Aktien im Wert von einer halben Milliarde Franken den Besitzer wechseln, liegt das Handelsvolumen bei 62 Aktien im Swiss Performance Index bei weniger als 100 000 Franken am Tag. Bei 22 Titeln beschränkt sich der Handel auf Papiere im Wert von weniger als 10 000 Franken und ist somit kaum existent. Die Kurse lassen sich in einem solchen Umfeld ­leichter manipulieren. Grös­sere Investoren können wegen der niedrigen Liquidität nicht investieren oder kommen aus ihren Anlagen nur noch schwer heraus.

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CI Com findet keine Abnehmer

Das Abstellgleis der Börse wird von ­gescheiterten Hoffnungsträgern und Kursleichen dominiert. Firmen wie Perfect Holding, LumX Group, Relief Therapeutics, Airopack Technology und Blackstone Resour­ces fallen in diese Kategorie. Grösster Ladenhüter an der SIX ist die CI Com: Über Wochen findet keine einzige Aktie ­­der Investmentgesellschaft einen Abnehmer. Das Unternehmen war kein gutes Investment: 1991 war die Aktie 200 Franken wert, zuletzt nur noch 2.40 Franken.

Neben missglückten Börsengeschichten gibt es unter den Ladenhütern auch solche, die gar nie zu einer Wachstumsstory werden wollten. In diese Kategorie fallen die Kantonalbanken. Da Politiker die Mehrheit halten, sind sie in den Augen vieler Inves­toren wenig ­attraktiv.

Negativ sticht die Banque Cantonale du Jura hervor. Obwohl das Unter­nehmen eine Börsenkapitalisierung von 172 Millionen Franken aufweist, gibt es Tage, an denen keine einzige Aktie gehandelt wird. Besonders wenig haben Börsenbroker mit den Titeln der Glarner, der Genfer und der Thurgauer Kantonalbank zu tun. Man muss indes keine Kantonalbank sein, um von Investoren gemieden zu werden. Auch Anteile der Genfer Privatbank Banque Profil de Gestion wechseln höchst selten die Hand.

Oft bringen selbst gute Nachrichten keinen Schwung in den Handel. Die Valartis Group etwa kehrte im ersten Halbjahr in die Gewinnzone zurück. Trotz der positiven Überraschung verharrte der Kurs volle zwei Wochen auf exakt 10 Franken.

Orell Füssli wird wenig gehandelt

Die Villars Holding zählt unter den Umsatzschwächlingen an der Börse zu den wenigen Investments, die sich für die Anleger zumindest langfristig gelohnt hätten. Einen Teil der Gewinne vernichtete der Betreiber der «Pause-Cafés» im letzten ­November mit einer Gewinnwarnung. Der Handel sprang nur kurzfristig an.

Unter den Ladenhütern finden sich ­auch bekanntere Namen. Beispielsweise gehört Orell Füssli zu den 40 am wenigsten gehandelten Aktien an der SIX. Beim Luxus­unternehmen Lalique ist das tägliche Handelsvolumen lediglich rund 5000 Franken gross. Multimilliardär Hansjörg Wyss hat seine Beteiligung trotzdem per 11. Juli auf 6,3 Prozent erhöht. Ein Ausstieg über die Börse dürfte bei diesen Umsätzen allerdings nicht einfach werden.

Werte, die im Swiss Market Index (SMI) vertreten sind, werden allein schon wegen der Zugehörigkeit zum Blue-Chip-Index nachgefragt. SGS und Adecco bilden im SMI die Schlusslichter und liegen beim Handelsvolumen hinter Firmen wie AMS oder Partners Group.

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