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Bitcoin und Co.

Big Finance steigt ein, die Kryptopunks steigen aus

Der IPO-Moment: An den Krypto­märkten findet ein Eigen­tümerwechsel statt.

Erich Gerbl

<p>Von links: Blackrock-Chef Larry Fink, Thether-CEO Paolo Ardoino und Etherum-Erfinder Vitalik Buterin.</p>

Von links: Blackrock-Chef Larry Fink, Thether-CEO Paolo Ardoino und Etherum-Erfinder Vitalik Buterin.

Bilanz

Das Networking Dinner an der Crypto Finance Conference (CfC) im «Suvretta House» hoch über St. Moritz findet traditionell im holzgetäfelten «Grand Restaurant» statt. Um möglichst viele Menschen kennenzulernen, wechseln die Teilnehmer für jeden Gang den Tisch. Die Chance, eine persönliche Geschichte von verlorenen, verschenkten oder zu früh verkauften Bitcoins zu hören, ist so besonders gross. Als man noch erklären musste, was ein Bitcoin überhaupt ist, kaufte der Franzose Guillaume für 10’000 Dollar 10’000 Bitcoins. Nachdem ihr Kurs von einem auf fünf Dollar gestiegen war, trennte er sich wieder von den Coins. Mit dem Gewinn kaufte er seiner Frau ein Auto. Damals fühlte er sich wie ein Held. Heute ist der Gedanke an diesen Deal «grauenhaft». Kein Wunder, wären diese 10’000 Bitcoins heute fast eine Milliarde Dollar wert.

Oft schossen die Kurse in der turbulenten Anfangszeit in schwindelerregendem Tempo in die Höhe – um wenig später wieder ins schier Bodenlose zu stürzen. Für die Investoren, die Bitcoin trotz der Widerstände die Treue hielten, hat Guillaume «grössten Respekt». Sie sind die sogenannten Wale. Anders als echte Wale tauchen Bitcoin-Wale selten auf. Nur wenn sie grosse Positionen auf den Markt werfen, erregen sie Aufmerksamkeit. Als Bitcoin Ende 2024 die magische 100’000-Dollar-Hürde übersprang, wurde der Tatendrang geweckt. Im Vorjahr haben einige die Gunst der Stunde genutzt und für mehrere Milliarden Bitcoin verkauft. Seit dem Sommer haben sich solche Deals gehäuft.

In der Kryptobranche spricht man von einem «IPO-Moment». Obwohl Bitcoin kein Unternehmen ist, kommt der Vergleich mit einem traditionellen Börsengang nicht von ungefähr. Erstmals ist es möglich, grössere Mengen Bitcoins zu verkaufen, ohne die Kurse dabei zum Absturz zu bringen. Das tägliche Handelsvolumen liegt bei 50 Milliarden Dollar und mehr. Die von den frühen Investoren abgeworfenen Bitcoins werden nun von der traditionellen Finanzindustrie aufgesaugt.

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