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Lorenz Heim: «Hypotheken sind im Sommer meist teurer»

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«In den ­Neunzigern ­kosteten ­fünfjährige Festhypotheken bis zu 8,5 Prozent»: Lorenz Heim.

Der Leiter des HypothekenZentrums bleibt bei ­seiner ­Libor-Hypothek. Was die Banken ärgern ­dürfte: Sie verdienen daran am wenigsten.

BILANZ: Herr Heim, Sie haben Ihr Haus bisher mit einer Libor-Hypothek finanziert. Wäre jetzt der Moment, um in eine Festhypothek zu wechseln?

Lorenz Heim: Nein, ich rechne damit, dass der Libor noch eine Weile tief bleibt. Zudem besagt eine Daumenregel, dass die Hypothekarzinsen im Sommer meistens teurer sind als zu Beginn oder am Ende des Jahres.

Wie bitte?

Ja, eine von mehreren Begründungen dafür ist, dass zahlreiche Teilnehmer am Geld- und Kapitalmarkt Ende Jahr ihre Cash­bestände ­erhöhen oder auch kurzfristige Kredite zurückzahlen, um ihre ­Bilanzierung zu vereinfachen. Somit ist das Angebot an Geld grös­ser als die Nachfrage, was zu sinkenden Zinsen und damit auch tieferen Hypothekarzinsen führt.

So viel zur Saisonalität. Zurück zur Libor-Hypothek: In den ­neunziger Jahren stieg sie auf ­gefährlich hohe zehn Prozent.

Das ist richtig. Allerdings nur für kurze Zeit. Fünfjährige Fest­hypotheken kosteten damals stolze 8,5 Prozent.

Trotzdem wäre es damals am ­besten gewesen, schon früher eine langfristige Festhypothek zu viel tieferen Zinsen abgeschlossen zu haben.

Das wäre nur so, wenn man voraussagen könnte, wann der Zins­anstieg kommt und wie lange er dauert. Solche Fähigkeiten haben wir nicht. Deshalb konzentrieren wir uns darauf, eine individuelle Hypothekarstrategie zu definieren. Wer beispielsweise mit stark steigenden Zinsen rechnet, sollte bis zu zwei Drittel seines Finanzierungsbedarfs in Form von langfristigen Festhypotheken mit Laufzeiten von über sieben Jahren  aufnehmen.

Wer aber mit tiefen Zinsen ­rechnet, fährt mit Libor besser.

Ja, auch wenn die Banken das wahrscheinlich nicht so gerne hören, da sie mit Libor-Hypotheken am wenigsten verdienen.

Der Libor ist allerdings auch risikoreicher.

Das stimmt. Um das Risiko eines Zinsanstiegs unter Kontrolle zu halten, sollte ein Umstiegspunkt von Libor- zu Festhypothek ­definiert werden. Ein solcher könnte bei einer zehnjährigen Festhypothek bei 3,25 Prozent gesetzt werden.

Derzeit liegt der Satz bei 2,5 Prozent, also ist noch Zeit.

Genau, und so kann man im Idealfall noch mehrere Semester von einer Geldmarkthypothek für ein Prozent profitieren.

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