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Lagerräume: Self Storage mausert sich zum Trend

Lagerräume: Self Storage mausert sich zum Trend
Self Storage: Professionelle Lagerung statt überfüllte Garage.  Pixabay

Wohin nur mit der Skiausrüstung im Sommer oder dem Hausrat während der Weltreise? Die Antwort lautet immer häufiger Self Storage. Das Potenzial ist gross - auch aus einem simplen Grund.

Von Marc Bürgi
2017-08-03

Wer bereits einmal für eine längere Zeit ins Ausland verreist ist, kennt das Problem. Die Wohnung ist gekündigt und das Haus geräumt. Nun müssen die Habseligkeiten bis zur Rückkehr aus dem Ausland verstaut werden. Wenn niemand aus der Familie oder dem Bekanntenkreis Platz für die Gegenstände hat, bietet sich Self Storage als Lösung an.

Rund 50 kommerzielle Lagerräume gibt es heute in der Schweiz – und es werden immer mehr. Der Marktführer Zebrabox betreibt acht Standorte und will in den nächsten Jahren bis zu sechs weitere Filialen eröffnen. Stark wächst auch Place B: Das Zürcher Jungunternehmen will sein Netz von sieben Niederlassungen im nächsten Halbjahr um zehn Ableger erweitern. Mybox, ein weiterer Konkurrent, hat vor, die bestehenden sechs Standorte zu vergrössern.

Breites Angebot

Mindestens ein Dutzend weitere Unternehmen vermieten hierzulande Lagerräume. Darunter hat es viele kleine Anbieter mit einem einzigen Standort – beispielsweise haben mehrere Transportunternehmen Self Storage als zusätzliches Geschäft entdeckt, um ihre Räume auszulasten. Die Dienstleistungen unterscheiden sich stark. Mancherorts steht den Kunden lediglich eine unbeheizte Halle im Industriequartier zu Verfügung – andere Unternehmen offerieren einen ausgebauten Service im Stadtzentrum.

Trotz der vielen neuen Angebote ist Self Storage in der Schweiz weiterhin ein Nischengeschäft. 0,6 Quadratmeter mietbare Fläche gibt es pro 100 Einwohner. In Grossbritannien oder Holland sind die Werte mit rund 5 Quadratmetern gemäss europäischer Self-Storage-Vereinigung Fedessa fast zehnmal höher. In den USA sind es gar fast 85 Quadratmeter – rund acht Prozent der Bevölkerung mietet dort Stauraum ausserhalb der eigenen vier Wänden.

Praktisch in vielen Situationen

So populär dürften die kommerziellen Lagerräume hierzulande zwar nicht werden – dafür sind die Distanzen in der Schweiz zu klein und die Bevölkerung ist vergleichsweise sesshaft. Viele Häuser verfügen überdies im Gegensatz zu den USA über Keller. Hinzu kommt, dass Self Storage in der Schweiz relativ teuer ist: Die Bank UBS schätzte die durchschnittliche Monatsmiete letztes Jahr auf gut 30 Franken pro Quadratmeter. 

Doch auch in der Schweiz wächst die Nachfrage. Die Bevölkerung nimmt zu, und benötigt immer mehr Wohnfläche. Häufig fehlt der Platz im Estrich oder Keller, um den Besitz zu verstauen. Die Leute wechseln zudem häufiger ihre Stelle, den Lebenspartner oder den Wohnort als früher. Das sind Situationen, in denen Self Storage praktisch werden kann.

Wenig Werbeanstrengung

Potential hat das Geschäft auch, weil viele Schweizer noch gar nicht auf die Idee gekommen sind, sich Stauraum zu mieten. «In der Bevölkerung ist Self Storage noch wenig bekannt», glaubt Christian Schmutz, der Gründer von Marktführer Zebrabox. Sein Unternehmen wirbt intensiv um Kunden – doch viele der Wettbewerber machten wenig Marketing, sagt Schmutz. 

Einen kleinen Werbeeffekt erhielt die Branche dank der populären US-Fernsehserie «Storage Wars»: In der Sendung versuchen die Teilnehmer, für möglichst viel Geld Gegenstände aus Lagerräumen zu versteigern, für welche die Miete nicht bezahlt wurde.

Standort ist das A und O

Heute gibt es vor allem in und um die grossen Städte Zürich, Lausanne, Genf, Basel und Bern ein breites Angebot an Self Storage. Nun expandieren Unternehmen wie Zebrabox oder Place B auch ausserhalb dieser Zentren und sorgen für Konkurrenz. Langfristig würden deshalb nicht alle Anbieter überleben, glaubt Zebrabox-Chef Schmutz. «Es wird eine Bereinigung geben. Wer keinen gut gelegenen Standort hat, wird unter Druck kommen», sagt er. 

Noch bietet das Geschäft mit Self Storage aber Raum für Wachstum: Bis zu 30 zusätzliche Standorte könnte der Schweizer Markt vertragen, schätzte die UBS letztes Jahr in einer Studie.

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