BILANZ: Herr Schmidt, Sie haben zur allgemeinen Überraschung Ihren Rücktritt auf Anfang April bekanntgegeben. Es heisst, Ihr Verhältnis zu Google-Gründer Larry Page sei im letzten Jahr schwieriger geworden.
Eric Schmidt:
Aber haben wir zwischen den Zeilen Ihres Communiqués richtig gelesen, dass sich Page und Mitgründer Sergey Brin schon länger ins Tagesgeschäft eingemischt haben?
Das heisst?
Was wird sich bei Google nun ändern?
Als neuer Chairman sollen Sie den CEO beaufsichtigen, der zufälligerweise auch noch der grösste Aktionär ist. Wie soll das funktionieren?
Sie bekommen eine Abfindung von 100 Millionen Dollar. Finden Sie das angemessen?
Werden Sie das?
Als Sie vor zehn Jahren den Chefposten von Google übernahmen, war die Firma wenig mehr als ein Start-up mit 200 Angestellten. Konnten Sie sich damals schon vorstellen, dass eines Tages daraus der Konzern von heute würde?
Was war die grösste Herausforderung in dieser langen Wachstumsphase?
Stichwort Groupon. Ist dieses Coupon-Geschäft nachhaltig oder nur eine Modeerscheinung, die wieder verschwindet?
Mit Google Offers werden Sie selber in diesem Markt aktiv. Was meinen Sie besser zu können als die Dutzende anderen Player auf diesem Markt?
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Wo sehen Sie andere Wachstumsgebiete?
Sie wollen einen Lügendetektor in Ihre Software einbauen?
Sie versuchen sich schon lange an der Diversifikation. Aber Ihre Umsätze hängen noch immer fast ausschliesslich von Suchanzeigen ab. Was läuft falsch?
Trotzdem ist Google bürokratisch und langsam geworden. Wie wollen Sie die Firma wieder flink und innovativ machen?
Das will jeder.
Ihr Handybetriebssystem Android ist ein grosser Erfolg, aber Sie verschenken es. Wie wollen Sie damit Geld verdienen?
Sie haben Android für Handys entwickelt, jetzt taucht es auch in Tablet-Rechnern auf, in Fernsehern, selbst in Mikrowellengeräten. Wird es eines Tages das Standardbetriebssystem unseres digitalen Lebens sein?
Warum sind Sie mit dem Nexus S wieder in das Hardwaregeschäft mit Handys eingestiegen?
Welche Rolle wird TV-Werbung in Zukunft für Google spielen?
Bislang war Google TV aber kein Erfolg. Wie wollen Sie es in die Gänge kriegen?
Das ist Ihr Hauptproblem: Es gibt zu wenig Inhaltsanbieter.
Wie gestaltet sich dabei Ihre Zusammenarbeit mit Logitech?
In vielen Gebieten konkurrieren Sie mit Apple. Steve Jobs verficht ein geschlossenes Modell rund um iTunes. Sie propagieren ein offenes Modell, wo jeder mitmachen kann. Warum glauben Sie, dass Ihr Ansatz besser ist?
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Aber Apple kann in ihrem eigenen System eine hohe Qualität garantieren. Google nicht.
Facebook dürfte die Firma sein, die Ihnen am meisten Sorgen macht – sie wächst extrem schnell in ihrem Kerngeschäft, der Anzeigenvermarktung.
Zumal die Leute eher den Empfehlungen von Freunden vertrauen als den Empfehlungen eines Algorithmus.
Ihre eigenen sozialen Netzwerke Orkut und Buzz sind gefloppt. Warum?
Das ist nicht wirklich beeindruckend.
… als Sie automatisch offenlegten, mit welchen Kontakten sich gewisse Buzz-User am meisten austauschten.
Ach ja?
Liegt das Problem darin, dass sich bei Google alles um Algorithmen dreht, was so ziemlich das Gegenteil von sozialen Kontakten ist?
Über 400 Ihrer Angestellten sind inzwischen zu Facebook übergelaufen.
Google ist trotzdem nicht mehr die attraktivste Firma im Silicon Valley.
Facebook baut ein Netz im Netz, auf das Ihre Suchroboter keinen Zugriff haben. Ein immer grösserer Teil des Internets wird damit von Google nicht mehr abgedeckt. Wie gehen Sie damit um?
Google leidet unter dem Ruf des Datenkraken. Wie wollen Sie das Image in dieser Hinsicht verbessern?
Geben Sie zu, die Bedeutung des Themas zu lange unterschätzt zu haben?
Facebook beginnt das gleiche Problem zu haben.
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Facebook wird mit 50 Milliarden Dollar bewertet, der Spielehersteller Zynga mit 5,5, das Management von Groupon will 15 Milliarden beim Börsengang lösen. Sind wir in einer neuen Internetblase?
Werden diese Bewertungen Bestand haben?
Welche Rolle wird Zürich für Google in Zukunft spielen?
Soll der Standort vergrössert werden?
Wenn alles immer schneller wird, wie Sie vorher sagten: Gibt es Google in zehn Jahren noch?
Der Milliardenmann
Eric Schmidt (55) baute in den letzten zehn Jahren Google vom Start-up zum 29-Milliarden-Dollar-Konzern auf. Für Anfang April hat er überraschend seinen Rücktritt als CEO angekündigt; dann wird er sich auf das Amt des Chairman zurückziehen und das Tagesgeschäft wieder den Gründern Larry Page und Sergey Brin überlassen. Vor seiner Zeit bei Google arbeitete Schmidt bei Sun Microsystems und als CEO des Softwareherstellers Novell. 2006 bis 2009 sass der Kunstsammler im Apple-Board. Sein Anteil an Google ist rund sechs Milliarden Dollar wert.