Guten Tag,
Für einen sorglosen Ruhestand wird die dritte Säule immer wichtiger. Den Turbo sollen reinrassige Aktienfonds zünden – doch nicht ohne Risiko.

Fredy Gilgen
«Heute erzähle ich euch ein Märchen.» Immer wenn der 51-jährige Aargauer Unterstufenlehrer Peter M. aus Baden seinen Unterricht so beginnt, kann er gewiss sein, dass er die ganze Aufmerksamkeit seiner Schülerschaft hat. Und er weiss sehr wohl, dass Märchen weit mehr als nur einen pädagogischen Wert haben. Deshalb freuen sich ja auch Erwachsene an Märchen aller Art. Denn auch sie und nicht nur die Kinder wünschen sich, dass zum Schluss die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden.
Beim neuesten Märchen für Erwachsene will beim Badener Lehrer aber gar keine Freude aufkommen. Es beginnt zwar genau so, wie ein Märchen beginnt: Es war einmal. Es war einmal ein Instrument, das aus einem kleinen Vermögen über die Jahre und Jahrzehnte ein grosses oder sogar ein sehr grosses machte. Ganz automatisch, ohne eigenes Dazutun. Allein das Geld musste arbeiten, sonst niemand. Doch dieses Instrument, genannt Zins, ist in den letzten zehn Jahren sukzessive von der Bildfläche verschwunden. Still und leise. Heute ist es so gut wie unsichtbar geworden oder hat sich gar ins Gegenteil verwandelt, in den Minuszins.
Wackelt nach Säule 1 und 2 auch Säule 3? Auf den glücklichen Schluss dieser Geschichte wartet der Pädagoge noch. Alle beschwichtigenden Prognosen, der Zins werde früher oder später mit Sicherheit zurückkommen, haben sich nicht bewahrheitet. Aus dem Märchen ist unvermittelt ein Schauermärchen geworden. Denn ohne Zins wird das Vorsorgesparen in der Säule 3a für den Anleger zu einer reinen Sisyphusarbeit, ist die Durchschnittsverzinsung dieser Konten doch mittlerweile auf unter ein viertel Prozent gesunken. Tendenz weiter abwärts, wie aus einem Vergleich von Moneyland hervorgeht.
Werbung