Es waren entspannende Momente, die ABB-Chairman und Interims-CEO Peter Voser beim Formel-E-Rennen in Bern geniessen konnte. Mit Frau Daniela, den beiden Töchtern und dem Sohn verfolgte er das Rennen vom Rosengarten aus, wohin ABB, Namenssponsor ­der Elektroautorennserie, ihre Gäste geladen hatte. Später überreichte ­Voser, in Jeans, mit Sneakers und ärmelloser Weste ungewöhnlich leger gekleidet, dem Gewinner Jean-Éric Vergne die Trophäe.

Weniger entspannend ist derzeit sein Alltag, muss er doch nach dem Abgang von Ulrich Spiesshofer ­ das Tagesgeschäft von ABB leiten und gleichzeitig einen Nachfolger suchen. Mit dieser zusätzlichen Arbeitsbelastung begründete Voser auch seinen plötzlichen Rückzug nach acht Jahren als VR von Roche. Auch das Präsidium bei der Frauenförderungs-Organisation Catalyst hat er niedergelegt, ebenso wie sein Mandat beim Nachwuchsförderer Generation.

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Externe Kandidaten werden geprüft

Bereitet Voser sich also vor auf eine längere Zeit im Doppelmandat? «Das ist eine Verantwortung gegenüber dem Board und den Investoren, die man in solch einer Situation trägt», widerspricht Voser, «egal, wie kurz oder lang diese Situation anhält.» Gut möglich also, dass der neue Konzernchef relativ bald verkündet wird.

Tatsächlich hat das Nominationskomitee unter dem schwedischen Grossaktionär Jacob Wallenberg inzwischen Gespräche geführt mit Sulzer-Chef Greg Poux-Guillaume, wie zwei unabhängige Quellen bestätigen. Der würde den Job auch gerne haben. Doch offensichtlich werden noch andere externe Kandidaten geprüft.

Greg Poux-Guillaume

Greg Poux-Guillaume wurde angefragt und würde den Job gerne haben.

Quelle: ZVG

Gute Chancen dürfte etwa Börje Ekholm haben, erfolgreicher CEO des Netzwerkausrüsters Ericsson und ein Vertrauter der Familie Wallenberg. Diese wollen, so hört man, wieder einen Schweden an der Spitze von ABB sehen.

Borje Ekholm, chief executive officer of Ericsson AB, poses for a photograph in Singapore, on Thursday, May 2, 2019. The controversy surrounding Chinese telecom vendor Huawei Technologies has increased uncertainties in the industry as carriers go slow on investment decisions, according to?Ekholm. Photographer: Paul Miller/Bloomberg

Börje Ekholm gilt als Favorit des Grossaktionärs Familie Wallenberg.

Quelle: Bloomberg

Auch unter dem allseits respektierten Peter Voser kommt der Aktienkurs nicht voran. Innerhalb ABB verbreitet sich daher die Erkenntnis, dass die Firma kein CEO-­Problem hat, sondern von den Aktionären wegen ihrer Komplexität verschmäht wird. Daran kann auch ein Star-CEO nichts ändern. Deshalb steigt die Wahrscheinlichkeit eines internen Nachfolgers.

Externe setzen die Benchmark

So weit ist es aber noch nicht: «Wir schauen zuerst die externen Kandidaten an, um die Benchmark zu erstellen», sagt Voser. «Dann sehen wir, ob ein interner Kandidat die Benchmark schlägt.»

Die besten Chancen dürfte in diesem Falle der Amerikaner Tarak Mehta haben, Leiter der ABB-Sparte Elektrifizierung. Auch Peter Terwiesch (Automation) und Ex-Siemens-Manager Sami Atiya (Robotics) dürfen sich Chancen ausrechnen.

Tarak Mehta

Tarak Mehta hätte intern die besten Chancen.

Quelle: Jakob und Bertschi