In Lugano kann man sich zwar uneingeschränkt an Sonne, See und Altstadt freuen, sobald es aber ums Essen geht, wird es schwierig. Es scheint fast so, als seien die hiesigen Wirte durch den Touristenansturm so verwöhnt, dass sie sich keine grosse Mühe mehr geben müssten, um ihre Lokale zu füllen. Zum Glück gibt es Ausnahmen. Etwa den charmanten «Canvetto Luganese» oder eben den «Bottegone del Vino». Dieser steht an einer unscheinbaren Kreuzung mitten im Gewühl. Die Einrichtung ist schlicht: An der einen Wand steht ein langes Gestell, dessen Regale sich unter den vielen Weinflaschen leicht wölben. Den Kopf des Raums schmückt ein klassischer italienischer Tresen – rundherum geht es hektisch zu und her, als wäre man in einem Bienenhaus. Der Gast nimmt Platz, wo gerade ein Stuhl frei geworden ist. Sei es an einem der Vierertische oder an der langen Tafel, wo man schnell mit dem Nachbarn ins Gespräch kommt.

Einfach speziell. Eine Karte gibt es nicht, das Angebot steht auf einer Schiefertafel oder wird den Gästen – ­inklusive aller Details, Tipps und Anekdoten – vom Kellner vorgetragen. Täglich stehen vier oder fünf Menus zur Auswahl, am Abend kommt noch ein Fünfgänger dazu.

Das Essen ist italienisch, klassisch verwurzelt und ­modern geschmückt. Der Schweinebraten wird als kaltes Antipasto mit einer aromatischen Kuvertüre aus Tomaten und rohen Artischocken serviert, die Tintenfisch-Pasta an einer Broccoli-­Curry-Sauce, und das Misto di Carne kommt mit einer zünftigen Portion Polenta auf den Tisch, nachdem es stundenlang in einer Balsamico-­Reduktion geschmort hat. Einfach und trotzdem speziell.

Dazu könnte man eine Flasche Wein bestellen. Könnte. Hier lohnt es sich aber ganz besonders, das Konzept des Chefs Savino Angioletti – «Zu jedem Gang ein anderer Wein» – auszuprobieren. Das besagte Regal fungiert nämlich als «Bibliothek der Tessiner Gewächse». Neben den grossen Namen wie Tamborini oder Zannini sind viele junge, weniger bekannte Winzer aus der Region zu entdecken. Wer die versierten Camerieri fragt, ist zu hundert Prozent gut beraten. Und wer keine Tessiner Weine mag, kann auf das ebenfalls schön zusammenge­stellte italienische Angebot ausweichen.

  • Was man unbedingt essen sollte: Ein Stück Mortadella –
    die verschmähte Wurst schmeckt hier göttlich.
  • Zeit vom Platznehmen bis zum ersten Bissen: Eine kurzweilige
    Viertelstunde.
  • Diskretionsfaktor: Gleich null. Dafür ist man weit weg vom Alltagstrott.

Ristorante Bottegone del Vino
Via Magatti 3, Lugano
Tel. 091 922 76 89
Montag bis Samstag 11.30 bis 24 Uhr offen, Sonntag geschlossen.

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