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Balz Stückelberger hat die Vision einer Gondelbahn von Aesch BL nach Liestal BL. Das Projekt ist eine Alternative zu einem Strassentunnel.
Mit diesem Retro-Bild wollen die Visionäre die Seilbahn schmackhaft machen.
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Urbane Seilbahnen wecken in der Schweiz Gelüste. Immer wieder liebäugeln Visionäre mit grossen Projekten. Jetzt auch im Baselbiet. An diesem Donnerstag stellt FDP-Landrat Balz Stückelberger (53) in seiner letzten Landratssitzung die Idee «Jurasteg» vor. Der Basler Architekt Rolf Stalder hat das Konzept für ihn ausgearbeitet, wie die «Basler Zeitung» zuerst berichtet hat. Die Vision: eine Luftseilbahn zwischen Liestal BL und Aesch BL, die über den Berg Gempen im Kanton Solothurn führt.
Blick liegen die Pläne des Projektes vor. Architekt Stalder schwebt eine sogenannte Dreiseilbahn vor. Konkret: Eine Gondel rollt dabei auf zwei Tragseilen und wird von einem dritten Seil gezogen. In der Schweiz kommen solche Bahnen unter anderem in Saas-Fee VS, Zermatt VS und der Jungfrauregion zum Einsatz. Das System funktioniert mit grösseren Kabinen. Für den «Jurasteg» könnten Gondeln mit einer Kapazität von 30 bis 35 optimal sein – mit genügend Platz für Kinderwagen und Velos. Zudem können solche Seilbahnen auch bei stärkerem Wind fahren.
Gemäss Stalders Berechnungen braucht es für die Linie Liestal–Aesch 95 bis 105 Kabinen. Damit könnten 4200 Personen pro Stunde und Richtung transportiert werden. Pendler brauchen für die 10 Kilometer lange Strecke zwischen 20 und 23 Minuten. Heute dauert dieselbe ÖV-Strecke über Basel je nach Verbindung mehr als doppelt so lange.
Mit diesem Retro-Bild wollen die Visionäre die Seilbahn schmackhaft machen.
PDFür eine Visualisierung sei es gemäss Architekt Rolf Stalder noch zu früh.
PDDie Mega-Seilbahn soll Aesch BL und Liestal BL verbinden.
PDBalz Stückelberger präsentiert die Vision heute dem Landrat.
KeystoneAuch in Luzern ist eine Stadt-Seilbahn auf dem Vormarsch.
PDDie Vision sieht auch eine Art Mittelstation auf dem Gempen vor. «Dann könnte man das touristische Potenzial des Basler Hausbergs gleich mit dem Nutzen für Pendlerinnen und Pendler verbinden», so Stalder zur Zeitung. Kosten würde das Mega-Projekt schätzungsweise zwischen 340 bis 415 Millionen Franken. Eine langsamere Einseilumlaufbahn mit weniger Kapazität braucht Investitionen von 190 bis 240 Millionen.
Das Baselbiet diskutiert schon seit Jahrzehnten, wie die beiden Kantonsteile besser verbunden werden könnten. Dabei liegt aktuell eine Initiative vor, die eine direkte Strassenverbindung fordert – also ein Tunnel unter den Gempen durch. Stalder verweist in seiner Vision darauf, dass eine solche, mehrheitlich unterirdische Strasse 2 bis 3 Milliarden kosten könnte. Die Seilbahn wäre also eine vergleichbar günstige Lösung.
Projekte für spektakuläre Seilbahnen tauchen – im In- und Ausland – regelmässig auf. In Paris öffnete Mitte Dezember die längste urbane Seilbahn Europas. Wenige Tage später nahm in Luzern die geplante Stadt-Seilbahn die nächste Hürde. Eine Machbarkeitsstudie zeigte auf, dass das Projekt technisch umsetzbar ist. Geplant ist eine Gondelbahn vom Autobahnanschluss Emmen Süd direkt in die Luzerner Altstadt. Herzstück des 190-Millionen-Projekts ist ein über einen Kilometer langer Tunnel.
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Auch für den Gotthard gibt es luftige Träume. Privatinvestoren planen ein neues Seilbahnnetz rund um den Gotthardpass. Die Anlage soll Airolo TI mit der Passhöhe und dem Gemsstock verbinden – mit direktem Anschluss ans Skigebiet Andermatt UR. Zusätzlich ist eine zweite Linie Richtung Realp UR vorgesehen.
Neue Seilbahnen sind im Trend, weil sie in den Städten ein attraktives Verkehrsmittel und in den Bergen ein Boost für den Tourismus sind. Trotzdem haben es solche Ideen oft schwer. Das Hauptproblem: Oft formieren sich Gegner, es hagelt Einsprachen. Denn bei Seilbahnen müssen zahlreiche Grundeigentümer zustimmen, wenn die Bahn über ihr Grundstück führt. Viele Anwohner sehen dadurch ihre Privatsphäre gefährdet.
Entsprechend sind hierzulande schon so einige Seilbahn-Ideen gescheitert. 2023 platzte ein Gondelbahn-Traum in Solothurn, weil die Regierung das Projekt ablehnte. Und ein Jahr zuvor war die Idee einer Seilbahn über den Zürichsee als Geschenk der ZKB an die Stadt zu ihrem 150-Jahr-Jubiläum endgültig Geschichte.
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