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Junge Mode, grosse Vision

Eine junge Generation von Designern drängt in die Modewelt

Mit nachhaltigen Konzepten und aufregenden Impulsen brechen die Neuzugänge mit Konventionen und definieren Stil neu. Wer sind sie?

Sara Allerstorfer

<p>Hodakova: Eine starke Erzählweise und handwerkliches Können zeichnen die Gewinnerin des LVMH-Preises 2024 aus.</p>

Hodakova: Eine starke Erzählweise und handwerkliches Können zeichnen die Gewinnerin des LVMH-Preises 2024 aus.

ZVG

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Während in den grossen Luxuskonzernen das Sesselrücken bei den Kreativdirektoren weitergeht, drängt sich zusehends die Frage auf: Ist es überhaupt noch spannend, die immer gleichen Produkte von den immer gleichen Designern bei Luxusmarken zu erstehen? Hört man genau hin, ist insbesondere bei einer jungen Generation wieder von Individualität anstelle von Status die Rede. Wer eine neue Ästhetik sucht, schaut in die Nische, wo sich Designer und Marken mit eigenwilliger Handschrift und starken Visionen zu etablieren beginnen.

Die Alchemistin der Mode

Die Schwedin Ellen Hodakova Larsson gründete ihre Marke 2021 aus dem Wunsch heraus, Secondhand-Materialien in einzigartige Kleidungsstücke zu verwandeln. Im Mittelpunkt dieser neuen Couture, die Mode als eine Form moderner Alchemie erforscht? Alltägliche Materialien. Dabei behandelt Larsson, die einen Hintergrund als Bildhauerin hat, ihre Entwürfe wie 3D-Puzzles. So entstehen surrealistisch anmutende skulpturale Silhouetten, die zwischen funktionell und experimentell liegen, wie etwa Kleider aus Reissverschlüssen und Gürteln, Tops aus Silberlöffeln und Röcke aus Ölgemälden. Alte bestickte Geschirrtücher finden als Top-Rock-Kombi neues Leben. «In meinen Entwürfen spiegelt sich meine Kindheit wider, in denen sich Natur und Erinnerung verflechten. Jedes Stück trägt die Intimität vertrauter Landschaften und Materialien, die mich einst umgeben haben», sagt die Designerin. Jede Trägerin und jeder Träger ist eingeladen, sich auf die Geschichten einzulassen, die in die Kleidungsstücke eingewoben sind.

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Erbe, neu definiert 

Die Designerin Rachel Scott erzählt mit karibischer Seele. 1984 in Kingston, Jamaika, geboren, begann Scotts Reise in die Welt der Mode über ein Kunst- und Literatur-Studium an der Colgate University, bevor sie sechzehn Jahre lang ihr Modewissen in Mailand und New York verfeinerte. 2021 gründete Scott Diotima – hier spielen handwerkliches Können und kultureller Dialog perfekt zusammen. Die aktuelle Kollektion basiert auf handgefertigten Häkelarbeiten, die in Jamaika entstehen. Die Entwürfe weisen oft unerwartete Texturen auf – von Makramees bis hin zu geschmolzenen Pailletten, die das Innere von Austernschalen nachahmen. «Mit Diotima möchte ich eine verführerische, nuancierte Vision des karibischen Stils präsentieren, die in die Zukunft blickt und gleichzeitig in der Geschichte und meiner Erfahrung als Jamaikanerin verankert ist», sagt Scott.

<p>Diotima: Die sinnlichen Kleider zelebrieren jamaikanisches Handwerk und New Yorker Coolness.</p>

Diotima: Die sinnlichen Kleider zelebrieren jamaikanisches Handwerk und New Yorker Coolness.

Diotima
<p>Diotima: Die sinnlichen Kleider zelebrieren jamaikanisches Handwerk und New Yorker Coolness.</p>

Diotima: Die sinnlichen Kleider zelebrieren jamaikanisches Handwerk und New Yorker Coolness.

Diotima

Steven Stokey-Daley hat sich mit seinen dekonstruierten Interpretationen britischer Herrenmode, die Nostalgie mit modernem Rebellentum vereint, einen Namen gemacht. Jetzt erweitert er seine Arbeit um eine Kollektion für Frauen. Die für S. S. Daley typischen Elemente bleiben: Anspielungen auf die britische Aristokratie und skurrile Motive wie Jagdhunde sind da nur die Spitze der Nadel. Die Kollektion spielt mit maskulinen Codes – übergrossen Blazern, weiten Hosen und akzentuierten Tailoringdetails –, während sie gleichzeitig eine poetische, fast zarte Sinnlichkeit einführt. Etwa bei jenem Look, bei dem ein strenges Herrenhemd zu einem Bleistiftrock aus Perlen getragen wird, dessen Blumenmuster wie ein Kreuzstich wirkt. Plissee-Unterröcke umspielen raffiniert die Beine. Shorts aus Männerstoffen, durchscheinende Röcke und Tops verkörpern eine subtile Spannung zwischen maskuliner Strenge und femininer Leichtigkeit. Über allem schwebt stets exzentrische Britishness, die dem Label bereits seit seiner Gründung 2020 eigen ist. In der Schweiz ist S. S. Daley bei Tasoni in Zürich erhältlich, ebenso wie Marie Adam-Leenaerdt.

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<p>S.S. Daley: Maskulin trifft auf feminin trifft auf britische Exzentrik. Der Will-Haben-Faktor bleibt dabei hoch. </p>

S.S. Daley: Maskulin trifft auf feminin trifft auf britische Exzentrik. Der Will-Haben-Faktor bleibt dabei hoch. 

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<p>S.S. Daley: Maskulin trifft auf feminin trifft auf britische Exzentrik. Der Will-Haben-Faktor bleibt dabei hoch. </p>

S.S. Daley: Maskulin trifft auf feminin trifft auf britische Exzentrik. Der Will-Haben-Faktor bleibt dabei hoch. 

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Minimalismus mit Tiefe

In der Tradition der belgischen Mode bewegt sich die Designerin Marie Adam-Leenaerdt. Die Absolventin der Kunstakademie Cambre in Brüssel arbeitete bei Balenciaga und Givenchy, bevor sie 2023 ihr eigenes Label gründete. Mit ihrer intellektuellen Herangehensweise hat sie sich schnell als eine der spannendsten neuen Stimmen etabliert. Sie spielt mit Volumen, asymmetrischen Schnitten und raffinierten Drapierungen, die scheinbar vertraute Kleidungsstücke in eine völlig neue Dimension heben. Ihre Entwürfe, die Trends negieren und Bestand haben wollen, sind reduziert, aber nie simpel – sie fordern den Blick heraus, indem sie klassische Schneiderkunst mit bewusst unkonventionellen Proportionen brechen. Multifunktionalität ist ihr roter Faden: Röcke können in Mäntel, Kleider oder Taschen umgewandelt werden, Stiefel haben bisweilen einen abnehmbarem Schaft.

<p>Marie Adam-Leenaerdt: Konzeptmode auf die elegante Art: minimalistisch, aber stets mit subversiver Note. </p>

Marie Adam-Leenaerdt: Konzeptmode auf die elegante Art: minimalistisch, aber stets mit subversiver Note. 

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<p>Marie Adam-Leenaerdt: Konzeptmode auf die elegante Art: minimalistisch, aber stets mit subversiver Note. </p>

Marie Adam-Leenaerdt: Konzeptmode auf die elegante Art: minimalistisch, aber stets mit subversiver Note. 

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Mode als zeitgemässe Alltagsuniform setzt die niederländische Marke Róhe seit 2021 konsequent um. Marieke Meulendijks und Maickel Weyers setzen auf unerwartete Details und kompromisslose Qualität. «Die Kollektion hat gegenwärtig eine hohe Relevanz aufgrund ihrer modernen, eleganten und zeitlosen Styles, die nie langweilig sind», sagt Laurence Antiglio, die Róhe neu in ihren Vestibule-Stores verkauft. «Ich mag ihren nachhaltigen Approach – unter anderem recycelte Materialien.» Hinzu kommt ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Im Amsterdamer Studio, das sich in einem Haus aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts befindet, kommen Kunst, Kulturerbe, Architektur, Handwerk und Mode aufs Schönste zusammen.

Dieser Beitrag erschien im März 2025 im Bolero Magazin und wurde repuslished. 

<p>Róhe: Die Designer arbeiten an einer Garderobe, bei der jede Kollektion die vorhergehende ergänzt. </p>

Róhe: Die Designer arbeiten an einer Garderobe, bei der jede Kollektion die vorhergehende ergänzt. 

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<p>Róhe: Die Designer arbeiten an einer Garderobe, bei der jede Kollektion die vorhergehende ergänzt. </p>

Róhe: Die Designer arbeiten an einer Garderobe, bei der jede Kollektion die vorhergehende ergänzt. 

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Über die Autoren
Sara Allerstorfer
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