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Valley View 
Bitcoin: Boom oder Bubble?

Christian Simm: Executive Director der Swissnex, San Francisco (Bild: ZVG).

Durch die Schliessung des virtuellen Schwarzmarktes Silk Road prophezeiten viele den Untergang der digitalen Währung Bitcoin. Doch ihre Kursentwicklung zeigt nun ein ganz anderes Bild.

Von Christian Simm
01.11.2013

Viele prophezeiten kürzlich den Untergang der digitalen Währung Bitcoin, als die Schliessung des virtuellen Schwarzmarktes Silk Road für Schlagzeilen sorgte. Doch Bitcoin’s Kursentwicklung zeigte seither ein ganz anderes Bild. Nun lauert die Gefahr möglicherweise ganz woanders.

Der 1. Oktober 2013 könnte als schwärzester Tag in die Geschichte der digitalen Währung Bitcoin eingehen. In einer öffentlichen Bibliothek in San Francisco verhaftete das FBI Ross Ulbricht, den Drahtzieher des Schwarzmarktes Silk Road, einer virtuellen Plattform für den Drogenhandel. In den letzten zwei Jahren verkauften mehrere Tausend Nutzer illegale Substanzen auf Silk Road im Wert von 1.2 Milliarden Dollar.

Der Betrieb der Plattform brachte Ross Ulbricht laut Ermittlern ein Vermögen von 80 Millionen Dollar ein. Da Silk Road nur Bitcoins akzeptierte, beisst sich das FBI seither an der Beschlagnahmung des Geldes die Zähne aus. Und Bitcoin gelang damit ungewünscht in einen Sog von negativen Schlagzeilen. Dabei steckt hinter der Währung weit mehr als ihr Ruf, illegale Geschäfte wie Drogenhandel und Geldwäscherei zu erleichtern.

Wie werden Bitcoins produziert?

Die Idee einer digitalen Währung wurde 1998 erstmals in einem Online-Forum diskutiert. Im Januar 2009 produzierte ein Entwickler mit dem angeblichen Namen Satoshi Nakamoto den ersten Bitcoin. Seine Motivation war die Erschaffung einer unregulierten Währung, immun gegen die Einflüsse von Banken und Politik. Eine Währung für alle !

Doch wenn keine Regierung und damit keine Bank hinter der Währungsproduktion steckt, wie werden neue Bitcoins „gedruckt“? Das Prinzip ist ähnlich wie beim Goldabbau: jeder wird zum Goldgräber, indem er mit spezieller Software komplexe mathematische Aufgaben löst und so neue Bitcoins produziert. Je mehr produziert wird, desto schwieriger werden die Aufgaben. Die Produktion wird bei 21 Millionen Bitcoins gestoppt, dies wird 2140 der Fall sein. Momentan sind über 11 Millionen Bitcoins (BTC) im Umlauf mit einem gegenwärtigen Wert von 2.5 Milliarden Dollar.

Wer keine Bitcoins produzieren will, kann sie derzeit auf zahlreichen Internetseiten wie beispielsweise Coinbase.com kaufen.

Die Vorteile: Billig und Effizient

Frei von Einflüssen durch politische Geschehnisse kann Bitcoin einen sicheren Hafen für Ersparnisse bieten. Für Betroffene der Eurokrise könnte Bitcoin die nächstbeste Alternative zur Matratze und dem Schweizer Franken sein.

Ein weitaus edlerer Vorteil ist die Verfügbarkeit. 2.5 Milliarden Menschen haben keine Möglichkeit, ein Bankkonto zu erstellen, oder auf andere Finanzdienstleistungen zuzugreifen, um Geld anzulegen oder Transaktionen zu tätigen. Jeder mit einem Internetzugang kann aber genau das mit Bitcoins erledigen.

Auch wenn die Unabhängigkeit von Politik und Banken und der freie Zugang die Gründe für die Erschaffung von Bitcoin zu sein scheinen, sind jedoch heute andere Vorteile für den Erfolg der Währung verantwortlich. Transaktionen sind effizient und fast gebührenfrei, ein Trumpf in den goldenen Zeiten des E-Commerce.

Doch es ist nicht alles Gold was glänzt, und so hat auch Bitcoin seine Nachteile. Transaktionen können nicht rückgängig gemacht werden, und digitale Portemonnaies mit Bitcoins sind nicht versichert. Zudem schwankt die Währung stark.

Startups rund um Bitcoin

Zahlreiche Startups tummeln sich in der Welt von Bitcoin, und versuchen mit den niedrigen Gebühren und der Effizienz der Währung Profit zu schlagen. Allen voran Coinbase, ein Bitcoin-Startup, in das bis dato mit 5 Millionen Dollar die höchste Summe investiert wurde. Coinbase ist ein sogenanntes Bitcoin Wallet, lässt Nutzer also Bitcoins kaufen und verkaufen. Ein weiteres Bitcoin-Startup ist Ripple, das neben einem Wallet auch das Leihen von Geldern an andere Nutzer ermöglicht.

Bitwall, neben Ripple ein weiteres Bitcoin-Startup aus San Francisco, hat sich zum Ziel gesetzt, die Paywall von digitalen Verlagen zu revolutionieren. Sogenannte Micropayments für Zeitungsartikel sind heute aufgrund von verschiedenen Faktoren, mitunter hohen Kreditkartengebühren, nicht realistisch. Doch dank Bitcoin ist es heute möglich, für wenige Cents einen Artikel zu lesen, ohne das mühsame Erstellen eines Nutzerkontos auf der Verlagswebsite oder hohen Gebühren für die Bezahlung mit Kreditkarte.

Die Liste der Geschäftsideen rund um Bitcoin ist lang, und erstreckt sich auch auf nicht-virtuelle Geschäftsideen: der erste Geldautomat für Bitcoins wird demnächst ausgeliefert.

Staatsfeind Nummer 1 ?

Mit dem Aufschwung von Bitcoin als Zahlungsmittel wächst das Potenzial, etablierte Industrien wie die Bankenindustrie oder Kreditkartenbetreiber vom Podest zu stossen, und den Einfluss von Regierungen auf den Kapitalmarkt stark zu beschneiden. Ökonomen wie Simon Johnson von der Sloan School of Management am MIT raten Bitcoin daher, sich für diesen Kampf zu wappnen. Speziell im Hinblick auf die Geschehnisse von Anfang Oktober ist es ratsam, dass Bitcoin sich im besten Licht zeigt und Lobbyisten proaktiv entgegen kommt. Für Simon Johnson bietet Bitcoin den USA die einzigartige Möglichkeit, die Innovationskraft des Landes zu stärken, indem sie auf die neue Entwicklung setzt und Regeln für die Währung erstellt.

Denn entgegen negativer Schlagzeilen rund um Bitcoin und den Spekulationen um dessen Ende könnte es tatsächlich der Wendepunkt einer neuen Entwicklung sein. Am selben Tag, an dem Silk Road ein jähes Ende gesetzt wurde, veröffentlichte Reuters einen Bericht über den Boom von Bitcoin. Die Venture Capital Investitionen in Bitcoin Startups waren in den vergangenen Monaten so hoch wie nie. Als wäre nichts gewesen, schnellte zudem der Kurs nach einem Einsturz zum zweiten Mal in der Geschichte der  Währung über 200 Dollar. Ob Bitcoin zu einer weiteren Bubble wird oder gar zu einem Boom, wird sich wohl erst in einiger Zeit zeigen.


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Mitarbeit: Julia Kuhn.

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