Guten Tag,
Kräftig fallende Zinsen und ein Soft Landing der US-Wirtschaft? No way!
Happy New Year?: Thomas Jordan (l.), Jerome Powell und Christine Lagarde bestimmen die Richtung an den Börsen. 2024 pumpen sie wohl wieder mehr Geld in das System.
SymptomBis 1986 war im Postal Square Building die Hauptpost von Washington, D.C., untergebracht. Nachrichten aus der Machtzentrale gingen von dort in alle Welt. Seither residiert in dem weissen Prachtbau unweit des Kapitols das U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS). Heute werden von dort Meldungen verbreitet, die den gesamten Finanzmarkt bewegen. Am 14. November gab das BLS für Oktober einen etwas stärkeren Rückgang der Teuerung in den USA bekannt, als erwartet worden war: von 3,7 auf 3,2 Prozent. Broker, Vermögensverwalter und private Anleger atmeten auf – Ökonomen und Analysten fingen an zu rechnen. Die Stimmung an den Märkten begann zu drehen.
«Der 14. November war ein besonders wichtiger Tag. Seither wissen wir, dass die langfristigen Zinsen sinken», sagt Frédéric Leroux, Chef des Cross-Asset-Teams von Carmignac. Für die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) sind die Verbraucherpreise gemeinsam mit dem Arbeitsmarkt die Richtschnur für die Zinspolitik – und die Zinsen bestimmen auch 2024 massgeblich, wohin die Reise an den Finanzmärkten geht. «Die Geopolitik steht im Mittelpunkt, aber für die Märkte ist entscheidend, was mit den Zinssätzen geschieht», weiss Samy Chaar, Chefökonom von Lombard Odier.
Mit den ermutigenden Inflationsdaten wurden die Karten an den Finanzmärkten neu gemischt. Keine vier Wochen zuvor war die Rendite bei zehnjährigen US-Treasuries, dem ultimativen sicheren Hafen der Welt, erstmals seit 2007 auf mehr als fünf Prozent gestiegen. «Im Oktober hatte man noch Angst, dass die Inflation durch den harten Arbeitsmarkt nicht weggeht und die Zinsen zu niedrig sind. Ein paar Wochen später reden alle nur noch darüber, wann die erste Zinssenkung kommt», so Björn Jesch, Chefanleger bei DWS.
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