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Die steigenden Zinsen schlugen auf dem Immobilienmarkt ein wie ein Blitz. Das knappe Angebot schützt vor dem Crash – aber nicht vor einer Korrektur.
BESORGT Mit der Euphorie ist es am Schweizer Immobilienmarkt vorbei. Zinsen und eine drohende Rezession verbreiten Sorgen.
Michael Raaflaub für BilanzBevor sie in die Ferien geht, wird Daniela Vetsch gerufen. Noch diese Woche soll die Chefin von Exklusiv Immobilien das Haus am Zürichsee begutachten und den Verkauf nach vorne treiben. Die neue Kundschaft will die Immobilie versilbern, und zwar jetzt. «Die Stimmung hat gedreht, die Leute sind besorgter», sagt Vetsch.
Jetzt, da die Zinsen gestiegen sind, geht die Angst vor einer Korrektur am Schweizer Immobilienmarkt um – einem Markt, der seit Jahrzehnten nur Zuwächse kennt, in dem sich die Preise alleine in den vergangenen zehn Jahren verdoppelten. Ein gewaltiges Erdbeben rüttelte die Besitzer von Betongold am 16. Juni wach, ausgelöst von SNB-Chef Thomas Jordan, der den Leitzins unerwartet früh und mit 50 Basispunkten unerwartet hoch nach oben schraubte. Der Markt preiste weitere Zinsschritte ein. Zehnjährige Hypotheken, die vor Kurzem noch für etwas mehr als ein Prozent zu haben waren, schossen in Richtung der drei Prozent. Die ruhigen und goldenen Zeiten am Schweizer Immobilienmarkt scheinen mit einem Schlag vorbei zu sein.
«Der Markt realisiert, dass sich einiges fundamental am Ändern ist», sagt Fredy Hasenmaile, Leiter Immobilienanalyse der Credit Suisse. Durch die höheren Kosten für die Hypothek ist in der Schweiz Mieten billiger als Kaufen – eigentlich der Standard, aber durch die Negativzinsen seit acht Jahren nicht mehr gültig. «Die Welt verändert sich. Viele sortieren sich neu», sagt Hasenmaile. Die Taschenrechner und Kalkulationsprogramme laufen heiss. Gerade bei den Profis fliesst die neue Realität in die Berechnungen ein.
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