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Mundtote Aktionäre

Viele Verwaltungsräte nutzen Corona, um Kritiker nicht zu Wort kommen zu lassen. Doch der Widerstand wächst.

Dirk Schütz

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Sprechverbot: Kein SMI-Konzern liess im letzten Jahr an der virtuellen Generalversammlung Fragen von Aktionären zu.

kornel.ch für BILANZ

Es war das letzte grosse Fest der Schweizer Aktionärsdemokratie. Am 28. Februar 2020, eine Woche nach den ersten Schockbildern aus Bergamo, versammelten sich die Eigner von Novartis zu ihrem Jahrestreffen.

Die St.  Jakobshalle in Basel war festlich geschmückt, und Präsident Jörg Reinhardt durfte genau 1189 Aktionäre begrüssen, die 59,09 Prozent der Stimmkraft vertraten, wie das Protokoll akkurat vermerkte. Die Abläufe nahmen ihren ritualisierten Gang. Ein gewisser Thomas Schuster von der Anlagegesellschaft Helaba kritisierte die zu tiefe Marge im Vergleich zum Rivalen Roche, Veronika Hendry von der Aktionärsgemeinschaft Actares monierte die intransparente Preisgestaltung beim Parademedikament Zolgensma, und ein gewisser Walter Grob lobte ausdrücklich das offerierte Frühstücksbuffet, dem die Aktionäre zuvor üppig zugesprochen hatten.

GV als Gradmesser für die Stimmung

Reinhardt und sein CEO Vas Narasimhan beantworteten die Fragen routiniert, und bei den Wahlen lief alles glatt: Sämtliche Traktanden des Verwaltungsrates wurden angenommen. Die stürmischen Zeiten, als sich Langzeit-Herrscher Daniel Vasella heftige Tiraden gegen sein Megasalär anhören musste und ihm sogar eine Abwahl drohte, sind längst Geschichte. Ein Gradmesser für die Stimmung an der Basis war die Generalversammlung aber allemal.

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