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Containerschifffahrt

Die Erfolgswelle der Reedereien bricht

Die Corona-Pandemie verwandelte die Containerschifffahrt in eine Industrie der Superlative. Aber die Gezeitenwende hat begonnen.

Weisses Viereck

Matthias Mehl

Kwai Tsing Container Terminals in der Nacht, Hong Kong

Über den Frachthafen Hongkongs wird ein grosser Teil des globalen Containerhandels abgewickelt.

Getty Images

Für hohe Boni sind eigentlich eher die Banken bekannt, wie die Diskussion um die Saläre bei der untergegangenen Credit Suisse zeigt. Doch die finanziellen Zusatzvergütungen, welche die Mitarbeiter der taiwanesischen Containerreederei Evergreen für das vergangene Geschäftsjahr erhielten, würden selbst am Zürcher Paradeplatz für Erstaunen sorgen: So durften die rund 3100 Evergreen-Angestellten Boni in der Höhe von zehn Monatsgehältern entgegennehmen. Je nach individueller Performance wurden einige Mitarbeiter gar mit bis zu 50 Monatsgehältern entlöhnt.

Solche exorbitanten Salärausschüttungen mögen verwundern – allerdings wurden am Evergreen-Firmenhauptsitz in Taipeh, anders als am Paradeplatz, in den vergangenen zwei Jahren ausschliesslich Rekordumsätze und -gewinne generiert. Der Umsatz stieg 2022 um fast 30 Prozent, der Gewinn nach Steuern fällt mit rund elf Milliarden gar fast 40 Prozent höher aus als ein Jahr zuvor. Damit stellt das Unternehmen keineswegs die Ausnahme in der Containerschifffahrt dar, sondern vielmehr die Branchenregel.

Ein Traum für Anleger

Der Branchenboom sorgte auch für Reibach in der Schweiz. So durfte sich Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, gebürtiger Hamburger mit Wohnsitz in Schindellegi SZ hoch über dem Zürichsee, über einen Milliardenzustupf für seine ohnehin schon vollen Kassen freuen. Denn der Mehrheitsbesitzer des Logistikkonzerns Kühne+Nagel ist seit mehreren Jahren auch Grossaktionär der in Hamburg ansässigen Frachtschifffahrtsgesellschaft Hapag-Lloyd, ihres Zeichens fünftgrösster Akteur in diesem Sektor.

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