Guten Tag,
Wie Thomas Jordan seinen Abgang von langer Hand plante – inklusive Nachfolgeregelung.
Nationalbank-Präsident Thomas Jordan (links) stellte die Weichen so, dass Martin Schlegel als sein Nachfolger de facto alternativlos ist.
Paolo Dutto, Thomas Meier / BlickAls Königsdisziplin der erfolgreichen Chefkarriere gilt gemeinhin der selbst gewählte Abgang. Den Termin frei entscheiden zu können, ohne Druck von oben und aussen, ist die ganz hohe Schule der Konzernwelt. Nur eine Steigerung ist noch möglich: auch noch seinen Nachfolger selbst zu bestimmen.
Da sass Thomas Jordan also, ganz allein. Normalerweise flankieren bei derartigen Anlässen die Vorgesetzten den Auftritt und säuseln die rituellen Elogen. Doch beim Rücktritt des langjährigen Nationalbank-Lenkers blieb Barbara Janom Steiner, als Präsidentin des Bankrats der Nationalbank die formal Jordan übergeordnete Instanz, genauso unsichtbar wie all die Jahre zuvor, sie durfte nur via Pressemitteilung von der «herausragenden Persönlichkeit» und ihrem «zutiefsten» Bedauern flöten. Auch die administrative Dienstherrin der Behörde, Finanzministerin Karin Keller-Sutter, wurde nicht gesichtet. Es war sein Entscheid – und sein Solo-Auftritt.
37 Minuten nahm er sich Zeit, doch zur entscheidenden Frage hielt er sich bedeckt: Wann er den Abschiedsentscheid getroffen habe. Mehr als ein «Nicht gestern» war ihm nicht zu entlocken. Aber ein Signal blitzte kurz auf: Die Herausforderungen der letzten Jahre – Covid, Ukraine-Krieg, CS-Krise – hätten «keinen Rücktritt zugelassen». Das klang fast so, als ob da jemand schon lange weggewollt hätte, aber die Pflicht eben vorgegangen sei. Jetzt, so die Botschaft, bin ich mal dran.
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