Mit einem Gutachten lässt sich die eigene Position noch besser verteidigen. Bis so viele Gutachten vorliegen, dass nichts mehr klar ist.
Florence Vuichard
Die Geschäfte des umtriebigen Ex-Raiffeisen-Lenkers Pierin Vincenz haben eine ganze Flut von Gutachten ausgelöst: Acht Stück sind es bis heute – unter anderem von Peter Forstmoser, Claudio Loderer und Bruno Gehrig. Auftraggeberin war meist die Raiffeisen, einmal Aduno und einmal die Finanzmarktaufsicht. Sophie Stieger / 13 Photo
Ganze 37 Seiten umfasst das Gutachten, das der Rechtsprofessor Peter Forstmoser 2009 erstellt hat. 37 Seiten, die aufzeigen, dass «das Verhalten» des damaligen Raiffeisen-Lenkers Pierin Vincenz «im Lichte der allgemeinen Sorgfalts- und Treuepflicht nicht zu beanstanden war». 37 Seiten – bestellt von Raiffeisen, zugunsten von Raiffeisen.
Konkret untersucht wurde in der besagten Expertise die Doppelrolle von Vincenz beim Kauf der Minifirma Commtrain Card Solutions durch die Raiffeisen-Tochter Aduno, sass doch der Banker als Raiffeisen-Chef und Aduno-Präsident sowohl im Käufer- als auch als heimlicher Commtrain-Mitbesitzer im Verkäufer-Lager. Weil sich Vincenz jedoch beim Deal «völlig passiv» verhalten habe, wie Forstmoser festhält, sei ihm nichts vorzuwerfen. Das war aber nur möglich, weil dessen Mitstreiter und heimlicher Commtrain-Co-Aktionär Beat Stocker als Aduno-Chef den Kauf pushte. Ein Umstand, der nicht durchleuchtet wurde.