Guten Tag,
Bernard Arnault prägt Frankreich wie kein anderer Unternehmer. Er hat aus Luxus ein Milliardengeschäft gemacht, ganze Branchen eifern ihm nach.
Lutz Meier
Im Juni 2023 zeigte der neue Men’s Creative Director von Louis Vuitton, Pharrell Williams, seine erste Kollektion in Paris – auf dem eigens für die Show geschlossenen Pont Neuf.
Getty ImagesLangsam schreitet er in den Saal. Auch leicht gebeugt überragt Bernard Arnault die meisten Umstehenden. Er ist grauer geworden, schmaler. Die wohlgebräunte Virilität, die der Mann einst ausstrahlte, ist gewichen. Dadurch sticht nun umso mehr das Majestätische des 74-Jährigen hervor: wie er jetzt hier bei der Hauptversammlung seines Luxuskonzerns LVMH in Paris mit stetem, aber knappem Lächeln Hände drückt und Worte wechselt. Einer, der kein Gewese macht. Aber seit Jahrzehnten nicht nur bei seinen Produkten, sondern auch für sich selbst und seine Familie weiss, wie sich Aura herstellt. Macht und ihre Ausübung auf die klassische Art: Er hält die Hand des Gegenübers einen Moment, wendet sich dabei schon dem Nächsten zu.
So ist Arnault auf den ersten Blick schon eine Gegenfigur zu Elon Musk, jenem überdrehten Tech-Milliardär, den der Franzose zu Jahresbeginn von der Spitze der Rangliste der reichsten Menschen der Welt verdrängt hat. Dort der hibbelige Disruptor kalifornischer Machart, hier die Renaissance des alten europäischen Patrons.
Doch wer so denkt, blickt nur auf die Form. Hinter der aber ist auch Arnault ein Umstürzler, der von aussen kam und aus der alten Welt edler Manufakturen eine globale Cashmaschine baute, die im Konsumgüterbereich ihresgleichen sucht. Ein Mann, der aristokratische Manieren gekonnt einsetzt, um weiterzukommen – auch mit Mitteln, die nicht zum distinguierten Auftritt passen. Es ist eine andere, stillere Disruption als bei Musk. Aber gesamtwirtschaftlich ist sie kaum weniger wirkmächtig.
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