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Seit dem CS-Kauf ist UBS-Präsident Colm Kelleher der wichtigste Mann im Swiss Banking. Wer ist der Ire mit einem Faible für Historie?
FAIBLE FÜR HISTORIE: Eigentlich wollte Kelleher Geschichtsprofessor werden – seine Exkurse sind legendär.
Michael BucherDer Jakobsweg ist eine Erfahrung der besonderen Art. 820 Kilometer erstreckt er sich bis nach Santiago de Compostela, der meistbegangene Pilgerweg der Welt im Norden Spaniens ist für Katholiken längst zu einer Modestrecke geworden, die Päpste, Schauspieler und Schriftsteller beschritten haben, von Johannes Paul II. bis zum brasilianisch-schweizerischen Esoterik-Granden Paolo Coelho.
Einige Monate nach seinem Ausscheiden bei einem der mächtigsten Geldhäuser der Welt begab sich auch ein irischer Katholik namens Colm Kelleher auf den Weg. Die Pilgerreise war auch ein Versprechen an seine tiefgläubigen Eltern. Begleitet von seinem Bruder, auch er sehr gläubig, lief er mehr als einen Monat durch die karge Landschaft. Ganz auf Luxus wollte er jedoch nicht verzichten: Der Whisky-Liebhaber mischte sich abends schon mal seinen Jim Beam mit Wasser und gönnte sich, soweit möglich, auch ein Einzelzimmer mit Dusche. So viel Lebensqualität musste sein für einen Banker, der lange mehr als 20 Millionen Dollar pro Jahr verdient hatte.
Spirituelle Erfahrungen blieben zwar aus, aber immerhin reifte in Colm Kelleher ein Entschluss: Er wollte wieder arbeiten. «Ich vermisse meinen Job viel weniger, als ich dachte», hatte er nach seinem Abschied noch der «Financial Times» berichtet. Doch es kribbelte wieder. Knifflige Entscheidungen treffen, mit Kollegen über die geliebten Märkte philosophieren, vom privilegierten Informationsfluss an den Schalthebeln eines Finanzmultis profitieren: Das hatte er doch sehr vermisst. Es fehlte nur das richtige Angebot.
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