Guten Tag,
Reicht die grösste Umweltkatastrophe der USA, um die Menschheit vor langfristig Schlimmerem zu bewahren?
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Es zischt, es riecht und es zählt. Ein Tankstellenbesuch war für viele Schweizer in den letzten Jahren wohl der direkteste Kontakt mit dem Rohstoff Erdöl. Vor gut zwei Monaten jedoch rückte Erdöl mit dem Untergang der Förderplattform Deepwater Horizon schlagartig erneut in unser Bewusstsein. Eine frei sprudelnde Quelle mitten im Golf von Mexiko brannte den Rohstoff und insbesondere dessen Umweltwirkung in das Gedächtnis der modernen Gesellschaft ein. Denn für einmal sind es nicht geschmack- und farblose Emissionsgase, sondern eine zähflüssig braune Masse, die den unmittelbaren Schaden in der Umwelt sichtbar macht.
Die Auswirkungen von Deepwater Horizon sind unbestritten verheerend. Und doch ist man verführt zu sagen, dass es vielleicht ein solches Ereignis gebraucht hat. Ist diese visualisierte Katastrophe der benötigte Initiator für einen ebenso sichtbaren Wandel hin zum bewussten Umgang mit Ressourcen, insbesondere mit dem Energieträger Erdöl?
Fakt ist, dass Wirtschaft und Politik vor dem Hintergrund der Gewinn- und Wohlstandsmaximierung seit Jahren die Problematik der limitierten Ressourcen auf diesem Planeten verkennen. Das Beispiel Erdöl zeigt, dass durch den unkontrollierten Hunger der globalen Industrialisierung Rohstoffe verschlungen werden, ohne über deren zukünftigen Wert zu sinnieren.
Strategie? Fehlanzeige. Auch wenn mit den Klimaprotokollen der Drang zu einem reduzierten individuellen Erdölkonsum besteht, ist dies vorerst die Perspektive der Emissionen und nicht der Ressourcen. Eine Anzahl von Agrarprodukten sind denn auch nur ein paar Beispiele auf einer langen Liste von Produkten, welche durch ihren strategielosen Verbrauch ähnlich weit reichende Konsequenzen auf unser Zusammenleben auf diesem Planeten haben werden. Bleibt zu hoffen, dass Deepwater Horizon tatsächlich einen kleinen Lichtpunkt an den langfristigen Horizont des Ressourcenverbrauchs setzt.
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