Guten Tag,
Das erste Semester der Wirtschaftswissenschaften - Gedanken zu Lerneffizienz und Opportunitätskosten des kritischen Hinterfragens.
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Von Sören Platten
«Aha, so ist das also!» Einen Monat nach Semesterbeginn sind die ersten Schritte auf dem inhaltlichen Neuland gemacht. Eine Fülle von Daten und Modellen ist noch zu bewältigen, und die ersten Prüfungen zeichnen sich am Horizont ab.
Wissen wird da schnell zur quantifizierbaren Menge. Möglichst viel rein in den Kopf, in möglichst kurzer Zeit. In unerschütterlicher Effizienz wendet manch einer das «Copy and Paste»-Prinzip gleich bezüglich der allgemein herrschenden Lehrmeinung an. Da sollte man von angehenden Verantwortungsträgern, denen die Gesellschaft hohe Einstiegsgehälter in Aussicht stellt, eigentlich mehr erwarten.
Das BWL-Lehrbuch weiss, was Unternehmen sind: Zweckgebilde zur Vermehrung des eingesetzten Kapitals. Zweifellos richtig. Aber ist das die ganze Wahrheit? Welchen Stellenwert haben das Erzeugen von Werten, das Schaffen von Arbeitsplätzen und das Erwirtschaften gesellschaftlichen Wohlstandes? Prioritätensetzung ist immer auch Wertung. Und an ihr kommt keiner von uns vorbei.
Oft geht es in den Wirtschaftswissenschaften abstrakt zu. Manchmal ist es schwer, den einzelnen Menschen hinter den Zahlenmodellen zu erkennen.
Vor ein paar Monaten habe ich in Hamburg Einkäufe erledigt und Geld abgehoben. Ein junger Mann in Arbeitskleidung kam mir aus dem Schalterraum der Filiale entgegen. Sein Blick liess erahnen, dass die Automaten ihm nichts Gutes verheissen hatten. Er vermittelte nicht den Eindruck, als würde er weniger arbeiten als der durchschnittliche Student. Trotzdem schienen in diesem Augenblick Welten zu liegen zwischen seiner Situation und der Leichtigkeit des Campus-Alltags. Und das obwohl am Ende des Tages das Produkt seiner Arbeit handfest und greifbar sein dürfte. Im Gegensatz zu uns angehenden Akademikern.
In Momenten wie diesen wird deutlich, was für einen Vorschuss uns die Gesellschaft gewährt. Und dass wir dieses Privileg zurückzahlen müssen. Nachhaltiges Wachstum und die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation aller Menschen sind würdige Zielkoordinaten für die New Generation. Ein Studium der Betriebs- oder Volkswirtschaft ist dafür sicherlich nicht die schlechteste Grundlage.
Geschäftsprozess, Reingewinn, Strukturoptimierung – entsprechende Daten und Fakten werden uns in den kommenden Monaten um die Ohren fliegen. «Wie stehe ich dazu?» Nur wer sich diese Frage stellt, existiert wirklich in Freiheit.
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