Guten Tag,
Bei spektakulären Strafprozessen, Verantwortlichkeitsklagen, aber auch bei Scheidungen: Selbst Anwälte brauchen manchmal einen Anwalt.
Monica Fahmy
Kaufverträge, Mietprobleme, Scheidungen, Sorgerechts- und Erbstreitigkeiten: Anwälte wenden sich nicht nur in spektakulären Fällen an ihresgleichen.
Getty Images/EyeEm«Ein schmutziges Urteil in einem schmutzigen Verfahren!»: Eckart Seith, Wirtschaftsanwalt aus Stuttgart, fand am 11. April 2019 am Bezirksgericht Zürich deutliche Worte. Das Urteil, das ihn empörte, betraf nicht einen seiner Klienten. Es betraf ihn selbst.
In Deutschland ein gefeierter Whistleblower, in der Schweiz wegen Verletzung des Bankgeheimnisses und Wirtschaftsspionage angeklagt, dies war kurz zusammengefasst die Situation, in der Seith sich letztes Jahr wiederfand.
Der Anwalt hatte einen Angestellten der Bank J. Safra Sarasin dazu gebracht, ihm interne Bankdokumente auszuhändigen. Mit denen wollte er beweisen, dass die Bank seinen Klienten, den deutschen Drogerieunternehmer Erwin Müller, bei Cum-Ex-Geschäften schlecht beraten hatte. Die Fonds, in die Müller investiert und mit denen er am Schluss viel Geld verloren hatte, erzielten Gewinn durch die Erstattung von Steuern, die nie bezahlt worden waren. Dem deutschen Fiskus entgingen so auf mittlerweile illegale Weise insgesamt 462 Millionen Euro.
Die belastenden Bankdokumente übergab Seith auch der Staatsanwaltschaft Köln, die gegen J. Safra Sarasin ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung einleitete. Seith konnte dann 2017 vor Gericht erfolgreich argumentieren, Müller sei betrogen worden. Die Bank musste diesem über 55 Millionen Franken zahlen, Schadenersatz sowie Anwalts- und Prozesskosten.
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