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Asiatische MBA-Schulen: «Immer noch Pioniercharakter»

MBA-Experte Benno Marbach über den Aufstieg ­asiatischer MBA-Schulen. Für wen eignen sie sich?

Veröffentlicht 05.10.2011

BILANZ: Sie haben in Michigan, St. Gallen und Hongkong studiert. Was sind die Unterschiede?

Benno Marbach: Die HSG ist von Schweizern und Deutschen dominiert, und es herrscht eher der theoretische Ansatz. In den USA und in Hongkong sucht man über Fallstudien stärker einen praxisnahen Zugang zur Wirtschaftswelt. Weil die Business-Schulen in Asien oft kleiner sind, erlebt man einen ­intensiveren Austausch zwischen Studenten und Professoren. Mein Jahrgang in Michigan hatte 420 Schüler, jener in Hongkong nur 60. Und natürlich ermöglicht das Studium in Asien einen direkten Einblick in die Eigenheiten dieses ­gigantischen Wirtschaftsraums.

Beim MBA ist der Name der Schule das Gütesiegel der Ausbildung. Welche Akzeptanz haben Abschlüsse an asiatischen Schulen?

MBA-Ausbildungen in Asien haben, in Einklang mit dem dortigen Aufschwung, an Attraktivität gewonnen. Parallel dazu haben die asiatischen MBA-Schulen, auch durch Kooperationen mit westlichen Universitäten, an Reputation zugelegt.

Entfalten Schulen in Shanghai und Hongkong für ihre Alumni im Westen die gleiche Salär-Turbowirkung wie die berühmtesten Unis in den USA oder Europa?

Man sollte das MBA-Studium nicht auf den Salär-Turbo reduzieren. Das MBA-Studium vermittelt in erster Linie ganzheitliches, ­praxisnahes Wirtschaftswissen. ­Natürlich hat eine gute Ausbildung einen Wert, den die Firmen entsprechend kompensieren. Aufgrund der überdurchschnittlich hohen Qualität der Ausbildung und der Kandidaten werden wohl die Abgänger der westlichen Topschulen durchschnittlich besser entlöhnt. Doch nähern sich Spitzenstudenten asiatischer ­Business Schools diesem Niveau an.

Für wen eignet sich ein MBA in Asien?

Wer seinen Fulltime-MBA in Fernost absolviert, beweist seinem künftigen Arbeitgeber mindestens einmal, dass er den Schritt aus ­Europa heraus gewagt und geschafft hat. Man verschafft sich so bestimmt eine gewisse Glaubwürdigkeit und Wertschätzung. Doch macht auch das MBA-Studium in Asien nur dann Sinn, wenn es sich für die berufliche Weiterentwicklung aufdrängt. Man sollte sich daher vor dem Studium im Klaren sein, mit welchen Zielen ein MBA in Asien verfolgt wird und ob der potenzielle künftige Arbeitgeber einen solchen Abschluss überhaupt zu schätzen weiss.

Gehört man im Westen mit einem Asien-MBA noch zur Avantgarde?

In gewissem Masse schon. Von ­indischen MBA-Schulen etwa gibt es nach meinem Kenntnisstand derzeit noch keine Schweizer ­Absolventen. Generell kann ich sagen, dass ein asiatischer MBA immer noch Pioniercharakter hat.

Benno Marbach ist Gründer und Präsident von SAMBA, der Swiss Association of MBAs. Die Schweizer MBA-Alumni-Organisation hat hierzulande 2000 Mitglieder.

SAMBA, der Swiss Association of MBA

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