Bushido und der IV-Rentner – Pleiten und Papageien
Ein Schweizer kaufte in Berlin zwei Firmen, an denen der umstrittene Rapper Bushido beteiligt war. Der Hintergrund des Geschäftsmannes ist abenteuerlich.
Timo Nowack,
Christian Bütikofer
1 / 4
Der Schweizer R. M. - hier im Jahr 2001 - war Besitzer von einigen der seltensten Papageien der Welt. Rund zehn Jahre später kaufte er in Berlin zwei Unternehmen - unter anderem vom deutschen Rapper Bushido. Der Hip-Hop-Star ...RMS... ist nicht nur mit seiner Musik erfolgreich. Der 34-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Anis Mohamed Ferchichi heisst, ist Millionär und trotz umstrittener Song-Texte ...RMS... in der deutschen Promi- und Politgesellschaft angekommen: Bushido bekam den Medienpreis Bambi für Integration (hier im Bild bei der Verleihung 2011), machte ein Praktikum bei einem CDU-Abgeordneten im Bundestag und liess sich mit dem deutschen Innenminister fotografieren. Allerdings steht Bushido auch immer wieder ...RMS... in der Kritik - unter anderem wegen seiner engen Beziehung zur Familie Abou-Chaker. So titelte der «Stern» kürzlich «Bushido und die Mafia» und schrieb: «Seit Jahren halten Familienmitglieder die Justiz und die Abteilung für organisiertes Verbrechen des Berliner Landeskriminalamts in Atem.» (Bilder: Keystone)RMS
Der Schweizer Geschäftsmann R. M. (Name der Redaktion bekannt) hat vom deutschen Rapper Bushido, dessen Partner Arafat Abou-Chaker und weiteren Gesellschaftern zwei Unternehmen übernommen. Der Musiker steht in Deutschland gerade in der Kritik für seine Kontakte zur Familie Abou-Chaker. «Die männlichen Mitglieder dieser Grossfamilie agieren im Milieu der organisierten Kriminalität», zitierte der «Stern» den Berliner Oberstaatsanwalt Jörg Raupach. «Mafiöse Strukturen sind hier eindeutig vorhanden und gerichtlich festgestellt worden.»
Doch wer ist überhaupt der Schweizer, der mit Bushido Geschäfte machte? Der IV-Rentner zeigte sich im Gespräch freundlich und gab offen Auskunft über seinen geschäftlichen Werdegang, der viele Fragen aufwirft.
Viele Unternehmen in Liquidation
Bereits in den Jahren vor den Bushido-Deals hatte M. Firmen in Berlin übernommen – ebenfalls zur Sanierung, wie er sagt. Im spanischen Malaga war der Spätfünfziger im Immobiliengeschäft aktiv. Auf die Frage nach einer Klage, die seiner Firma dort ins Haus stand, will er sich jedoch nicht mehr genau erinnern.
Aufsehenerregend ist seine Geschäftstätigkeit in der Schweiz: Seit 1990 ist oder war er federführend in rund 20 Firmen mit von der Partie, vor allem Wohnbaugenossenschaften und Immobilien- und Baufirmen in Murten, Greng und Ulmiz im Kanton Freiburg. Die meisten davon befinden sich heute in Liquidation.
«Nach meiner Erinnerung hat Herr M. in Murten eigentlich nichts gebaut», sagt Stadtschreiber Urs Höchner. «Er hat vieles angerissen, aber einen Bau von ihm habe ich nie gesehen.» M. widerspricht. Er habe in der ganzen Schweiz rund 300 Häuser errichtet. «Banken haben mir Projekte übergeben, bei denen sie ihren Partnern Land wegnehmen mussten», sagt er mit Blick auf die Vielzahl seiner Firmen. «Für jedes Projekt musste ich ein eigenes Unternehmen gründen.» Er habe die Grundstücke dann bebaut oder wieder auf den Markt geworfen.
Schulden in Höhe von mehr als 1,7 Millionen Franken
Ausserdem habe er durch einen Sturz eine Hirnverletzung erlitten, die ihn lange von der Arbeit abgehalten habe, so M. In dieser Zeit habe sich seine Frau von ihm scheiden lassen und ein Geschäftspartner habe ihn betrogen. «All das hat mich zurückgeworfen und ich musste meine Firmen dicht machen», sagt er. «Ich habe alles verloren und mittlerweile mit meiner Sanierung begonnen.»
In den Jahren 2004 und 2005 häufte er durch Pfändungen und Betreibungen in Murten Schulden in Höhe von mehr als 1,7 Millionen Franken an. Ein Bürogebäude im Villenstil (geschätzter Wert 1,6 Millionen Franken), das zu einer seiner Firmen gehörte, wurde aufgrund von Betreibungen versteigert. Bis heute hat er Schulden, wenn auch nicht mehr in diesem Ausmass.
In der Gemeindeverwaltung Ulmiz ist der Name M. wohlbekannt – regelmässig gibt es dort immer noch Anfragen, wohin er verzogen ist. Denn er wechselt häufig den Wohnort.
Der seltenste Papagei der Welt
Das vielleicht schillerndste Kapitel im Leben des Bushido-Geschäftspartners trägt jedoch den Titel Spix Ara. Dabei handelt es sich um den seltensten Papagei der Welt, der in freier Wildbahn ausgestorben ist. Anfang der 2000er Jahre kaufte M. mindestens 15 dieser Vögel und damit geschätzt ein Fünftel des damaligen weltweiten Bestandes. Er gründete eine Firma und liess sie unter anderem mit dem Zweck «Handel mit Immobilien» und «Vogelzucht» eintragen. Eine der Sacheinlagen: «15 Vögel ’Spix’ zum Preis von insgesamt CHF 100’000».
Doch in der Papageien-Szene ist M. umstritten. Kritiker zweifelten damals an seiner Qualifikation zur Aufzucht der Vögel. Schliesslich trennte er sich von den Tieren. Ein Experte, der nicht genannt werden will, sagt heute, in seinen Augen sei es gut für die Vögel, dass M. aus Haltung und Zucht ausgestiegen sei.
M. wehrt sich gegen die Kritik: «Ich hatte Papageien seit ich jung war und habe diese Vögel geliebt», sagt er. «Ich habe sie zu dem Preis abgegeben, zu dem ich sie bekommen hatte, um der Welt diese Art zu erhalten.» Dabei ist sein grösster Abnehmer wirklich nicht auf Tiefpreise angewiesen: Es ist Scheich Saoud Bin Mohammed Ali Al-Thani aus der Königsfamilie von Katar. Sein privates Zuchtzentrum AWWP für bedrohte Spezies übernahm die Tiere. Der genaue Preis ist nicht bekannt.
In Brasilien festgenommen
Brasilianische Medien berichteten 2009 derweil noch ein besonders delikates Detail über M.: Ende 2008 wurde er in Rio für einen Tag festgenommen, weil er in einer speziellen Weste zehn Papageieneier bei sich trug – offenbar bestimmt für den Schmuggel ins Ausland.
M. bestreitet die Festnahme nicht, sagt aber, er habe die Eier zum Züchten erhalten, jedoch nicht gewusst, dass man sie nicht ausser Landes bringen darf. Da er zurück in Europa nicht mehr präsent gehabt habe, wohin er eine offene Busse überweisen solle, habe es kurzzeitig sogar einen internationalen Haftbefehl gegen ihn gegeben. «Das war eine Dummheit von mir», sagt M. über das Eier-Geschäft.
Als was er den Deal mit Bushido abschliessend bezeichnen wird, muss sich noch weisen.