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Bjørn Johansson: Der Königsmacher bei Nestlé

Nestlé ist sein Meisterstück: Headhunter Bjørn Johansson hat den neuen Chef Ulf Mark Schneider portiert – wie viele andere CEOs auch.

Dirk Schütz

Unter strenger Geheimhaltung ausgehandelt ist Headhunter Bjørn Johansson ein Coup gelungen: Er hat für den weltgrössten Nahrungsmittelkonzern den neuen Chef, Ulf Mark Schneider, gefunden.Das ist sein Machtnetz:Tina Sturzenegger
Die Freunde:Es war ein persönlicher Brief der besonderen Sorte: «Ich möchte Dir persönlich danken für die exzellente Zusammenarbeit über so viele Jahre», schrieb Nestlé-VR-Präsident Peter Brabeck an Johansson nach der Rekrutierung von Ulf Mark Schneider. Für den Weltkonzern hatte Johansson zuletzt die Finanzchefs François-Xavier Roger und Wan Ling Martello (heute Asien-Chefin) gefunden.
Zum rekordverdächtigen 28. Mal nimmt Johansson im Januar am WEF in Davos teil, in der gerade erschienenen Biografie über Klaus Schwab («Gastgeber der Mächtigen») wird er als einer der engsten Weggefährten des WEF-Gründers beschrieben.
Eng ist auch der Draht zum Ems-VR-Präsidenten Ulf Berg, mit dem er sich im «Nordic Executive Club» trifft, dessen Chairman Johansson ist und dem mehr als 50 Mitglieder mit skandinavischen Wurzeln angehören.
Ein prominenter Freund ist der Komiker Emil. Die Ehepaare 
Johansson und Steinberger treffen sich gern zum Bratwurstessen.
Die Gegner:Diskretion ist Berufsehre im Headhunter-Geschäft, und das gilt auch für Johansson. Doch die Unabhängigkeit seiner kleinen Boutique-Firma 
erlaubt ihm eine Freiheit, welche die Kollegen aus den grossen Netzwerken nicht haben. So leistet er sich schon mal Urteile über Wirtschaftsgrössen. Hart ging er etwa mit dem langjährigen Novartis-Lenker Daniel Vasella ins Gericht, dessen Lohnexzesse er publikumswirksam kritisierte.
Da mögen die Rivalen aus den grossen Häusern wie Egon Zehnder mit Chairman Damien O’Brien oder...Youtube/Screenshot
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... Spencer Stuart mit Schweiz-Chef Maurice Zufferey die Nase rümpfen, und sie weisen zu Recht darauf hin, dass sie global in einer anderen Liga spielen.Nell Andris/CASH PRIVAT/Bilder: Keystone
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Unter strenger Geheimhaltung ausgehandelt ist Headhunter Bjørn Johansson ein Coup gelungen: Er hat für den weltgrössten Nahrungsmittelkonzern den neuen Chef, Ulf Mark Schneider, gefunden.Das ist sein Machtnetz:Tina Sturzenegger RMS

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Der Amtsantritt von Ulf Mark Schneider am 1. Januar als CEO von Nestlé ist für einen Mann in Zürich ein ganz spezieller Triumph: Der Headhunter Bjørn Johansson hat für den weltgrössten Nahrungsmittelkonzern den neuen Chef gefunden.
Neun Monate liefen die Verhandlungen unter grösster Geheimhaltung, eingeweiht waren auf Nestlé-Seite nur VR-Präsident Peter Brabeck und CEO Paul Bulcke. Erst zwei Monate vor der Bekanntgabe wurde das Nominierungskomitee einbezogen, und als Ende Juni den 150 Nestlé-Kadern ihr neuer Chef präsentiert wurde, waren sie genauso überrascht wie die Öffentlichkeit – Johansson hatte mit dem 51-jährigen Schneider, erfolgreicher Chef des deutschen Gesundheitskonzerns Fresenius und HSG-Absolvent wie er selbst, den ersten externen Nestlé-Chef seit 94 Jahren portiert.
Seine Bande zu Nestlé gehen weit zurück: Er beriet bereits den Patriarchen Helmut Maucher 1997 bei der Kür von dessen Nachfolger Peter Brabeck, und als sich vor acht Jahren Paul Bulcke und Paul Polman als Chefkandidaten 
duellierten, oblag ihm das Assessment – er empfahl Bulcke. Der Erfolg gibt dem 69-jährigen Norweger Auftrieb. Mehrfach hätte er seine Firma verkaufen können, doch davon will er nichts 
wissen: «Ich mache mindestens zehn Jahre weiter.»

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Die Verbündeten und Gegner von Bjørn Johansson sehen Sie in der Bildergalerie oben.
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