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Machtübernahme

Wo die Tech-Giganten bereits das Sagen haben

Vorbei die Zeiten, in denen man als Taxidienst noch eigene Autos brauchte. Denn: Die Machtübernahme der Tech-Giganten ist unlängst Realität. In vielen Branchen geben sie bereits den Ton an.

Karen Merkel-Gyger

Die digitale Weltherrschaft ist längst Realität, wie diese Beispiele zeigen: Uber boomt: Das Unternehmen ist knapp sechs Jahre alt und bereits 80 Milliarden Dollar schwer. Als grösster Taxi-Anbieter der Welt besitzt der Konzern nicht ein Auto – sondern vermittelt allein zwischen Fahrdienst-Anbietern und Kunden.
Google: Gründer Larry Page ist bekannt dafür, dass er der Silicon-Valley-Heilslehre anhängt. Google hat an sich selbst den Anspruch, den Start-up-Spirit zu bewahren, darum erobert es immer neue Geschäftsfelder. 2008 brachte es Android heraus, heute das am meisten genutzte Smartphone-Betriebssystem. Damit ist Google auf Handys omnipräsent – die Apps entwickeln andere.
Alibaba: Auch der chinesische Riese sei hier genannt. Vom Englischlehrer Jack Ma gegründet, beherrscht der Online-Detailhändler heute China. Das Prinzip funktioniert dabei wie Ebay, nicht wie Amazon: Alibaba vermittelt nur zwischen Verkäufer und Kunden, bietet selbst keine Ware an.
Streaming-Dienst Netflix überrundet Hollywood – ohne je einen Film im Kino zu zeigen. Allerdings geht die Firma weit über das Anbieten einer rein digitalen Lösung hinaus. Das Unternehmen hat sich zum Grossproduzenten vor allem von Serien gemausert – wie «Narcos» hier im Bild.
Immer mehr Menschen erfahren Neuigkeiten per Facebook-Stream. Damit macht das weltgrösste soziale Netzwerk Medien Konkurrenz, ohne selbst zu berichten. Hier ist die nächste Phase allerdings schon eingeleitet: Namhafte Medienhäuser stellen künftig mit «Instant Articles» Inhalte nur fürs Unternehmen von Mark Zuckerberg bereit.
Skype hat das Telefonieren revolutioniert: Das Angebot der Gratis-Telefonie prägte seit 2003 wohl zahlreiche internationale Freundschaften und Fernbeziehungen. Vor allem wurden mit dem Dienst auch Video-Chats zum Standard. Die Gesprächsqualität lässt allerdings gegenüber Festnetztelefonie oft zu wünschen übrig.
Weltgrösster Zimmervermittler ohne eigene Immobilien: Auch die Geschichte von Airbnb erzählt vom digitalen Erfolg. Weltweit beklagen Hotels den Gästeschwund aufgrund der digitalen Konkurrenz, auch in der Schweiz. 
Keystone
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Als globales Schwergewicht unter den Telefonanbietern besitzt Skype kein einziges Verbindungskabel. Uber – der weltgrösste Taxidienst-Anbieter – kommt ohne eigene Autos aus. Diese und viele weitere Unternehmen stehen für die Machtübernahme des Digitalen.
Diese sei längst Realität, auch wenn viele im Silicon Valley, den USA und der Welt sie noch als Zukunftsvision diskutierten. Das sagte Sandy Carter, Start-up-Chefin bei IBM, unlängst auf einer Veranstaltung. Sie untermauerte ihre These mit einem Chart, das seinen Weg in die sozialen Netzwerke fand.

Schlüsselbranchen längst im Wandel

Acht Schlüsselbranchen nennt Carter, in denen eine oder mehrere digitale Technologien bereits die herkömmlichen Anbieter überrundet haben (siehe Bildergalerie). Kennzeichnend für die digitale Disruption ist genau das Phänomen, für das Uber steht wie der chinesische Riese Alibaba. Ein Unternehmen stellt ein Produkt zur Verfügung, mit dessen Hilfe Nutzer statt auf herkömmlichem Wege digital auf Dienste zugreifen können, oft zu einem günstigeren Preis.
Auch Airbnb ist ein gutes Beispiel: Die Gründer Brian Chesky, Joe Gebbia and Nathan Blecharczyk boten die Vermittlung von Privatzimmern für Nutzer, die nicht in Hotels übernachten und oft auch weniger zahlen wollten. Und landeten damit einen Welterfolg: Der Umsatz liegt nach Schätzungen des «Wall Street Journals» 2015 bei 900 Millionen Dollar, wert ist die Firma mitterweile fast 26 Milliarden US-Dollar.

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Hoteliers fürchten Airbnb

Airbnb bringt damit weltweit die Hoteliers ins Schwitzen, auch in der Schweiz. Sie spüren den Gästeschwund an vielen Stellen. Ihnen geht es wie der Taxibranche, die den Erfolg von Uber beklagt und sich mit Streiks vergeblich gegen die digitale Unterwanderung wehrt.
Ein Kennzeichen der digitalen Machtübernahme ist dabei die Geschwindigkeit des Wandels. Software verbreitet sich rasant, ein Markteintritt ist oft innert weniger Monate geschafft. Bestes Beispiel ist das Google Smartphone-Betriebssystem Android, das 2008 von dem Unternehmen lanciert wurde.

Google – Weltmarktführer als Neueinsteiger

Als Google das Open-Source-System ankündigte, war der Suchmaschinen-Anbieter absoluter Neuling auf dem Handymarkt. Heute ist Android das am meisten genutzte Betriebssystem weltweit. Diese rasante Übernahme der globalen Pole-Position ist ein Kennzeichnen der digitalen Disruption: Das die Tech-Unternehmen lediglich die Vermittlung, nicht aber das Produkt selbst anbieten, braucht es häufig eine entprechende Verbreitung. Auch Google liefert für Handys lediglich die Software, die Apps entwickeln andere, am offenen Quellcode kann jeder Programmierer mitschreiben.
Die digitale Machtübernahme ist in diesem Bereich geglückt – auch wenn Google dafür im Kerngeschäft der Branche auf die Nase gefallen ist. Der Riesenkonzern wollte sich auch im klassischen Handy-Geschäft etablieren und eigene Produkte herausbringen. Darum kaufte Google Motorola für stolze 12 Milliarden Dollar. Drei Jahre später gab das Unternehmen dieses Vorhaben auf – die Integration des Herstellers in das digitale Unternehmen war misslungen.

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