27.01.2012 | 18:10
Von:
Timo Nowack
 

Wegelin-Verkauf: Tabuthema USA

Die älteste Schweizer Bank ist am Ende. Doch wie gross ist der Anteil der US-Behörden am Verkauf an Raiffeisen? Und wie gross ist die Gefahr weiterer Anklagen? Fragen, die bei den Protagonisten auf wenig Gegenliebe stossen.

Wegelin-Verkauf: Tabuthema USA

Blick nach unten: Wegelin-Teilhaber Adrian Künzi bei der Pressekonferenz in Zürich. (Bild: Keystone)

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Adrian Künzi hat den Blick gesenkt, er schaut auf die Wasserflaschen vor sich auf dem Tisch, auf den Boden. Nur mit dem Journalisten vor ihm vermeidet er den Blickkontakt. «Dazu kann ich mich nicht äussern», sagt er, spricht von komplexen juristischen Themen. Die Frage an Künzi lautet: Hat sich an der Situation in den USA für die Bank Wegelin in den vergangenen Tagen etwas verändert? Was ist der Grund, dass die Bank Wegelin – die älteste Bank der Schweiz – so überstürzt das Handtuch wirft und in die Hände von Raffeisen übergeht?

Um 11:45 Uhr geht die erste Meldung zum Verkauf über die Nachrichtenagenturen, schon für 13:30 Uhr lädt Raffeisen zur Pressekonferenz. Vor 60 bis 70 Journalisten, inklusive fünf Kamerateams, erklären Raiffeisen-Schweiz-Chef Pierin Vincenz und Wegelin-Teilhaber Künzi, wie das Nicht-US-Geschäft der Bank Wegelin in die gerade geschaffene Bank Notenstein übergeht, die wiederum von Raiffeinsen übernommen wird. «Wir werden die Nicht-US-Kunden über das Wochenende in die Notenstein Privatbank AG transferieren», sagt Vincenz. Am Montag soll die neue Bank operativ starten.

Der Raffeisen-Chef gibt sich locker. «Wir kennen uns, nicht zuletzt durch die Nähe in St. Gallen», sagt er über die beiden Finanzhäuser – und klingt dabei ein wenig, als würde er mit einem Freund über gemeinsame Bekannte in der Nachbarschaft plaudern.

Wegelin-Berater in New York angeklagt

Künzi tritt ernster auf, spricht von einem «historischen Moment». Wie auch Vincenz steht er bei seinen Ausführungen, schaut zu Journalisten und in die Kameras. Doch die Frage zu neuen Entwicklungen in den USA zwingt seinen Blick zu Boden.

Sie wird mindestens viermal gestellt an dieser Pressekonferenz, jedes Mal von einem anderen Journalisten, jedes Mal in leicht anderer Form. Denn sie drängt sich auf.

Die US-Behörden haben in den vergangenen Monaten den Druck auf die Schweizer Banken erhöht und Wegelin gilt als Hort des Schwarzgeldes. Erst Anfang Monat wurden in New York drei Wegelin-Kundenberater wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt. Laut Anklageschrift lockten sie Steuerhinterzieher auch mit dem Argument, man habe eine lange Tradition im Bankgeheimnis und verfüge über keine Niederlassungen in den USA.

«Garantien gibt es nicht in diesem Geschäft»

Der überraschende Verkauf von Wegelin deutet nun darauf hin, dass die Amerikaner die Daumenschrauben weiter angezogen haben. Dass Künzi auch vom Druck der Medien auf Wegelin als Grund für das Aus der Bank spricht, nimmt ihm niemand ab – und er lässt auch schnell wieder davon ab. «Ich glaube nicht, dass wir zu dieser Frage Stellung nehmen können», sagt er fortan. Die amerikanischen Behörden seien über den Kauf informiert, heisst es. Sonst ist nichts zu erfahren.

Von Vincenz möchte ein Journalist wissen, warum Raiffeisen nicht auf ein komplett neues Management setzt, sondern zwei von acht Wegelin-Teilhabern an die Spitze der Notenstein Privatbank holt. Vincenz spricht von einer «ganz starken Kultur, die Wegelin hat», von «Stolz und Wertekultur, die die Manager haben». Daher sei es ein Vorteil, sie an Bord zu haben.

Ein anderer Pressevertreter möchte wissen, ob auch die Rechtsnachfolger der Bank Wegelin in den USA belangt werden könnten. Vincenz hält dagegen, schliesst aber locker mit dem Satz: «Garantien gibt es nicht in diesem Geschäft.» Das weiss auch Künzi, der Mann mit dem Blick am Boden. Er ist einer der zwei Wegelin-Manager, der zu Notenstein wechselt - als CEO.

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