Visionär oder überschätzter Tüfftler? An Elon Musk scheiden sich die Geister. Zu seinen Anhängern zählt Zattoo-Gründerin Bea Knecht. Sie erklärt den Hype um den Tesla-Chef.
Mathias Ohanian
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Ende Juli eröffnete Tesla seine «Gigafactory» in der Wüste von Nevada. Bea KnechtRMSDie Fabrik soll sich im Endausbau über eine Fläche von etwa 1000 Football-Felder erstrecken.RMSDas Werk wird eine der grössten Fabriken der Erde.RMSDas Volumen des Gebäudes wird noch wesentlich grösser, weil für einige Sektoren bis zu vier Stockwerke geplant sind.RMSMittlerweile zählt Tesla’s Belegschaft über 13'000 Mitarbeitende. Bea KnechtRMSDazu gesellen sich rund 1000 Roboter-Kollegen von Kuka und Fanuk, autonom arbeitende Transport-Vehikel und mehrgeschossige, automatisierte Pressen, Öfen und gigantische Hochregale. Bea KnechtRMSDie «Giga-Factory» ist einer der grössten Wetten in der Firmengeschichte von Telsa. Der Elektroautohersteller versucht mit dieser Fabrik die Produktion von Batterien zu revolutionieren.RMSHeute liegt die weltweite Produktionskapazität von Lithium-Ionen-Batterien bei etwa 35 Gigawatt pro Stunde (Gwh). Mit der Gigafabrik will Tesla bis 2018 in Reno selber diesen Umfang erreichen. Bea KnechtRMSDas Werk soll es ermöglichen, günstige Lithium-Ionen-Batterien zu fertigen – und damit dem geplanten Tesla-Auto Model 3 zum Durchbruch zu verhelfen.RMSDas neue Model 3 könnte pro Jahr 20 Milliarden Dollar Umsatz und 5 Milliarden Dollar Gewinn bringen, sagte Tesla-Chef Elon Musk.RMSDie «Gigafactory» soll bei voller Produktion die Kosten für die Batterien um rund 30 Prozent senken. Heute sind erst 14 Prozent der Fläche bebaut.RMSTesla hat für die Fabrik mit dem Panasonic-Konzern zusammengespannt – die Japaner steuern 1,6 Milliarden Dollar für das Projekt bei. Insgesamt kostet die «Gigafactory» 5 Milliarden Dollar.RMSAuf dem Dach installierte Solarzellen werden nach der Fertigstellung Sonnenenergie speichern und könnten dafür sorgen, dass die Energiebilanz der Fabrik auf Null sinkt.RMSDie Produktion soll noch Ende dieses Jahr starten. Etwa tausend Arbeiter arbeiten rund um die Uhr, um den ambitiösen Zeitplan zu ermöglichen.RMSAb 2020 sollen nach neusten Angaben bis zu 10'000 Angestellte in der Fabrik arbeiten – die «Gigafactory» befindet sich unweit der Grossstadt Reno.RMSAb 2020 soll die die Batterieproduktion der Fabrik eine Kapazität von 105 Gigawattstunden pro Jahr aufweisen. Bilder: KeystoneRMSDas ist genug Energie, um 1,2 Millionen Tesla Model S mit Akkus auszustatten. Bea KnechtRMS
Frau Knecht, wie lässt sich die Faszination des Tesla-Gründers erklären? Bea Knecht*: Menschen sind begeistert von ihm – das ist vergleichbar mit dem Kult um den verstorbenen Apple-Chef Steve Jobs. Unter Musks Anhängern gibt es viele, die wissen was es bedeutet, ein Produkt zu bauen und es marktfähig zu machen. Musk ist Ingenieur und gleichzeitig sehr umsetzungsstark, und das reicht bis in die Design-Details hinein. Ich bewundere die Konsequenz, mit der Musk die Menschheit von fossilen Brennstoffen wegbringen will.
Der Hype um Musk und die neue Gigafactory ist riesig. Können Sie ein Beispiel seines Einflusses geben? Zu Jahresbeginn war ich bei den Tech-Oscars in Kalifornien. Da wurde eine Reihe von Startups ausgezeichnet. Und für alle Teilnehmer des Events war klar: Elon Musk ist der Übervater der Szene, selbst wenn er gar nicht anwesend war. Viele wollen für seine Firmen arbeiten.
Seine Kritiker halten Musk vor, er sei immer wieder spät dran: Die Präsentation der Tesla-Modelle S und X musste jeweils mehrfach verschoben werden. Ein weiterer Vorwurf: Musk verschleudere Steuergelder. Tesla und die Raumfahrtfirma Space-X erhalten tatsächlich grosse Subventionen vonseiten des Staates – doch an diese Quellen muss man erst einmal kommen. Da dürfte der Neid auch eine Rolle spielen. Man muss auch trennen zwischen den begeisterten Anhängern und den Aktienanalysten, die das Unternehmen regelmässig bewerten – ein Unternehmen, für das es keine Blaupause gibt.
Die Kapitalmarktexperten waren mit Blick auf Tesla zuletzt eher zurückhaltend. Teslas Aktienbewertung ist abenteuerlich hoch. Die Wette geht wohl dann auf, wenn alles richtig läuft. Die Pläne sind ambitioniert: Ab Ende 2018 will Tesla aufs Jahr hochgerechnet eine halbe Million Autos verkaufen. Wenn Musk das hinbekommt, ist die heutige Börsenbewertung werthaltig.
Die neue Gigafactory soll schon bald alle Tesla-Autos mit Akkupacks versorgen. Bis dahin ist es ein weiter Weg: Aktuell sind erst rund 17 Prozent des Produktionsgeländes fertig gestellt. Aber ich halte die geplanten Kosteneinsparungen von 30 Prozent, die mit der neuen Fabrik erzielt werden sollen, für sehr realistisch – möglicherweise ist da noch mehr möglich. Nebst Skaleneffekten durch die schiere Grösse wird Innovation bei der Herstellung zum Effizienzgewinn führen.
Wie schlägt sich das dann auf die Preise für die Käufer nieder? Tesla hat schon angekündigt, dass es das neue Model 3 ab 35'000 Dollar geben wird – damit soll es etwa halb so viel kosten wie das Model S. Da müssen die Preise für die Batteriepacks deutlich sinken: Denn im Model S kosten sie heute rund 17'000 Dollar.
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* Bea Knecht ist begeisterte Tesla-Fahrerin und verfolgt schon lange die Karriere von Elon Musk. Die Schweizerin weiss, wie man ein Produkt erfolgreich auf den Markt bringt: Die Internetpionierin hat 2005 den Web-TV-Dienst Zattoo gegründet, war bis 2012 CEO und seit 2009 Präsidentin.