Fuรball ist Chefsache in China. Die Ausbreitung der Weltsportart Nummer eins wird massgeblich von Prรคsident Xi Jinping unterstรผtzt, nach dessen Willen die Volksrepublik bis 2050 auch in diesem Feld zur Supermacht aufsteigen soll. Dazu wird nicht nur die von Wettskandalen gebeutelte heimische Liga aufpoliert, wo die Gehรคlter mancher Stars im internationalen Vergleich zu den hรถchsten gehรถren und zuletzt Ex-FC-Bayern-Trainer Felix Magath und der brasilianische Nationalspieler Hulk angeheuert haben.
Mitten im Gange ist auch eine aggressive Einkaufstour chinesischer Investoren, die sich vor allem in Europa einen hochrangigen Verein nach dem anderen greifen. Allein seit Dezember vergangenen Jahres wurden Deals im Wert von insgesamt drei Milliarden Dollar bekanntgemacht.
Grosses Engagement
ยซEs wird immer deutlicher, dass China eine grosse Adresse im Weltfussball werden willยป, sagt David Bick aus London, der sich auf Finanzierungen in diesem Geschรคftsbereich spezialisiert hat. An vorderster Front engagiert sich der reichste Mann des Landes, der Immobilienmogul Wang Jianlin. Dessen Mischkonzern Dalian Wanda ist bereits ein Top-Sponsor des Weltfussballverbandes Fifa und besitzt 20 Prozent am spanischen Spitzenclub Atletico Madrid.
Das ganz grosse Rad dreht auch der Elektronikhandelsriese Suning Commerce, der ein weltweites Fussballimperium anstrebt, das neben Vereinen auch Verwertungsrechte umfasst. Zum FC Barcelona und dem FC Liverpool bestehen bereits Geschรคftsverbindungen. Im Juni sorgte Suning fรผr einen Paukenschlag und kaufte den italienischen Traditionsverein Inter Mailand. Auch Stadtrivale AC Mailand, der lange dem Medienunternehmer undfrรผheren italienischen Ministerprรคsidenten Silvio Berlusconi gehรถrte, ging zuletzt an ein Konsortium aus der Volksrepublik.
Einkaufstour in England
Besonders gross ist das Interesse an Clubs aus England, dem Mutterland des Fussballs. Dafรผr sorgen nicht zuletzt die รผberaus รผppigen TV-Gelder, mit denen die dortigen Vereine massenweise auslรคndische Top-Spieler kรถdern. Hohe Ambitionen hat etwa Manchester City, das zusรคtzlich zum Hauptaktionรคr aus Abu Dhabi auch Chinesen in den Eignerkreis holte. Mit deren Hilfe sicherte sich City die Dienste von Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola sowie der deutschen Nationalspieler Ilkay Gรผndogan und Leroy Sanรฉ.
Auch die Wolverhampton Wanderers, Aston Villa und West Bromwich Albion wurden an chinesische Kรคufer abgegeben. Insidern zufolge sind zudem Hull City und weitere Clubs in Gesprรคchen mit Interessenten aus dem Reich der Mitte. Insbesondere richten sich die Begehrlichkeiten auf den von Jรผrgen Klopp trainierten Traditionsclub FC Liverpool. Nach Auskunft einer mit der Angelegenheit vertrauten Person besteht reges Interesse an einem Einstieg. Genannt wurden unter anderem der Finanzkonzern Everbright, Wangs Konglomerat Dalian Wanda sowie die Beteiligungsgesellschaft Fosun, die bereits die Wolverhampton Wanderers รผbernommen hat.
ยซDie Wahrheit ist, dass die meisten Clubs zum Verkauf stehen, wenn jemand den verlangten Preis zu zahlen bereit istยป, sagt die auf das Sportgeschรคft spezialisierte Fachanwรคltin Liz Ellen von der Kanzlei Mishcon de Reya. ยซWir werden fast tรคglich von Vermittlern kontaktiert, die nach einem Deal fรผr chinesische Investoren Ausschau halten.ยป
Buhlen um die Fans in Asien
In Spanien haben sich chinesische Investoren auch bei Espanyol Barcelona eingekauft, in Frankreich bei Olympique Lyon, AJ Auxerre und OGC Nizza. Gerade im Fall des OGC wurde deutlich, dass es den Kรคufern nicht um Liebhaberei oder Imagepflege geht, sondern um knallharte Rendite. Der neue Eigner ist eine Hotelgruppe, die mit dem Abschluss ihr Reisegeschรคft in der Region ankurbeln will.
Fรผr Europas Fussball kรถnnten weitere Milliarden aus China gravierende Umwรคlzungen bringen. Nennenswerter Widerstand dagegen ist nicht erkennbar. Denn die Clubs suchen nach neuen Geldquellen, um die explodierenden Transfersummen und Gehรคlter aufbringen zu kรถnnen.
In Deutschland allerdings sind sie der chinesischen Versuchung bislang nicht erlegen. Beteiligungen an Bundesliga-Vereinen sind wegen schรคrferer Beschrรคnkungen weniger attraktiv. Offen ist, wie lange dies so bleiben wird. Denn zumindest am gigantischen Fanpotenzial in Asien fรผhrt kein Weg vorbei. Seit Jahren bereits buhlen dort auch Bayern Mรผnchen und Borussia Dortmund mit Gastspielen um die Gunst der Zuschauer.