AWD: Das Spiel ist aus

Swiss Life gibt ihre serbelnde Finanzberatung AWD auf und integriert die Marke ins eigene Haus.

VonDirk Schütz
07.11.2012

Am 28. November soll es so weit sein: Dann will die Swiss-Life-Konzernleitung an ihrem Investorentag die Integration ihres Finanzberaters AWD in das eigene Haus bekanntgeben. Die Marke AWD soll komplett verschwinden. Auch in der Schweiz sollen die etwa 400 AWD-Berater ihre Finanzprodukte neu unter der Bezeichnung «Swiss Life Best Select» vertreiben. Selbst der Auftritt am letzten November-Mittwoch soll bereits geplant sein: Während Swiss-Life-VR-Präsident Rolf Dörig und sein CEO Bruno Pfister den Investoren die neue Strategie präsentieren, will sich Schweiz-Chef Ivo Furrer den AWD-Mitarbeitern in Zug als ihr neuer Chef vorstellen. Die Machtverhältnisse sind klar: Die sechsköpfige Swiss-Life-Schweiz-Geschäftsleitung bleibt voll erhalten und wird nur durch den bisherigen AWD-Chef Remo Weibel ergänzt. Von den geschätzten 70 AWD-Innendienstmitarbeitern soll etwa die Hälfte eingespart werden. Wenn der Mietvertrag in Zug ausläuft, ist der Umzug nach Zürich geplant. Der bisherige AWD-Aussendienst soll in einer ersten Phase unabhängig bleiben, langfristig aber mit dem Swiss-Life-Vertrieb fusionieren. AWD-Sprecher Max Fischer: «Wir kommentieren keine Gerüchte.»

Die Konzernlenker Dörig und Pfister, die 2008 für AWD 1,9 Milliarden Euro bezahlten, haben das Geschäft nie in den Griff bekommen. Fuhr AWD beim Kauf bei einem Umsatz von 716 Millionen Euro einen Vorsteuer-Gewinn von 83 Millionen ein, so schmolz im vergangenen Jahr das Geschäft auf 560 Millionen Umsatz und 54,2 Millionen Gewinn. Das Image ist auf dem Tiefpunkt. Verantwortlich dafür ist vor allem der Umgang mit den Beschwerdefällen in Deutschland. Früher klärte AWD die vielen Rechtsfälle zum Jahresende mit dem Scheckbuch, um das Image nicht zu gefährden. Swiss Life ficht die Streitigkeiten jedoch aus, um möglichst wenig zu bezahlen, und sieht sich so mit einer Lawine von Klagen konfrontiert. Der Abschreiber auf den Marken­namen dürfte bei 150 bis 200 Millionen Euro liegen. Auch der Name AWD-Arena des Bundesligisten Hannover 96 wird im nächsten Jahr verschwinden. Doch die in Hannover spielenden Schweizer Mario Eggimann und Adrian Nikci werden nicht in einer Swiss-Life-Arena auflaufen: Der Lebensversicherer beendet das ­Sponsoring. 

 

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

Am 28. November soll es so weit sein: Dann will die Swiss-Life-Konzernleitung an ihrem Investorentag die Integration ihres Finanzberaters AWD in das eigene Haus bekanntgeben. Die Marke AWD soll komplett verschwinden. Auch in der Schweiz sollen die etwa 400 AWD-Berater ihre Finanzprodukte neu unter der Bezeichnung «Swiss Life Best Select» vertreiben. Selbst der Auftritt am letzten November-Mittwoch soll bereits geplant sein: Während Swiss-Life-VR-Präsident Rolf Dörig und sein CEO Bruno Pfister den Investoren die neue Strategie präsentieren, will sich Schweiz-Chef Ivo Furrer den AWD-Mitarbeitern in Zug als ihr neuer Chef vorstellen. Die Machtverhältnisse sind klar: Die sechsköpfige Swiss-Life-Schweiz-Geschäftsleitung bleibt voll erhalten und wird nur durch den bisherigen AWD-Chef Remo Weibel ergänzt. Von den geschätzten 70 AWD-Innendienstmitarbeitern soll etwa die Hälfte eingespart werden. Wenn der Mietvertrag in Zug ausläuft, ist der Umzug nach Zürich geplant. Der bisherige AWD-Aussendienst soll in einer ersten Phase unabhängig bleiben, langfristig aber mit dem Swiss-Life-Vertrieb fusionieren. AWD-Sprecher Max Fischer: «Wir kommentieren keine Gerüchte.»

Die Konzernlenker Dörig und Pfister, die 2008 für AWD 1,9 Milliarden Euro bezahlten, haben das Geschäft nie in den Griff bekommen. Fuhr AWD beim Kauf bei einem Umsatz von 716 Millionen Euro einen Vorsteuer-Gewinn von 83 Millionen ein, so schmolz im vergangenen Jahr das Geschäft auf 560 Millionen Umsatz und 54,2 Millionen Gewinn. Das Image ist auf dem Tiefpunkt. Verantwortlich dafür ist vor allem der Umgang mit den Beschwerdefällen in Deutschland. Früher klärte AWD die vielen Rechtsfälle zum Jahresende mit dem Scheckbuch, um das Image nicht zu gefährden. Swiss Life ficht die Streitigkeiten jedoch aus, um möglichst wenig zu bezahlen, und sieht sich so mit einer Lawine von Klagen konfrontiert. Der Abschreiber auf den Marken­namen dürfte bei 150 bis 200 Millionen Euro liegen. Auch der Name AWD-Arena des Bundesligisten Hannover 96 wird im nächsten Jahr verschwinden. Doch die in Hannover spielenden Schweizer Mario Eggimann und Adrian Nikci werden nicht in einer Swiss-Life-Arena auflaufen: Der Lebensversicherer beendet das ­Sponsoring. 

 

Meistgelesen

Trudie Götz: Ciao, Prada
Abgabe

Trudie Götz verliert das Kernstück ihres Modeimperiums Trois Pommes: Die italienische Edelmarke Prada führt in Zukunft alle Schweizer Boutiquen selbst. Mehr...

Traktoren gegen Luxusautos: Reich dank Alibaba
Handel

Chinesische Bauern machen über die Handelsplattform Alibaba ein Vermögen. Vor allem die Plattform Taobao ist für sie zu einer Schatztruhe geworden. Ganze Dörfer sind bereits von ihr abhängig. Mehr...

Ranking

BILANZ Deutschland präsentiert erstmals eine Rangliste der reichsten Deutschen. Ganz vorn liegt der Autozulieferer Schaeffler. Der reichste Deutsche in der Schweiz ist Milliardär Klaus-Michael Kühne. Mehr...

VonWalter Pellinghausen
Chef-Wechsel auf dem Wolfsberg
Sesselwechsel

Seit 1994 leitet er das Ausbildungszentrum Wolfsberg der UBS. Jetzt kehrt Toni Schönenberger dem Bodenseedörfchen Ermatingen TG den Rücken zu. Für die Nachfolge ist bereits gesorgt. Mehr...

Mark Branson: Bald Tellensohn
Einbürgerung

Der Finma-Chef will Schweizer werden und punktet mit Deutschkenntnissen. Mehr...

VonEric Nolmans
Die besten Anbieter für Firmenkunden
Rating

Wer ist der beste Schweizer Telekomanbieter für Firmenkunden? Das 15. Telekom-Rating zeigt: In den meisten Fällen leisten die Nischenplayer mehr als die grossen Carrier. Mehr...

Auftritt

Am 18. September fand der BILANZ Women's Talk im Meylenstein in Zürich statt. Das Thema: «Karriere als Verwaltungsrätin – noch nie so einfach wie heute?». Mehr...


Die aktuelle BILANZ

Telekom: Das sind die besten Anbieter für Firmenkunden. Lesen

Joe Jimenez: In der Schweiz keine Stellenreduktion. Lesen

Trudie Götz: Ciao, Prada. Lesen

UBS: Chef-Wechsel auf dem Wolfsberg. Lesen

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen BILANZ.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die BILANZ alle zwei Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis:

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Mobile lesen