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Martin Ebner - BK Vision

Der Firmenfreibeuter Martin Ebner, 52, hat heute mehr Geld und Einfluss denn je. Tanzt bald die ganze Wirtschaft nach seiner Pfeife?

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HΓΆhenluft
Der AktienhΓ€ndler Martin Ebner ist der erfolgreichste Geldvermehrer des Landes. Begonnen hat der BZ-GrΓΌnder 1985 mit einem Kredit ΓΌber 7 Millionen Franken. Heute kontrolliert er ein 6-Milliarden-Imperium und zieht auf dem Schweizer Finanzplatz die FΓ€den. Mit seiner Attacke gegen die Winterthur-Versicherung hat der umstrittene Shareholder- Aktivist einen neuen HΓΆhepunkt der Macht erlangt.
Denen da oben wollte er es zeigen. Furchtlos wie David, der seinen kolossalen Gegner - trickreich, aber zweifellos zu Recht - mit einem gezielten Kopfschuss niedergestreckt hatte. Als Martin Ebner dem Grand old man der Winterthur-Versicherung, Peter SpΓ€lti, mit geballten AktienaufkΓ€ufen gleichsam die Pistole auf die Brust setzte, liess er dem 66jΓ€hrigen WirtschaftskapitΓ€n keine Chance. Eiskalt drohend zwang er den Mann auf die Knie, der ihn vor wenigen Monaten noch als neuen, massgeblichen MiteigentΓΌmer der Immobilienfirma Intershop begrΓΌsst und dem ramponierten Image des Grossbankenschrecks damit in den wΓ€hlerischen Kreisen des Schweizer Wirtschaftsestablishments zu einer gewissen Rehabilitation verholfen hatte.
Seit der hastig anberaumten Pressekonferenz vom 11. August 1997, anlÀsslich derer die faktische Übernahme der «Winterthur» durch die Credit Suisse Group als wirtschaftshistorisches Ereignis abgefeiert wurde, liess sich trefflich über alle mâglichen Motive spekulieren, die den ehemaligen Handballgoalie SpÀlti dazu veranlasst haben mâgen, mit einem behenden Hechtsprung hinter der Credit Suisse Group in Deckung zu gehen. Soviel steht fest: Ohne Ebners akute Übernahmedrohung hÀtte der frühere Generalstabsoberst einem solchen Defensivmanâver - egal, ob man die faktische Eingliederung des traditionsreichen Versicherungskonzerns unter dem Holdingdach der Credit Suisse nun lieber Fusion, Absorption oder neudeutsch Pooling of Interest nennen mâchte - nie und nimmer zugestimmt. Einen anderen Ausweg als eine kapitalmÀssige Verflechtung aber schien SpÀlti, angesichts von Ebners rasantem Paketaufbau, nicht mehr zu sehen. Nur durch die übereilt vollzogene Anlehnung an einen noch potenteren Partner liess sich verhindern, dass die «Winterthur» vollends zum Spielball von Ebners unwÀgbaren Interessen geriet.

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Der Matador der Schweizer Bankenszene darf sich nach geschlagener Schlacht von den Massenmedien einmal mehr als visionÀrer Finanzstratege und genialer Geldvermehrer feiern lassen. TatsÀchlich ist es dem BZ-Banker und seiner anonymen Entourage auf schier wundersame Weise gelungen, in wenigen Monaten einen Spekulationsgewinn von babylonischen Ausmassen einzufahren - steuerfrei und, um es verkürzt auszudrücken, ohne dafür mehr als auch nur eine messerscharfe Überlegung zu machen. Darüber hinaus hat der schillernde Starbanker im Fall des Winterthurer Assekuranzkonzerns etwas erreicht, was in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte bisher noch keiner bewerkstelligt hat: den ersten erfolgreichen Raid auf ein multinationales Grossunternehmen.
Martin Mauritius Ebner, MultimilliardÀr mit Steuerwohnsitz im Kanton Schwyz, hat just an seinem 52sten Geburtstag eine neue Stufe der Macht erklommen. In angelsÀchsischen Breiten, wo man sich des Treibens von Glücksrittern seines Zuschnitts und der von ihnen immer mal wieder angezettelten Übernahmeschlachten seit geraumer Zeit gewohnt ist, hat der Innerschweizer AktienhÀndler sein Image lÀngst weg: Ein FirmenrÀuber («corporate predator») wird der vermeintliche Robin Hood der AktionÀre von der angesehenen «Financial Times» gescholten, wÀhrend das «Wall Street Journal» in Ebner ein seltenes Exemplar einer in Kontinentaleuropa gegenwÀrtig noch kaum verbreiteten Spezies von aggressiven Shareholder-Aktivisten erkannt hat. Im Fall des von Ebner mit Fleiss befârderten Allfinanz-Mergers zwischen Credit Suisse und «Winterthur» spricht indessen auch das kapitalistische Zentralorgan unverblümt von einem Eheversprechen unter vorgehaltenem Gewehr («shotgun wedding»).

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Der Raider aus Passion, wiewohl erneut um Hunderte von Millionen schwerer, hat damit sein eigentliches PrimΓ€rziel - die alleinige Kontrolle ΓΌber einen international erfolgreichen Finanzkonzern - abermals verfehlt. Man erinnert sich: Als sich Ebner 1993 auf das prestigetrΓ€chtige Duell mit der Schweizerischen Bankgesellschaft einliess, war - psychologisch gesehen - bereits einiges klar. Zumindest fΓΌr Eingeweihte, denn im kleinen Kreis hatte der aufstrebende AktienhΓ€ndler und spΓ€tere GrΓΌnder der ZΓΌrcher BZ Bank den persΓΆnlichen Beweggrund seiner Attacke schon wesentlich frΓΌher offenbart, damals, als er noch in Diensten der Bank Vontobel stand. Wie ehemalige Arbeitskollegen bezeugen kΓΆnnen, hatte Ebner zu Beginn der achtziger Jahre dort mit folgender Γ„usserung Furore gemacht: Sein Ziel sei es, eines schΓΆnen Tages in der Chefetage der Bankgesellschaft aufzukreuzen, um deren obersten ReprΓ€sentanten ultimativ mitzuteilen, dass dieser jetzt sein Β«MΓ€ppliΒ» packen kΓΆnne.
Ein salopper Spruch vielleicht, jedoch mit Sicherheit einer, der im RΓΌckblick manch erhellenden Schluss zulΓ€sst. Wenn ein bodenstΓ€ndiger, aus engen VerhΓ€ltnissen stammender Β«ChrampferΒ» ΓΌberhaupt als elitΓ€r bezeichnet werden kann, so trifft dies bei Ebner, der sich prinzipiell nur mit den Besten misst, vorab auf seinen masslosen Ehrgeiz zu. Bereits als junger Berufseinsteiger war der Sohn eines deutschstΓ€mmigen Druckereiangestellten vom brennenden Wunsch beseelt, den Geldfilz an der Limmat aufzumischen; und zwar dergestalt, dass am Ende womΓΆglich er - gesellschaftlicher ParvenΓΌ und EinzelkΓ€mpfer - bei einem Finanzinstitut von herausragender Statur und Ansehen auf der KommandobrΓΌcke stehen wΓΌrde.

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Begonnen hat Ebners ungemein steile Unternehmerkarriere just an dem Ort, wo sein neuester Triumph wohl am meisten schmerzt: in Winterthur. An der Merkurstrasse 12, einem AnnexgebΓ€ude des ehrwΓΌrdigen Volkart-Rundbaus, startete Martin Ebner im FrΓΌhjahr 1985 jenes Unternehmen, das seither unter der Bezeichnung BZ Bank ZΓΌrich schier unablΓ€ssig fΓΌr Schlagzeilen sorgte. Bekanntlich war es der Rohstofferbe Andreas Reinhart, der dem ehrgeizigen Jungbanker nach seinem Rauswurf bei der Bank Vontobel zum Sprung in die unternehmerische SelbstΓ€ndigkeit verholfen hat. Reinhart, der in der Eulachstadt ΓΌber ein vielfΓ€ltiges Beziehungsnetz verfΓΌgt, empfahl Ebner dem seinerzeitigen Leiter des Winterthurer Bankverein-Sitzes, Bernhard Flotron. Dieser ΓΌberliess dem Spross aus bescheidenem Haus, der damals ausser einem Eigenheim und einigen hunderttausend Franken keine Sicherheiten vorzuweisen hatte, das notwendige Kapital fΓΌr die ErΓΆffnung seiner alsbald florierenden Aktienboutique: einen Kredit in HΓΆhe von sieben Millionen Franken. Wen erstaunt es da noch, wenn derselbe Flotron heute bei Intershop als VR-Delegierter von Ebners Gnaden amtiert und als Belohnung fΓΌr seine frΓΌhe Hilfestellung kΓΌrzlich auch noch den PrΓ€sidentensessel der inzwischen mit einer eigenen Banklizenz ausgestatteten BZ-Tochter OZ (Optionen und Futures AG) besteigen durfte?

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Zu den ersten Kunden von Ebners neugegrΓΌndeter BZ Bank gehΓΆrten die inlΓ€ndischen Versicherungskonzerne, darunter auch die Β«WinterthurΒ». Ihnen gefiel der frische, von amerikanischen Vorbildern geprΓ€gte Way of business, den der blonde FliegentrΓ€ger schon als Leiter der Institutionellensparte bei der Bank Vontobel an den Tag gelegt hatte. Gezielt richtete Ebner auch sein eigenes Unternehmen auf die milliardenschweren KapitalsammeltΓΆpfe der Wirtschaft aus, indem er den verantwortlichen VermΓΆgensverwaltern einen massgeschneiderten Brokerservice offerierte, der damals in der Schweiz andernorts nicht zu bekommen war. Insbesondere das von Ebner mit Verve betriebene BlockhandelsgeschΓ€ft blΓΌhte derart auf, dass sich in den Folgejahren auch vermΓΆgende Privatiers aus dem In- und Ausland, wie etwa Roche-Steuermann Fritz Gerber, Nationalrat Christoph Blocher, RohstoffhΓ€ndler Marc Rich, der Industrielle Stephan Schmidheiny, Fiat-Boss Gianni Agnelli, das FΓΌrstenhaus von und zu Liechtenstein und seine Exzellenz Sultan von Brunei fΓΌr die professionellen Dienste des Hurdeners zu interessieren begannen.
Drei Jahre nach Ebners erfolgreicher FirmengrΓΌndung kam es im FrΓΌhjahr 1988 bereits zum ersten landesweiten Eklat: Β«Die VerwaltungsrΓ€te der Bank Leu und der BZ Bank ZΓΌrich teilen mit, dass GesprΓ€che ΓΌber ein Zusammengehen der beiden Gesellschaften in eine Holding gefΓΌhrt werdenΒ», lautete die Kernaussage eines dΓΌrren CommuniquΓ©s, welches den Nachrichtenagenturen am 5. Mai 1988 durchgefaxt wurde und auf dem Finanzplatz wie eine Bombe einschlug. Die als unverdΓ€chtiges Fusionsprojekt getarnte Nachricht sollte sich Wochen spΓ€ter als erster versuchter Firmenraid entpuppen, den Martin Ebner gemeinsam mit seinem Jugendfreund und seinerzeitigen Leu-PrΓ€sidenten Kurt Schiltknecht sowie Rolf HΓ€nggi, Finanzchef der ZΓΌrich-Versicherung, ausgeheckt hatte. Wie aufgrund von vertraulichen Informationen aus der FΓΌhrungsetage der Leuen bekannt wurde, hΓ€tte das Kapital der ΓΌber Leu und BZ Bank aufzuspannenden Holdinggesellschaft nach den PlΓ€nen der drei wie folgt aufgeteilt werden sollen: Weniger als die HΓ€lfte der verfΓΌgbaren Stimmen wΓ€re den bisherigen Leu-AktionΓ€ren zugeteilt worden, womit sich diese a priori in der Minderheit befunden hΓ€tten. Rund 30 Prozent wollten sich Ebner und die namenlosen Gesellschafter der BZ-Gruppe sichern, und die restlichen 22 Stimmenprozente wΓ€ren der ZΓΌrich-Versicherung zugefallen, die via Rolf HΓ€nggi, dem Offiziersschulkollegen von Major Martin Ebner, damals ebenfalls eng mit der BZ-Gruppe verbandelt war. WΓ€hrend Schiltknecht weiterhin als VR-PrΓ€sident amtieren wΓΌrde, sollte HΓ€nggi den Job des VizeprΓ€sidenten ΓΌbernehmen und Ebner den Part des GeschΓ€ftsfΓΌhrers spielen.

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Bekanntlich wurde das umstrittene Holding-Projekt, das auf ein Takeover des ZΓΌrcher Kreditinstituts hinausgelaufen wΓ€re, vom Verwaltungsrat der Leuenbank nach vierwΓΆchigem, intensivem Seilziehen letztendlich abgeschmettert. Zwei Jahre danach verlor die traditionsreiche Bank dann gleichwohl ihre UnabhΓ€ngigkeit und landete in den FΓ€ngen von Rainer Guts CS Holding. Ende 1993 trat auch Ebner sein Leu-Paket mit einem BΓΆrsenwert von ΓΌber 150 Millionen Franken an die CS Holding ab (fΓΌr jeweils sechs Leu-Aktien erhielt die Ebnersche BK Vision je eine CS-Inhaberaktie plus eine Barauszahlung von 720 Franken). Ebner taktierte geschickt und verkaufte die eingetauschten Aktien kurze Zeit spΓ€ter an die Credit Suisse zurΓΌck, wobei er erneut eine ansehnliche PrΓ€mie herausschlug. Β«Ebner drohte, der CS das Leben so schwer zu machen, dass er einen hohen Paketzuschlag herausholen konnteΒ», wurde die Transaktion seinerzeit vom Fachmagazin Β«Business WeekΒ» kommentiert: Β«The closest thing to greenmail Switzerland has seen.Β» Frohe Aussichten fΓΌr CS-PrΓ€sident Rainer Gut also, wenn er nach erfolgtem Titeltausch mit der Β«WinterthurΒ» den ihm wohlbekannten BZ-Strategen abermals im Aktionariat seiner erweiterten Grossbankengruppe willkommen heissen darf? Im Unterschied zu damals freilich wΓΌrde Ebner - vorausgesetzt, er liefert sein Aktienpaket tatsΓ€chlich ein - auf einen Schlag zum mit Abstand grΓΆssten EinzelaktionΓ€r der Credit Suisse.

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Parallelen zur 1988 gescheiterten Leu-Übernahme, wie sie nach der Ankündigung des erzwungenen Allfinanz-Mergers verschiedentlich insinuiert wurden, hÀlt Kurt Schiltknecht, seit 1990 verantwortlicher Leiter von Ebners BZ Trust, für an den Haaren herbeigezogen. «Wir hatten damals sehr prÀzise Vorstellungen», erinnert sich der Professor. «Sogar das neue Organigramm war schon gezeichnet.» Und im neuesten Fall? Wenn ein gewichtiger AktionÀr ausdrücklich eine Beteiligung von über 50 Prozent anstrebe, so Schiltknecht, liege es doch auf der Hand, dass man mit der betroffenen Gesellschaft auch StrategiegesprÀche führe. Natürlich hÀtten in den letzten Wochen bei verschiedenen Kontakten mit der «Winterthur»-Spitze auch diverse Mâglichkeiten einer mehr oder weniger engen Zusammenarbeit - etwa im Bereich der Beratung oder einer Einsitznahme der BZ im Verwaltungsrat der Versicherung - zur Debatte gestanden. Jedoch: «Über ein konkretes Zusammengehen wie im Fall der Bank Leu wurde nie diskutiert.»
Dass entsprechende Verhandlungen tatsΓ€chlich stattgefunden haben, wird auch seitens der Versicherung bestΓ€tigt. Β«Wir haben das GesprΓ€ch mit Herrn Ebner immer gesuchtΒ», beteuert der entmachtete Β«WinterthurΒ»-Boss Peter SpΓ€lti im Nachhinein seinen Kooperationswillen. AllfΓ€llige Synergien, die aus einer Zusammenarbeit mit Ebners Aktienboutique hΓ€tten entstehen kΓΆnnen, schien man in der Chefetage des Versicherungsmultis hingegen nur mit MΓΌhe zu orten. Aufgrund ihrer beschrΓ€nkten Kundenbasis hΓ€tte die BZ-Gruppe dem international tΓ€tigen Versicherungsriesen kaum zusΓ€tzliche VertriebskanΓ€le anbieten kΓΆnnen. In Tat und Wahrheit scheiterten Ebners Avancen aber an einem sehr viel tiefer liegenden Problem, seiner mangelnden GlaubwΓΌrdigkeit. Was hΓ€tte der schlaue Taktierer, einmal an den Hebeln der Macht, mit dem milliardenschweren Traditionshaus vorgehabt? HΓ€tte er es wie eine fette Weihnachtsgans geschlachtet, in seine Einzelteile zerlegt und diese anschliessend gewinnbringend an die auslΓ€ndische Konkurrenz verscherbelt? Man weiss es nicht. Sicher ist nur, dass der Raider aus ZΓΌrich - und dies nicht allein an der Eulach - ein erhebliches Imageproblem hat. Β«I don’t want him to piss on my deskΒ», Γ€ussert in diesem Zusammenhang ein ranghoher Β«WinterthurΒ»-Mann seine BefΓΌrchtungen.

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«Der BZ-Gruppe gelingt es, die Aktienmehrheit zu erwerben. Mit einem starken AktionÀr im Rücken würden Verwaltungsrat und GeschÀftsleitung der Winterthur die 1992 neu formulierte Strategie noch rascher und konsequenter umsetzen», heisst es beschwichtigend im ersten, von Martin Ebner prÀferierten Szenario eines ominâsen AktionÀrsbriefs, den der BZ Trust seiner Kundschaft am 6. August zustellen liess. Ominâs wirkte das Schreiben, in welchem unter Variante zwei auch gleich noch die geplante Übernahme durch die Credit Suisse Group ausposaunt wird, nicht nur aufgrund seines geschickt gewÀhlten Erscheinungsdatums, sondern vor allem, weil es provokativ mit «Sommerliche Visionen» überschrieben war.
Dazu muss man wissen, dass die Fusionsvorbereitungen der beiden Konzerne - wie in solchen FΓ€llen ΓΌblich - unter strenger Geheimhaltung vorangetrieben wurden, mit dem vorrangigen Ziel, allfΓ€llige InsidergeschΓ€fte an der BΓΆrse zu verunmΓΆglichen. Seit der Entscheid fΓΌr eine kapitalmΓ€ssige Verflechtung Mitte Juni in den beiden Konzernzentralen gefallen war, wurde das Mergerprojekt intern Β«AlbaniΒ» genannt. Um die beteiligten Akteure ihrerseits zu anonymisieren, erhielt die Versicherung den Codenamen Β«DupontΒ» (dem Vernehmen nach besitzt die Industriellenfamilie Du Pont in den USA eine Villa namens Winterthur), wΓ€hrend der Credit Suisse Group zwecks Verschleierung ihrer IdentitΓ€t die Bezeichnung Β«SummerΒ» (englisch fΓΌr Sommer) ΓΌbergestΓΌlpt wurde.

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Die Koinzidenz mit dem Titel des besagten AktionΓ€rsbriefs bezeichnet BZ-Sprecher Schiltknecht locker als Β«amΓΌsanten ZufallΒ», da man im voraus, wie er versichert, von den geheimen FusionsplΓ€nen der Gegenseite nichts gewusst habe. Eine pure Schutzbehauptung? Als erfahrener Prognostiker wird der Wirtschaftsprofessor wohl wissen, dass man die sogenannte Szenariotechnik in der Regel bei Entscheidungen unter Unsicherheit anwendet. Nur: So engmaschig wie die InformationskanΓ€le auf dem ZΓΌrcher Bankenplatz gewirkt sind, kann aus heutiger Sicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass das Ebner-Lager von den Fusionsabsichten nicht vorzeitig Wind bekommen hat. Aufgrund der historischen Dimensionen des Deals waren im Endstadium allein auf seiten der Β«WinterthurΒ» Dutzende von Mitarbeitern in die Vorbereitungsarbeiten involviert. Von Insiderproblematik wagt man schon deshalb kaum zu sprechen, weil bei der EidgenΓΆssischen Bankenkommission (EBK) - zu der die BZ-Gruppe traditionell beste Beziehungen pflegt - mindestens ein halbes Dutzend Personen ΓΌber den bevorstehenden Megamerger im Bild gewesen sind.
Wie extensiv das SchlΓΌsselwort Diskretion auf dem Schweizer Bankenplatz von gewissen Kreisen ausgelegt wird, demonstriert auch Ebners gezielte Indiskretion vom 10. Juli 1997, als er vor Medienschaffenden an seinem Wohnsitz in Wilen die Schweizer RΓΌck in kΓΌhler Voraussicht als weiteren MiteigentΓΌmer von SpΓ€ltis Versicherungsgruppe outete. Ebner, der zu jenem Zeitpunkt zusammen mit seinen Kunden bereits ein Viertel sΓ€mtlicher Β«WinterthurΒ»-Aktien aufgekauft hatte, plauderte den bΓΆrsenrelevanten Sachverhalt mit der leicht fadenscheinigen BegrΓΌndung aus, die BZ-Gruppe habe mit ihrer Kenntnis der infolge einer Β«BriefpanneΒ» rein zufΓ€llig erhaltenen News nicht zum Β«Winterthur-InsiderΒ» werden wollen. Β«Die Art und Weise, wie die ganze Sache aufgepuscht wurde, riecht eigentlich stark nach versuchter KursmanipulationΒ», kommentierte ungewohnt scharf die Β«Basler ZeitungΒ».

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Ist das ganze Theater um die Β«Sommerlichen VisionenΒ» mithin eine Farce, Ebners plumper Versuch, sich bei seiner AnhΓ€ngerschaft als scharfsichtiger VisionΓ€r zu profilieren? Selbst wenn der stets gut informierte AktienhΓ€ndler von nichts gewusst haben sollte, wΓ€re es naiv, bei den von Ebner im Vorfeld publizierten Alternativszenarien von einer Entscheidungssituation unter Unsicherheit zu sprechen. In engen MΓ€rkten - eine Bezeichnung, die auf den Handel mit Β«WinterthurΒ»-Titeln fraglos zutrifft - wirkt der Einstieg eines finanziellen Power-Hauses wie der BZ-Gruppe zwangslΓ€ufig als Β«self fullfilling prophecyΒ». Von den Myriaden von Trittbrettfahrern, die sich an der BΓΆrse tummeln, ganz zu schweigen. Im ΓΌbrigen wird rΓΌckblickend keiner behaupten wollen, dass es besonderen SpΓΌrsinns oder gar hellseherischer FΓ€higkeiten bedurfte, um zu erkennen, dass die Aktien der Β«WinterthurΒ» schon seit lΓ€ngerer Zeit markant unterbewertet waren.
Immerhin konnte Ebner mit seinem jΓΌngsten Coup endlich wieder einmal beweisen, dass er nebst juristischen Dauerquerelen auch noch in der Lage ist, fΓΌr seine AktionΓ€re hin und wieder finanziellen Β«MehrwertΒ» zu schaffen. Ein Beweis, den er bei seiner jahrelangen Belagerung der Schweizerischen Bankgesellschaft (heute UBS) schuldig geblieben ist. Als Ebner im April 1993 zum Angriff auf dieses urschweizerische Bollwerk des Geldes ansetzte, war das Institut noch voll im Saft. Gemessen an den verwalteten KundenvermΓΆgen war (und ist) die SBG gewissermassen ein Supertanker, der allein schon aufgrund seiner schieren Tonnage im Publikum Respekt erheischt. So galt die militΓ€risch straff gefΓΌhrte Bank denn auch international unumstritten als Flaggschiff des helvetischen Finanzplatzes - zumindest so lange, bis Ebner mit dem Ruf zum Entern auf den Lippen den Koloss zu destabilisieren begann.

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