Abo
US-Vorwahl

Marco Rubio: Der Mann zwischen Trump und Cruz

Nicht ganz so rechts und nicht ganz so verrückt: Der Republikaner Marco Rubio gilt plötzlich als Hoffnungsträger der Gemässigten, der seine radikaleren Konkurrenten ausbremsen soll. Doch wer ist er?

Anfang Februar haben die Vorwahlen zu den amerikanischen Präsidentschaftswahlen begonnen. Bei den Demokraten sind inzwischen noch zwei Bewerber im Rennen.Hillary Clinton – «Hillary for America»Für die demokratische Präsidentschaftskandidatur gilt Hillary Clinton als Favoritin. Die 68-Jährige hat finanzkräftige Unterstützer und eine mächtige Wahlkampfmaschine – allerdings kratzt die Affäre um ihre private E-Mail-Nutzung als Aussenministerin an ihrer Glaubwürdigkeit.
Bernie Sanders – «A Political Revolution Is Coming»Von links setzt Bernie Sanders Clinton unter Druck. Der Senator aus Vermont beschreibt sich selbst als demokratischer Sozialist. Der 74-Jährige kämpft gegen die ungleiche Verteilung von Reichtum und erhält mit diesem Programm insbesondere Zulauf von jungen Wählern.
Bei den Republikanern kämpfen noch drei Bewerber um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten.Donald Trump – «Make America Great Again»Der Immobilien-Magnat Donald Trump ist als Milliardär von Spenden unabhängig. Seine Erfolgsserie bei den Vorwahlen überrascht Experten und politische Gegner. Der 69-Jährige sorgt mit seiner undiplomatischen Art für Kontroversen. Viele Anhänger findet er bei Wählern, die wütend und enttäuscht von der politischen Elite sind.
Ted Cruz – «Reigniting the Promise of America»Ted Cruz, Senator aus Texas, wurde mit seinem Kampf gegen Obamas Gesundheitsreform zum Liebling der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung. Mit dem republikanischen Establishment ist der Harvard-Absolvent zerstritten und bei seinen Kollegen im Senat wenig beliebt. Im Laufe des Wahlkampfs sah sich der 45-jährige Sohn einer US-Bürgerin und eines Kubaners damit konfrontiert, ob er wegen seiner Geburt in Kanada überhaupt Präsident werden dürfe.
John Kasich – «K for Us»Der 63-jährige Kasich ist ehemaliger Investmentbanker bei Lehman Brothers und Gouverneur von Ohio. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Politik und wird als Kandidat der politischen Elite gehandelt, inzwischen gilt er jedoch als chancenlos.
Nach dem Start der Vorwahlen haben folgende Kandidaten ihre Ambitionen begraben müssen:Martin O'Malley – «Rebuild The American Dream»Wie Sanders umgarnte Martin O'Malley den linken Flügel der Demokraten. In Umfragen war er aber stets weit abgeschlagen. Der 53-Jährige amtete Bürgermeister der Ostküstenstadt Baltimore und Gouverneur von Maryland.
Marco Rubio – «A New American Century»Der Republikaner Marco Rubio wurde im Zuge der Tea-Party-Bewegung in Florida zum Senator gewählt, dann aber machte sich der 44-Jährige mit seiner Unterstützung einer gescheiterten Einwanderungsreform bei den Erzkonservativen unbeliebt. Im Laufe der Vorwahlen ist der Hispanic zum Hoffnungsträger des republikanischen Establishments geworden. Nachdem er aber auch seinen Heimatstaat Florida nicht gewinnen konnte, zog er sich aus dem Rennen zurück.
Rand Paul – «Defeat the Washington Machine. Unleash the American Dream»Auf das Allernötigste reduzieren wollte Rand Paul den Einfluss des Staates. Zugleich vertrat der 53-jährige Senator aus Kentucky eher liberale Haltungen in der Drogenpolitik und beim Schutz der Bürgerrechte.
Mike Huckabee – «From Hope to Higher Ground»Der einstige Baptistenprediger und frühere Gouverneur von Arkansas bemühte sich besonders um den Wählerblock der evangelikalen Christen.
Rick Santorum – «Restore the American Dream for Hardworking Families»Die gleiche Zielgruppe hatte auch Ex-Senator Rick Santorum im Visier.
Carly Fiorina – «New Possibilities. Real Leadership»Carly Fiorina war die einzige Frau unter den republikanischen Bewerbern. Die 61-Jährige priess ihre Erfahrung als Topmanagerin - auch wenn sie den Computerkonzern Hewlett-Packard einst auf Druck unzufriedener Aktionäre verlassen musste.
Jeb Bush – «Jeb!» oder «Jeb Can Fix It»Dank seiner Herkunft hat Jeb Bush beste Kontakte ins republikanische Establishment und zu Geldgebern: Der Ex-Gouverneur von Florida ist der Sohn von George H.W. und Bruder von George W. Bush, die beide schon im Weissen Haus sassen. Dennoch haben sich die republikanischen Wähler nicht gross für den 62-Jährigen interessiert.
Chris Christie – «Telling it Like it Is»Als Gouverneur von New Jersey hatte Chris Christie mit zupackendem Auftreten und unverblümter Sprache auch Wähler der politischen Mitte überzeugt. An der republikanischen Basis galt der 53-Jährige vielen aber als zu liberal.
Ben Carson – «Heal. Inspire. Revive.»Der ehemalige Neurochirurg Ben Carson warb mit seinem Status als Quereinsteiger und politischer Neuling. Der 64-Jährige war der einzige Afroamerikaner im Präsidentschaftsrennen. Nach einem Höhenflug in den Umfragen im Herbst verlor er an Zustimmung und galt schnell als chancenlos.
Jim Gilmore – «Gilmore for America»Praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit bewarb sich Virginias Ex-Gouverneur Jim Gilmore um die Republikaner-Kandidatur.Quelle: sda / Bilder: Keystone
1 / 15
Anfang Februar haben die Vorwahlen zu den amerikanischen Präsidentschaftswahlen begonnen. Bei den Demokraten sind inzwischen noch zwei Bewerber im Rennen.Hillary Clinton – «Hillary for America»Für die demokratische Präsidentschaftskandidatur gilt Hillary Clinton als Favoritin. Die 68-Jährige hat finanzkräftige Unterstützer und eine mächtige Wahlkampfmaschine – allerdings kratzt die Affäre um ihre private E-Mail-Nutzung als Aussenministerin an ihrer Glaubwürdigkeit. RMS

Werbung

Im Rennen um die Präsidentschaftskandidaturen der US-Demokraten und Republikaner wird heute (Dienstag) mit richtungsweisenden Entscheidungen gerechnet. Am sogenannten Super Tuesday stimmen die Wähler in einem Dutzend Bundesstaaten darüber ab, mit wem ihre Partei bei der Präsidentenwahl am 8. November antreten soll. Bei den Republikanern tritt Marco Rubio gegen Ted Cruz und Immobilien-Milliardär Donald Trump an.
Marco Rubio ist der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber mit dem Jungengesicht. Aber sein Aussehen trügt. Der Sohn kubanischer Einwanderer ist alles andere als ein Weichei. Er weiss, was er will. Und was er will, geht er zielstrebig an.

So stellen sich wohl viele einen idealen Schwiegersohn vor. Gut sieht Rubio aus mit seinen flinken Augen und dem ordentlich gescheitelten braunen Haar. Immer wie aus dem Ei gepellt, auch im Pulli. Und wenn er lacht, dann wird sein jungenhaftes Gesicht noch um ein paar Jahre jünger. Nicht, dass er das nötig hätte. Der Präsidentschaftsbewerber und Senator aus Florida ist erst 44. Daher meinen manche auch, dass er gut noch etwas hätte warten können, bevor er das Weisse Haus ansteuert. Aber sich Zeit lassen - das war nie Rubios Stärke.

Sogar Kritiker attestieren ihm Talent

Hinter dem «Babyface» verbirgt sich ein Mann, der extrem ambitioniert ist und vor Selbstbewusstsein strotzt - das alles gepaart mit Eloquenz, rascher Auffassungsgabe und einem scharfen politischen Verstand. Auch Kritiker sind sich einig: Rubio hat viel Talent.

«Mein ganzes bisheriges Leben bin ich in Eile gewesen, meine Zukunft zu erreichen», beschreibt Rubio in seinen Memoiren «An American Son» sein Tempo. Es ist ein Ehrgeiz, der nicht immer gut ankommt. «Marco war der Prinz - er war der Auserwählte», schildert ein einstiger Unterstützer im Magazin «The New Yorker». «Du konntest förmlich sehen, wie er darüber entschied, was sein nächster Schritt auf der Leiter nach oben ist.»

Partner-Inhalte

Ein Mann für alle

Bisher hat es sich ausgezahlt. Sechsmal hat Rubio in der Vergangenheit für einen politischen Posten kandidiert - und immer gewonnen, zuletzt 2010 bei der Senatswahl. Und jetzt könnte er sich als der einzige Bewerber herauskristallisieren, der den Populisten Donald Trump im republikanischen Rennen noch stoppen kann.

Rubio selber betrachtet sich als ein Brückenbauer, jemand, der die gespaltene Partei zusammenführen kann. Eben als das frische Gesicht, wie es sich viele republikanische Anti-Establishment-Wähler wünschen, aber nicht so extrem wie Trump oder Senator Ted Cruz. Ein Mann für alle, von der Tea Party bis zur alten Parteigarde.

«Politische Fingerfertigkeit»

So etwas erfordert einen Spagat, und Rubio kann das. Der «New Yorker» hat eine andere Bezeichnung dafür: «The Opportunist» überschrieb er einen Bericht über Rubios «politische Fingerfertigkeit». Darin wird aufgezeigt, wie Rubio seine Positionen verwässert oder verschoben hat, um sie Stimmungen und seiner politischen Karriere anzupassen.

Tatsächlich hat er manchmal sogar versucht, es gleich zwei Seiten auf einmal Recht zu machen. So stimmte er im Januar für eine Senatsresolution, in der es heisst, dass der Klimawandel «real» sei. Aber dass er von Menschenhand verursacht wurde, daran äussert Rubio gern und häufig Zweifel. Ähnlich taktiert er, wenn es um das Thema Abtreibungen bei Inzest und Vergewaltigung geht. Oft - sicher ist sicher - fügt er in Antworten seinem politischen Standpunkt einen abweichenden persönlichen hinzu.

Werbung

Meist stramm konservativ

Wird Rubio immer noch häufig als moderat bezeichnet, ist er inzwischen zunehmend nach rechts gerückt, in den meisten Punkten stramm konservativ. Er ist gegen die Ehe von Homosexuellen, verschärfte Waffengesetze, würde bei einem Wahlsieg Obamacare - die Gesundheitsreform - rückgängig machen und die Unternehmenssteuern kräftig senken.

In Sachen Immigration distanzierte er sich nach innerparteilicher Kritik von einem von ihm selber mitinitiierten Gesetzentwurf im Senat, der für illegale Immigranten einen Weg zur US-Staatsbürgerschaft vorsah. Das Gesetz scheiterte am Ende, und Rubio räumt nun der Befestigung der US-Grenzen Priorität ein.

Atomdeal mit Teheran lehnt er ab

In der Aussenpolitik zählt er klar zu den Falken, will ein deutlich stärkeres Auftreten gegen Nordkorea, Russland und den Iran. Den Atomdeal mit Teheran lehnt er ab.

Das gilt auch für die von Präsident Barack Obama eingeleitete Normalisierung der Beziehungen zu Kuba. Er selber wurde am 28. Mai 1971 als Sohn kubanischer Einwanderer geboren, die Mutter arbeitete als Putzfrau, der Vater als Barkeeper, wie er immer wieder schildert.

Hohe Schulden angehäuft

Marco Antonio studierte Jura, aber interessierte sich schon frühzeitig für die Politik. Zuerst arbeitete er für eine Kongressabgeordnete, dann 1996 im Wahlkampf des damaligen Präsidentschaftskandidaten Bob Dole. Vier Jahre später zog er in den staatlichen Kongress in Florida ein, arbeitete sich dort - gefördert vom seinerzeitigen Gouverneur Jeb Bush - zum Parlamentspräsidenten hoch und zog schliesslich in den Washingtoner Senat ein.

Bereits 1998 heiratete er seine Jugendliebe Jeanette, die kolumbianische Wurzeln hat. Zusammen haben sie vier Kinder. Rubio, ein Katholik, ist ein Familienmann, seine Kinder sind manchmal tagelang im Wahlkampf mit dabei.

Einholen könnte ihn der Vorwurf, dass er offenbar schlecht mit Geld umgehen kann, Buchhaltung nicht seine Stärke ist, wie er selber in seinem Memoiren einräumt. So häufte er früher hohe Schulden an, unter anderem, indem er sich ein Schnellboot leistete. Allerdings hat er seine Finanzen mittlerweile in Ordnung gebracht.



Werbung

Ungeduld als Triebfeder

Seine Präsidentschaftskandidatur hat auch damit zu tun, dass ihm die Arbeit im Senat nicht behagte - wie es heisst, war sie zu langsam für ihn. Und dann hatte er auch wenig Erfolg bei seinen Gesetzesinitiativen. Dennoch waren viele überrascht, als er seine Kandidatur erklärte - trat er doch damit auch gegen seinen früheren Mentor Bush an.

Aber wieder einmal setzte sich die Ungeduld durch. Einem Freund soll Rubio gesagt haben: «Ich habe keine Angst, zu früh anzutreten. Ich habe Angst, zu lange zu warten.»

(sda/ccr)
Die wichtigsten Termine auf dem Weg ins Weisse Haus:
In den USA sind die Vorwahlen in vollem Gange: Das Teilnehmerfeld der möglichen Kandidaten hat sich bereits deutlich gelichtet. Bei den Demokraten kämpfen noch Hillary Clinton und Bernie Sanders um die Nominierung, bei den Republikanern scheint Donald Trump als Kandidat gesetzt, nachdem sich alle übrigen Anwärter zurückgezogen haben. Die wichtigsten Termine auf dem Weg ins Weisse Haus:
Mitte Juni stehen die letzten Vorwahlen an, danach folgt die nächste Etappe.Offiziell auf ihre Kandidaten festlegen werden sich die Parteien an ihren Parteitagen. Stehen die jeweiligen Präsidentschaftsanwärter schon vorher fest, verkommen die Parteitage zu blossen Show-Veranstaltungen.Parteitag der Republikaner – 18. bis 21. Juli in Cleveland, Ohio
Parteitag der Demokraten – 25. bis 28. Juli in Philadelphia, PennsylvaniaHier bestimmen die Demokraten die möglichen Nachfolger von Barack Obama und Vizepräsident Joe Biden.
Erste Fernsehdebatte der Präsidentschaftskandidaten – 26. SeptemberZum ersten Mal stehen sich die Kandidaten der beiden Parteien in Dayton, Ohio gegenüber. Zwei weitere Fernsehdebatten finden im Oktober in St. Louis, Missouri und Las Vegas, Nevada an.
Fernsehdebatte der Kandidaten um die Vize-Präsidentschaft – 4. OktoberAuch die beiden möglichen Vizepräsidenten müssen sich den Fragen eines TV-Moderators stellen.
Wahltag – 8. NovemberAnfang November wird schliesslich der nächste Präsident der USA gewählt. Gleichzeitig wird das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu bestimmt.
Vereidigung des neuen US-Präsidenten – 20. Januar 2017Anfang 2017 wird der Sieger oder die Siegerin der Wahlen vereidigt und tritt damit als 45. Präsident die Nachfolge von Barack Obama im Weissen Haus an.Bilder: Keystone / Quelle: Reuters
1 / 7
In den USA sind die Vorwahlen in vollem Gange: Das Teilnehmerfeld der möglichen Kandidaten hat sich bereits deutlich gelichtet. Bei den Demokraten kämpfen noch Hillary Clinton und Bernie Sanders um die Nominierung, bei den Republikanern scheint Donald Trump als Kandidat gesetzt, nachdem sich alle übrigen Anwärter zurückgezogen haben. Die wichtigsten Termine auf dem Weg ins Weisse Haus: RMS

Werbung