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Protest

Hollywoodstar rebelliert wegen HSBC-Skandal

Der HSBC-Skandal verägert die oberste Garde von Hollywood-Schauspielern: Die zweifache Oscar-Gewinnerin Emma Thompson legt sich mit den britischen Behörden an – denn sie will keine Steuern mehr zahlen

Dominic Benz

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Emma Thompson: Die Schauspielerin legt sich mit den Behörden an.   Keystone RMS

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Der Skandal um den Schweizer Ableger der britischen Grossbank HSBC verärgert die oberste Garde von Hollywood-Schauspielern. Die zweifache Oscar-Preisträgerin und gebürtige Londonerin Emma Thompson ist nun der Kragen geplatzt: Sie und ihr Ehemann, Schauspieler Greg Wise, wollen in England keine Steuern mehr zahlen. Und zwar solange, bis die in den Skandal verwickelten Personen im Gefängnis sitzen.

«Ich werde keine Steuern mehr zahlen, bis jeder einzelne seine Steuern zahlt», sagte Wise gegenüber dem «Evening Standard». Er verstehe sich als Sozialisten und habe immer gerne Steuern gezahlt. «Aber HSBC widert mich an», sagt er. Ebenso habe er die Nase von der britischen Steuerbehörde voll. «Und ich werde keinen einzigen Penny mehr bezahlen, bis diese üblen Bastarde im Gefängnis sitzen», sagt der Engländer.

«Wir würden ins Gefängnis gehen»

Laut Wise will sich auch Ehefrau Emma Thompson dem Boykott anschliessen. «Sie ist gleicher Meinung wie ich», sagt Wise. Zusammen wollen sie noch andere Prominente an Bord holen. Wise spricht von einer «Bewegung». Für ihre Handlungen würden sie auch die Konsequenzen tragen. «Wir würden falls nötig ins Gefängnis gehen. Ich meine es ernst.» Es werde wie 1848 sein, so Wise und spielt damit auf die Revolutionsjahre in Europa an.

Die Grossbank HSBC steht stark unter Druck. Anfang Februar kamen schmutzige Geschäfte der Genfer Niederlassung ans Licht. Ein Konsortium von Journalisten hat gestohlene Kontoinformationen von mehr als 100'000 HSBC-Kunden ausgewertet. Dabei hat sich gezeigt, dass etliche Kunden der Schweizer Niederlassung in Steuerhinterziehung, Terrorfinanzierung, Drogen- und Waffenhandel involviert waren. Davon habe auch die Bank profitiert. Sie soll ihren Kunden bei den illegalen Praktiken geholfen haben.

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Britische Behörden ermitteln kaum

Ebenso ins Zwielicht geraten ist HSBC-Chef Stuart Gulliver. Er nutzte vor einigen Jahren für sein millionenschweres Einkommen ein Schweizer Konto und eine Briefkastenfirma in Panama. Kritik wegstecken muss auch die britische Steuerbehörde. Sie hat bisher kaum Ermittlungen gegen die illegalen Machenschaften aufgenommen. Tatsächlich waren die HSBC-Unterlagen den Behörden schon lange bekannt, gelangten aber erst viel später an die Öffentlichkeit.

Die britischen Behörden haben unter den 7000 britischen Kunden der Schweizer HSBC-Niederlassung rund 1000 Steuersünder ausgemacht. Bisher wurde aber nur eine Person rechtlich verfolgt, schreibt die renommierte britische Tageszeitung «The Guardian». Gut 135 Millionen Pfund, also knapp 200 Millionen Schweizer Franken, seien versteuert worden. Das sei aber eine tiefere Zahl als in anderen Ländern Europas.

Wise fordert zum Handeln auf

Schauspieler Greg Wise stossen diese Verfehlungen sauer auf. «Ich kann Ungerechtigkeit nicht ausstehen», sagt er gegenüber dem «Evening Standard». Unternehmen wie HSBC seien für ihre dubiosen Geschäfte nie zur Rechenschaft gezogen worden. Das sei ungeheuerlich. «Wir müssen dagegen etwas tun – kommt schon, Leute.»

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Verschiedene Stars und politische Berühmtheiten parkten Geld bei der HSBC Schweiz. Hier eine kleine Auswahl. Der uruguayische Fussballspieler feierte zahlreiche Erfolge und Auszeichnungen. Diego Forlán ist Rekordnationalspieler von Uruguay. Fortan besass zwei Kundenkonten bei der HSBC seit dem Jahr 2006.Bilder: Keystone
Flavio Briatore zählt durch seine Beziehungen und Affären mit bekannten Models zu den schillernden Persönlichkeiten. Ein Sohn ging aus der Beziehung des ehemaligen Formel-1-Managers mit dem deutschen Model Heidi Klum hervor. Flavio Briatore hatte neun Kundenkonten bei der HSBC, denen insgesamt 38 Bankkonten zugeordnet werden. Er parkte 73 Millionen Dollar bei der Bank.
Der jordanische König Abdullah II Ibn Al-Hussein genoss eine Ausbildung an der Kadettenschule der Militärakademie Sandhurst. König Abdullah II bin Al-Hussein gehörte seit 2006 zum Kundenstamm der HSBC. Er hatte dort drei Bankkonten mit einem Guthaben von 42 Millionen Dollar.
Der amerikanische Schauspieler Christian Slater ist bekannt durch zahlreiche TV-Serien und Filme wie «Robin Hood - König der Diebe» oder «Interview mit einem Vampir». Christian Slater führte von 1996 bis 1997 ein Kundenkonto bei der HSBC. Seine genauen Aktivitäten sind nicht bekannt.
Bahrains Scheich Salman bin Hamad Al-Khalifa nutze ebenfalls die Dienstleistungen der HSBC Schweiz. Er war seit 2001 Kunde bei der HSBC und hielt dort auf diversen Konten ein Vermögen von knapp 21 Millionen Dollar. Steuerhinterziehung ist ihm nicht nachgewiesen.
Der Sultan von Oman, Qaboos bin Said, figuriert ebenfalls auf der Kundenliste. In den 70er-Jahren vereinte er zwar den Golfstaat und schlug den Weg der Modernisierung ein. Er gilt aber als absoluter Monarch. Er sammelte zu 45 Millionen Dollar bei der HSBC. Der Sultan wollte sich zu den Konten nicht äussern. Gesetzesbruch kann ihm nicht nachgewiesen werden.
Der libanesisch-brasilianischer Bankier Edmond J. Safra arbeitete bis kurz vor seinem Tod für das Familienunternehmen. 26 Tage nach seinem Tod im Jahr 1999 wurde ein Bankkonto mit 4,6 Millionen Dollar von seiner Frau eröffnet. Dies ist nur eines von vielen Konten, welche die Safras bei der HSBC hatten.
Elias Murr ist der Verteidigungsminister von Libanon und setzt sich für eine sichere Welt ein. Sein Name wird ebenfalls mit einem Bankkonto bei der Schweizer HSBC in Verbindung gebracht.
Russland sucht den 47 jährigen belgisch amerikanischen Doppelbürger Kenneth Lee Akselrod wegen Diamantenhandel und Steuerflucht. Seine Spur führt auch zu einem Bankkonto in der Schweiz.
Ebenfalls gesucht wird der Belgier Mozes Victor Konig wegen grossangelegten Raubzügen und Waffenhandel. Auch er verfügte in der Vergangenheit über ein Bankkonto bei der HSBC.
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RMS

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