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US-Wahlen

Der Kampf ums Weisse Haus beginnt in Iowa

Die heisse Phase des US-Präsidentschaftswahlkampf beginnt: Die Vorwahlen in Iowa gelten als Omen für das Rennen ums Weisse Haus. Das Duell könnte Clinton gegen Trump lauten. Könnte.

Anfang Februar haben die Vorwahlen zu den amerikanischen Präsidentschaftswahlen begonnen. Bei den Demokraten sind inzwischen noch zwei Bewerber im Rennen.Hillary Clinton – «Hillary for America»Für die demokratische Präsidentschaftskandidatur gilt Hillary Clinton als Favoritin. Die 68-Jährige hat finanzkräftige Unterstützer und eine mächtige Wahlkampfmaschine – allerdings kratzt die Affäre um ihre private E-Mail-Nutzung als Aussenministerin an ihrer Glaubwürdigkeit.
Bernie Sanders – «A Political Revolution Is Coming»Von links setzt Bernie Sanders Clinton unter Druck. Der Senator aus Vermont beschreibt sich selbst als demokratischer Sozialist. Der 74-Jährige kämpft gegen die ungleiche Verteilung von Reichtum und erhält mit diesem Programm insbesondere Zulauf von jungen Wählern.
Bei den Republikanern kämpfen noch drei Bewerber um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten.Donald Trump – «Make America Great Again»Der Immobilien-Magnat Donald Trump ist als Milliardär von Spenden unabhängig. Seine Erfolgsserie bei den Vorwahlen überrascht Experten und politische Gegner. Der 69-Jährige sorgt mit seiner undiplomatischen Art für Kontroversen. Viele Anhänger findet er bei Wählern, die wütend und enttäuscht von der politischen Elite sind.
Ted Cruz – «Reigniting the Promise of America»Ted Cruz, Senator aus Texas, wurde mit seinem Kampf gegen Obamas Gesundheitsreform zum Liebling der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung. Mit dem republikanischen Establishment ist der Harvard-Absolvent zerstritten und bei seinen Kollegen im Senat wenig beliebt. Im Laufe des Wahlkampfs sah sich der 45-jährige Sohn einer US-Bürgerin und eines Kubaners damit konfrontiert, ob er wegen seiner Geburt in Kanada überhaupt Präsident werden dürfe.
John Kasich – «K for Us»Der 63-jährige Kasich ist ehemaliger Investmentbanker bei Lehman Brothers und Gouverneur von Ohio. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Politik und wird als Kandidat der politischen Elite gehandelt, inzwischen gilt er jedoch als chancenlos.
Nach dem Start der Vorwahlen haben folgende Kandidaten ihre Ambitionen begraben müssen:Martin O'Malley – «Rebuild The American Dream»Wie Sanders umgarnte Martin O'Malley den linken Flügel der Demokraten. In Umfragen war er aber stets weit abgeschlagen. Der 53-Jährige amtete Bürgermeister der Ostküstenstadt Baltimore und Gouverneur von Maryland.
Marco Rubio – «A New American Century»Der Republikaner Marco Rubio wurde im Zuge der Tea-Party-Bewegung in Florida zum Senator gewählt, dann aber machte sich der 44-Jährige mit seiner Unterstützung einer gescheiterten Einwanderungsreform bei den Erzkonservativen unbeliebt. Im Laufe der Vorwahlen ist der Hispanic zum Hoffnungsträger des republikanischen Establishments geworden. Nachdem er aber auch seinen Heimatstaat Florida nicht gewinnen konnte, zog er sich aus dem Rennen zurück.
Rand Paul – «Defeat the Washington Machine. Unleash the American Dream»Auf das Allernötigste reduzieren wollte Rand Paul den Einfluss des Staates. Zugleich vertrat der 53-jährige Senator aus Kentucky eher liberale Haltungen in der Drogenpolitik und beim Schutz der Bürgerrechte.
Mike Huckabee – «From Hope to Higher Ground»Der einstige Baptistenprediger und frühere Gouverneur von Arkansas bemühte sich besonders um den Wählerblock der evangelikalen Christen.
Rick Santorum – «Restore the American Dream for Hardworking Families»Die gleiche Zielgruppe hatte auch Ex-Senator Rick Santorum im Visier.
Carly Fiorina – «New Possibilities. Real Leadership»Carly Fiorina war die einzige Frau unter den republikanischen Bewerbern. Die 61-Jährige priess ihre Erfahrung als Topmanagerin - auch wenn sie den Computerkonzern Hewlett-Packard einst auf Druck unzufriedener Aktionäre verlassen musste.
Jeb Bush – «Jeb!» oder «Jeb Can Fix It»Dank seiner Herkunft hat Jeb Bush beste Kontakte ins republikanische Establishment und zu Geldgebern: Der Ex-Gouverneur von Florida ist der Sohn von George H.W. und Bruder von George W. Bush, die beide schon im Weissen Haus sassen. Dennoch haben sich die republikanischen Wähler nicht gross für den 62-Jährigen interessiert.
Chris Christie – «Telling it Like it Is»Als Gouverneur von New Jersey hatte Chris Christie mit zupackendem Auftreten und unverblümter Sprache auch Wähler der politischen Mitte überzeugt. An der republikanischen Basis galt der 53-Jährige vielen aber als zu liberal.
Ben Carson – «Heal. Inspire. Revive.»Der ehemalige Neurochirurg Ben Carson warb mit seinem Status als Quereinsteiger und politischer Neuling. Der 64-Jährige war der einzige Afroamerikaner im Präsidentschaftsrennen. Nach einem Höhenflug in den Umfragen im Herbst verlor er an Zustimmung und galt schnell als chancenlos.
Jim Gilmore – «Gilmore for America»Praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit bewarb sich Virginias Ex-Gouverneur Jim Gilmore um die Republikaner-Kandidatur.Quelle: sda / Bilder: Keystone
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RMS

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Clinton gegen Trump – «Hillary» gegen «The Donald». So könnte das Duell um das Weisse Haus lauten, wenn die Amerikaner am 8. November den Nachfolger von US-Präsident Barack Obama wählen. Vielleicht aber nominieren die Demokraten statt der früheren Aussenministerin den linken Senator Bernie Sanders als ihren Kandidaten.
Und die Republikaner setzen nicht auf den streitbaren Immobilien-Milliardär Trump, sondern auf den erzkonservativen Senator Ted Cruz. Oder sie versuchen mit moderateren Bewerbern wie Marco Rubio oder Jeb Bush nach acht Jahren den mächtigsten Politikerposten der Welt zurückzuerobern. Die Entscheidungen sollen spätestens bis zum Sommer bei den parteiinternen Vorwahlen fallen. Das landesweite Schaulaufen startet diesen Montag im Agrarstaat Iowa.

Iowa brachte Clinton vor acht Jahren kein Glück

Als Hillary Clinton im April ihre Bewerbung bekanntgab, galt sie als gesetzt. Doch inzwischen macht der früheren First Lady ein international kaum bekannter Senator aus dem kleinen Bundesstaat Vermont das Leben schwer. In Umfragen holte der parteilose Sanders, der sich selbst als «demokratischer Sozialist» bezeichnet, in den vergangenen Monaten auf.
Manch einen erinnert das an 2008. Auch damals war Clinton bei ihrem ersten Anlauf für das Kandidatenticket lange Favoritin. Doch dann triumphierte in Iowa der schwarze Senator Obama. Eine Welle der Begeisterung trug ihn bis ins Weisse Haus. Clinton blieb das Aussenministerium.

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Grosse Erfahrung und tiefe Verstrickung

Ihre vier Jahre als Amerikas Chefdiplomatin brachten ihr viel Anerkennung. Aber sie sind auch der Grundstein für ein potenziell gewaltiges Hindernis auf dem Weg zur ersten US-Präsidentschaft einer Frau. Der 68-Jährigen droht eine Anklage, weil sie E-Mails während ihrer Zeit als Aussenministerin über einen privaten Server abwickelte. Kurz vor der Vorwahl spitzte sich die Affäre zu. Das Aussenministerium stufte 22 Mails als «Top Secret» ein.
Viele Wähler trauen Clinton nicht, sie sehen sie zu sehr verstrickt in den Washingtoner Machtapparat und nehmen ihr ihre Kampagne, die auf eine Stärkung der Mittelschicht abzielt, nicht ab. Da kommt Schützenhilfe vom Präsidenten, der in der eigenen Partei grosses Ansehen geniesst, gerade recht. Obama will zwar keine konkrete Wahlempfehlung abgeben. Aber kürzlich betonte er doch explizit die Vorzüge Clintons, allen voran ihre politische Erfahrung.

Unzufriedene fliegen auf Trump

Während Clinton auf Obamas Erbe aufbauen will, laufen die Republikaner dagegen Sturm: die Gesundheitsreform, das Atomabkommen mit dem Iran, die Syrien-Strategie, schärfere Waffenregeln, die Legalisierung der Homo-Ehe. All das hat auch viele Wähler verstört. Ein knappes Dutzend Bewerber wittert die Chance, dass die Wut auf Obama für einen Sieg der Republikaner im November reichen könnte. Vor allem einer weiss die Unzufriedenheit für sich zu nutzen: Donald Trump.

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Seit Monaten dominiert er die Schlagzeilen. Trump provoziert und polarisiert. Er wettert gegen Frauen, Muslime, Waffengegner. Einiges geht selbst seinen Mitbewerbern zu weit. Trotzdem hat der 69-Jährige eine riesige Fangemeinde um sich geschart. Und immer wieder verweist er auf seinen Erfolg als Unternehmer.

Alternativen mit Potenzial

Das soll ihn als Experten für eines der nach wie vor heissesten Eisen ausweisen: die Wirtschaft. Trump sagt, die USA befänden sich in einer Blase, die zu platzen drohe. Zwar wächst die Wirtschaft, und die Lage am Arbeitsmarkt ist so gut wie seit Jahren nicht mehr. Aber es bestehen durchaus Risiken, etwa die Konjunkturabkühlung in China und der niedrige Ölpreis. Trump sagt: «Das Land sitzt in der Patsche.»
Sein schärfster Rivale in Iowa ist laut Umfragen Ted Cruz. Der Senator aus Texas steht der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung nahe. Das dürfte einige Wähler abschrecken. Eine Alternative wäre Marco Rubio. Der 44-jährige Senator aus Florida ist Sohn kubanischer Einwanderer und könnte deshalb die wachsende hispano-amerikanische Wählerschaft gewinnen.

Zahlenmässig unbedeutend und trotzdem...

«Wer nicht mindestens Dritter in Iowa wird, kann nicht Präsident werden, das zeigt die Geschichte», sagt der renommierte US-Meinungsforscher Patrick Murray von der Monmouth University. Iowa war trotz seiner zahlenmässig geringen Bedeutung häufig Ausgangspunkt für spektakuläre Wahlsiege.

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So wurden etwa Jimmy Carter und Barack Obama vom Rückenwind ihrer Siege im Start-Bundesstaat in die Kandidatenposition und später ins Weisse Haus getragen. Dabei stimmen in Iowa erwartungsgemäss nur rund 350'000 Menschen ab. Mit 30 Parteitagsdelegierten bei den Republikanern und 44 bei den Demokraten spielt der Staat insgesamt keine gewichtige Rolle.

Mitte der Bevölkerung als Schlüssel zum Erfolg

Am Ende könnten taktische Überlegungen den Ausschlag geben. Wem trauen die Wähler am ehesten zu, das zutiefst gespaltene Land zu einen? Wer hält die Wirtschaft auf dem Erholungspfad? Wer bietet der radikal-islamischen IS-Miliz die Stirn, ohne die USA in einen Krieg wie in Afghanistan zu verstricken?
Für Demokraten wie Republikaner gilt: Das Abschneiden in den ersten Vorwahlen setzt den Ton. Mit einer Vorentscheidung insbesondere bei den Republikanern ist wohl frühestens Anfang März zu rechnen, wenn binnen einer Woche in mehr als 20 Bundesstaaten gewählt wird. Dann dürfte auch feststehen, ob ein Unabhängiger in das Geschehen eingreift, dem seit Jahren Ambitionen auf die Präsidentschaft nachgesagt werden: Michael Bloomberg. New Yorks Ex-Bürgermeister werden durchaus Chancen eingeräumt – wenn er die Mitte der Bevölkerung erreicht. Und das dürfte mitentscheiden, wer 45. Präsident der USA wird.

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(reuters/sda/jfr)

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