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Markus Seiler: Das ist das Machtnetz von Mister 001

Das neue Nachrichtendienstgesetz soll Spionagechef Markus Seiler mehr Waffen geben. Der Freisinnige baut auf seine Militärkontakte. Das sind seine Weggefährten und Gegenspieler.

Leo Müller

Seit sieben Jahren leitet Markus Seiler den Nachrichtendienst des Bundes (NDB) mit heute 276 Mitarbeitern. Das sind seine Weggefährten und Gegenspieler:
Die WeggefährtenSeinen Weg durch die politischen Instanzen stabilisierte Seiler mit Beziehungen zu einflussreichen FDP-Politikern. So zur St. Galler Wirtschaftsanwältin Karin Keller-Sutter, die in ihrem Kanton Justizministerin war, heute im Ständerat und in Pensionskassen-Verwaltungsräten sitzt.
Zu seinen Freunden zählt der umtriebige Zürcher IT-Unternehmer und Ständerat Ruedi Noser.
Zu diesem Netzwerk gehört der Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser, der als Polizei- und Militärdirektor auch ein Partner in Sicherheitsfragen ist. Käser war in der Armee zuletzt «Kdt HQ Rgt 2» – auf Deutsch: Kommandant im Infrastrukturregiment des Bundesrates.
In der Armee bestanden und bestehen gute Drähte zu dem kantigen Aargauer Christophe Keckeis, der bis 2007 Armeechef war.
Die GegenspielerMit der Abstimmung über das Nachrichtendienstgesetz musste auch der NDB-Chef mit politischer Opposition umgehen. Vehemente Kritik kam vom emeritierten Staatsrechtsprofessor Rainer Schweizer. Er hatte den Gegenaufruf für Sicherheit in Freiheit und Rechtsstaatlichkeit unterzeichnet und warnte vor einer «geheimen Staatsgewalt» beim NDB. Schweizer wollte die geforderten neuen Überwachungskompetenzen lieber bei der Bundesanwaltschaft ansiedeln.
Parlamentarisch wurde Schweizer sekundiert von Ständerätin Anita Fetz (SP) und …
… Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne). Bilder: Keystone
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Seit sieben Jahren leitet Markus Seiler den Nachrichtendienst des Bundes (NDB) mit heute 276 Mitarbeitern. Das sind seine Weggefährten und Gegenspieler: RMS

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Nachrichtendienst-Direktor Markus Seiler zelebriert wie viele seiner Kollegen von den Partnerdiensten aus Nato- und OECD-Ländern eine neue Offenheit und bewegt sich ungezwungen in der Öffentlichkeit. Seit sieben Jahren leitet er die damals neue Behörde mit heute 276 Mitarbeitern, in der Inland- und Auslandgeheimdienst unter dem Dach des VBS fusioniert wurden.
Politikwissenschaftler Seiler, Jahrgang 1968 und Bürger von Ermatingen TG, führt den Nachrichtendienst des Bundes (NDB) nahezu wie ein gewöhnliches Bundesamt. Sein Werdegang ist durch zwei Netzwerk-Kreise geprägt: Armee und FDP. In Ausbildungsprogrammen des US-Verteidigungsministeriums wurde er auf seine Aufgabe vorbereitet, und schon vor seinem Stellenantritt war er als VBS-Generalsekretär regelmässig an den Montagsgesprächen mit dem Chef des ehemaligen Strategischen Nachrichtendienstes dabei.
Wie jeder gestandene Spionagechef muss er nun auch für Pannen und Pleiten geradestehen: Dazu gehörte 2012 ein mutmasslicher Datendieb im eigenen Haus. Mit dem neuen Nachrichtendienstgesetz soll Seiler in private Räume eindringen, Telefone und E-Mail-Verkehr überwachen und Computer hacken dürfen – freilich nur nach einem gestaffelten Bewilligungsprozess mit Zustimmung von Richtern und Bundesrat.

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Seine Weggefährten und Gegenspieler sehen Sie in der Bildergalerie oben.
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